Kinder- und Jugendschutz / Sozialforschung

Strukturiertes klinisches Interview zu internetbezogenen Störungen – Diagnoseinstrument für die Praxis

Jugendlicher spielt Videospiele
Bild: © Iryna Tiumentseva - fotolia.com

Nicht jede intensive Beschäftigung mit Computerspielen, sozialen Medien etc. stellt einen Hinweis auf ein Problemverhalten dar. Umso wichtiger ist es, dass geeignete Instrumentarien für die klinische Diagnose zur Verfügung stehen. Der Fachverband für Medienabhängigkeit e.V. an der Medizinischen Hochschule Hannover stellt jetzt ein entsprechendes Instrumentarium zur Verfügung.

Bereits in der Vergangenheit hat der Fachverband Medienabhängigkeit e.V. darauf hingewiesen, dass einer akkuraten Diagnostik bei Internetsucht ein wesentlicher Stellenwert beizumessen ist. Dies gilt umso mehr, als bekannt ist, dass Internetsucht mit einer hohen Rate an komorbiden Erkrankungen einhergeht und eben diese Erkrankungen auch einen exzessiven Internetgebrauch als Symptom bedingen können, der nochmals von einem Suchtgeschehen abzugrenzen ist. Darüber hinaus, so zeigen aktuelle Zahlen, stellt die Internetnutzung für viele Menschen einen immer zentraleren Bestandteil des alltäglichen – und damit oftmals unproblematischen – Freizeitverhaltens dar. Nicht jede intensive Beschäftigung mit Computerspielen, sozialen Medien etc. stellt somit einen Hinweis auf ein Problemverhalten dar.

Unbestritten ist, dass es viele Fälle „klassischer“ Internetsucht gibt – die Zahlen aus epidemiologischen Studien und aus dem Versorgungssystem sprechen hier eine klare Sprache. Zudem deutet sich an, dass Internetsucht im kommenden ICD-11 als neue Diagnose aufgenommen wird, was den klinischen Stellenwert der Diagnose unterstreicht und gegebenenfalls zu einem weiteren Anstieg von Personen führt, die sich wegen dieser Problematik im Hilfesystem vorstellen.

Entsprechend wichtig ist es, Instrumente an der Hand zu haben, die eine diagnostische Einschätzung auf individueller Ebene unterstützen. Die Forschung und klinische Erfahrung zu internetbezogenen Störungen (Internetsucht) ist in den letzten Jahren spürbar vorangeschritten. Mit steigendem Wissen erhärtet sich gleichzeitig die Vermutung, dass die Diagnostik von internetbezogenen Störungen anspruchsvoll ist. Trotz verfügbarer, zum Teil auch gut validierter Fragebogenverfahren fehlt derzeit noch ein klinisch diagnostisches Instrument, mit welchem internetbezogene Störungen durch eine strukturierte Exploration diagnostiziert werden können. Diese Lücke soll mit AICA-SKI:IBS, einem ersten deutschsprachigen strukturierten klinischen Interview zu internetbezogenen Störungen geschlossen werden.

Basierend auf der langjährigen klinischen Erfahrung mit Patienten mit Internetsucht haben Kai Müller und Klaus Wölfling, beide langjährige Mitglieder im Fachverband Medienabhängigkeit, gemeinsam mit Kollegen der Ambulanz für Spielsucht Mainz AICA-SKI:IBS entwickelt. Um das Instrument einem möglichst großen Personenkreis zugänglich zu machen, wurde beschlossen, AICA-SKI:IBS kostenfrei über die Homepage des Fachverband Medienabhängigkeit zugänglich zu machen.

Die detaillierten Inhalte mit Interviews, Checkliste, Leitfaden, Handbuch usw. (pdf 331 KB) stellt der Fachverband online zur Verfügung. 

Quelle: Fachverband für Medienabhängigkeit e.V. vom 04.08.2017

Info-Pool