Kinder- und Jugendschutz / Gesundheit

Stick and Poke: Kinder-und Jugendärzte äußern sich zu selbstgestochenen Tattoos

Das Bild zeigt zwei Hände, die mit einem Vogelkäfig und einer fliegenden Taube tätowiert sind.
Bild: TheDigitalWay - pixabay.com

In den Sozialen Netzwerken und Videoportalen erklären Menschen in Tutorials, wie man sich zu Hause mit Nähnadel und Farbe ein Tattoo sticht. Stick and Poke heißt der neue Trend. Kinder- und Jugendärzte raten ab.

Dr. Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, erklärt den Trend: „Tattoostudios verweigern Minderjährigen Tattoos, um sich nicht strafbar zu machen. Jugendliche, die unbedingt ein Tattoo haben wollen, stechen es sich daher selbst. Das Zubehör dafür kann leicht online bestellt werden. Doch wer sich zu Hause ein Tattoo sticht, riskiert damit Infektionen. Über den Stichkanal können gefährliche Keime in den Körper eindringen und Krankheiten verursachen, insbesondere, wenn Nadeln von Freunden oder Freundinnen mitbenutzt und nicht richtig gereinigt werden.“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät daher dringend von Stick and Poke ab. Bis heute sei auch nicht geklärt, welche Schäden oder chronischen Erkrankungen die Farben, die unter die Haut gebracht werden und dort Jahrzehnte lang bleiben, im Körper anrichten. Zudem könne es sein, dass Jugendliche später ihr Tattoo wieder loswerden wollen. Das gehe mittels Laser-Technologie: Dabei werden die Farbpigmente durch kurze Lichtimpulse zertrümmert. Allerdings gelinge die Entfernung nie vollständig. Meist blieben Reste sichtbar. Oder das Tattoo bleibe als Negativabdruck zurück, weil durch das Stechen des Tattoos die Haut oft vernarbt und dabei auch das normale Hautpigment verschwindet.

Was tun, wenn Kinder unbedingt ein Tattoo haben wollen?

Dr. Josef Kahl gibt folgenden Ratschlag: „Ein Tattoo ist für viele Kinder und Jugendliche nicht nur einfach etwas schönes Bild, das sie auf Instagram posten können, sondern ein Akt der Selbstvergewisserung und Abgrenzung gegen die Eltern. Mit Verboten und Drohungen kommen Eltern daher nicht weiter, sie bewirken damit eher das Gegenteil.“

Besser wirke ein ruhiges Gespräch über die Gesundheitsgefahren des Tattoos und auch seiner Entfernung sowie auch über die Tatsache, dass sichtbare Tattoos je nach Branche immer noch Karrierekiller sein können. Eltern könnten ihre Kinder auch bitten, selbst zu recherchieren und sich zu informieren, welche Risiken sie eingehen, wenn sie sich stechen oder stechen lassen. Und genau darüber nachzudenken, warum sie ein Tattoo möchten und ob es nicht auch ohne geht. Manchmal helfe auch die Vereinbarung einer "Nachdenkzeit". Denn oft löse sich der dringende Wunsch nach einem Tattoo nach einigen Monaten in Luft auf und der Jugendliche sei dankbar, dass die Haut frei von Tattoos geblieben ist.

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) vom 21.02.2019

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