Kinder- und Jugendschutz / Kinder- und Jugendarbeit

Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen – Präventionsprojekt „Grenzgebiete“ startet jetzt auch in NRW

Das Bild zeigt die Mitarbeiter bei der Projektübergabe in Hannover
Bild: Kath. LAG Bei der Projektübergabe in Hannover Anfang August (v.l.n.r.): Anna Pallas (tpw), Tanja Opitz und Andrea Buskotte (LJS), Ilka Brambrink, Gesa Bertels, Martin Wazlawik (Kath. LAG).

Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen sind keine Einzelfälle. Nicht zuletzt die Missbrauchsfälle bei einer Jugendfreizeit auf Ameland im Jahr 2010 haben das Projekt „GRENZGEBIETE“ angestoßen, welches von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) seit 2010 mit großer Resonanz durchgeführt wird. Nun übernimmt die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. das Projekt und bringt es zeitnah in Nordrhein-Westfalen in Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit.

Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen geschehen in der Schule, im Sportverein, auf Partys, in Wohngruppen, zu Hause. Oft kennen Täter und Opfer einander. Sie flirten vielleicht, haben eine Verabredung gehabt oder eine Beziehung angefangen – bevor die Situation gekippt ist. Ein „Date Rape“, also ein sexueller Übergriff in einer Beziehung, beginnt oft in gegenseitigem Einvernehmen. Aber wenn aus einem Flirt eine aggressive Anmache wird, ist das der Zeitpunkt für ein klares „Nein“. Gegenüber dem Flirt oder Freund fällt dies oft besonders schwer.

Sexuelle Attacken in Gruppen

Viele jugendliche Täter üben sexuelle Gewalt im Kontext von Gruppenaktivitäten aus. Zwangsküssen, Eierkneifen, Strip-Poker, Gangbang – im Umfeld der Clique werden Jungen und Mädchen zu Handlungen gezwungen, die nur den Tätern „Spaß“ machen. Häufig wissen auch Unbeteiligte Bescheid. Dennoch ist es unter dem sozialen Druck in der Gruppe schwer, über solche Demütigungen zu sprechen.

Ein brisantes Thema

Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig verharmlost. Dabei wird ein Drittel aller Fälle von sexuellem Missbrauch von kindlichen oder jugendlichen Tätern begangen. Etwa 60 % der befragten Mädchen zwischen 17 und 20 Jahren haben Erfahrungen mit Erpressungen, Drohungen oder gewaltsamen sexuellen Handlungen. Auch Jungen sind von sexueller Gewalt durch Gleichaltrige betroffen.

Prävention

Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. will mit einem Theaterprogramm für Jugendliche und mit Fortbildungen für Erwachsene dazu beitragen, sexuelle Übergriffe rechtzeitig zu erkennen, zu benennen und zu verhindern. Das Projekt wurde von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) in Zusammenarbeit mit der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück (tpw) entwickelt und ist bereits in den letzten zwei Jahren erfolgreich in Niedersachsen durchgeführt worden.

Grenzgebiete – die Projektinhalte:

1. „EinTritt ins Glück“: Das Theaterprogramm

Die Produktion der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück spricht Schüler der 7. bis 9. Klassen an. Mädchen und Jugend werden darin gestärkt, die eigenen Grenzen zu erkennen und die Grenzen anderer zu respektieren. Wie erkennt man bei sexueller Anmache und sexueller Gewalt rechtzeitig, dass die Situation kippt? Wie stellt man mit Nachdruck klar, dass ein „Nein“ kein „Ja“ ist? Was kann man tun, um anderen zu helfen, wenn aus Spaß plötzlich Gewalt und aus einer Rangelei ein verletzender Übergriff wird?

2. Fortbildungen: Unterstützung und Aufmerksamkeit durch Erwachsene

Mit dem Projekt „Grenzgebiete“ will die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. auch Erzieherinnen und Erzieher, Fachkräfte aus Jugend- und Schulsozialarbeit sowie Lehrkräfte für das Thema sensibilisieren. In Fortbildungen erfahren sie, wie sie sich verhalten können, wenn sie sexuelle Übergriffe beobachten oder vermuten. Wie schafft man einen Anlass, über sexuelle Übergriffe zu sprechen – und wie findet man die richtigen Worte dafür?

3. Info-Veranstaltungen und Broschüren: Kompakte Informationen

Die Informationsveranstaltungen wenden sich an alle Erwachsenen – Eltern, Lehrkräfte, Hauptund Ehrenamtliche – die für Kinder und Jugendliche verantwortlich sind. Hier sollen grundlegende Informationen vermittelt werden. Und auch hier geht es darum, wie Erwachsene Jugendliche darin unterstützen können, sich gegen Grenzverletzungen zu wehren und über Erfahrungen mit sexueller Gewalt zu sprechen. Unterstützend dazu wird es sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche eine Broschüre geben, in welcher die wichtigsten Fakten, Tipps sowie Kontaktstellen zielgruppengerecht dargestellt sind.

Quelle: Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz NW e.V. vom 16.08.2012

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