Kinder- und Jugendschutz / Gesundheit

Saarländische Suchtprävention: Positiver Trend bei legalen Rauschmitteln

Ein Jugendlicher sitzt verzweifelt vor einer Reihe Sprirituosen-Flaschen
Bild: © Markus W. Lambrecht - Fotolia.com

Anlässlich des veröffentlichten Drogen- und Suchtberichts 2016 der Bundesregierung verwies Staatssekretär Kolling auf die im Saarland angebotenen Präventionsprojekte, die die gesamte Bandbreite des Jugend- und jungen Erwachsenenalters abdecken. Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol seit 1980 um fast drei Liter zurückgegangen sei, bereitet nach wie vor der immer noch hohe Konsum bei Kindern und Jugendlichen Sorgen.

Zwar seien seit 2011 die Zahlen der Krankenhauseinlieferungen von 10 – 20-Jährigen aufgrund von Alkoholintoxikation im Saarland rückläufig, aber man dürfe sich nicht zu früh freuen, so Kolling.

Landesinstitut für Präventives Handeln

"Wir verfügen im Saarland insbesondere mit dem Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) über eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung in der Suchtprävention und die bisherigen Maßnahmen greifen", so der Staatssekretär.
Erfreulich sei überdies, dass der Raucheranteil sowohl bei den über 18-Jährigen als auch bei den Jugendlichen im Saarland inzwischen unter Bundesdurchschnitt liege (vgl. S. 37/38 Drogensuchtbericht 2016). Allerdings zeige die Tatsache, dass in diesem Jahr bereits 13 Saarländerinnen und Saarländer an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben sind, während es in 2015 insgesamt 18 waren, das es keinen Grund zur Entwarnung gäbe. Im Gegenteil. "Wir dürfen nicht nachlassen, die Versorgung der Suchtkranken in unserem Land weiter zu optimieren und den Suchtmittelkonsum nachhaltig zu senken", betonte Kolling. Er verwies darauf, dass sich in diesem Jahr die Zahl der Drogentoten wieder erhöht habe, "da müssen wir eine Auge drauf haben".

Sucht im Alter

Eine weitere große Herausforderung sei auch das Thema Sucht im Alter. "Die Anzahl alter Menschen steigt im Saarland schneller als in anderen Bundesländern. Deshalb müssen wir jetzt geeignete Maßnahmen ergreifen, um dem Missbrauch von Alkohol und Medikamenten im Alter entgegenzuwirken und auch Angehörige und Pflegefachkräfte für diese Problematik zu sensibilisieren", sagte Kolling. Im Saarland ist die Zahl der Alkoholkranken als Hauptdiagnose mit 42 % gegenüber 52 % im Bundesdurchschnitt zwar deutlich niedriger, allerdings ist der Altersdurchschnitt bei Alkoholmissbrauch und pathologischem Glückspiel im Saarland höher als im Bundesdurchschnitt. So sind beispielsweise über 35,3 % der Alkoholkranken älter als 50 Jahre.

"Neue Süchte" wie Medien- und Computersucht

In dem saarländischen Beirat für Drogen- und Suchtfragen erarbeiten Fachkräfte vor Ort in enger Zusammenarbeit mit der Landesregierung entsprechende Präventionskonzepte und setzen sie um. Ein Schwerpunktthema sind die sogenannten "neuen Süchte" wie pathologisches Glücksspiel, Mediensucht oder die Themen Sucht im Alter und Frauen und Sucht sein. Etwa 30.000 Menschen sind aktuell von der Medien- und Computersucht betroffen. "Hier müssen wir unser Präventions- und Therapieangebot ausbauen und gut vernetzten", forderte der Staatssekretär.

Grundlage der Arbeit des Suchthilfebeirats sind die Daten der saarländischen Suchthilfestatistik, die regelmäßig vom Institut für Therapieforschung in München erhoben und ausgewertet werden. Anhand dieser Daten können laufende Projekte evaluiert und neue Trends und Entwicklungen erkannt werden.

Präventionsprojekte gegen Süchte

Die Präventionsprojekte decken im Saarland die gesamte Bandbreite des Jugend- und jungen Erwachsenenalters ab. Angefangen von "Schwanger ohne", das für Abstinenz von Alkohol und Nikotin während Schwangerschaft und Stillzeit wirbt, über die Programme zur Stärkung der Resilienz in Kindergarten ("Kiga Plus") und Grundschule ("Klasse 2000").
Zudem werden Multiplikatoren aus den Bereichen Schule und Jugendarbeit als Trainer im Programm "Rebound" geschult: "Rebound" wendet sich dabei an 14- bis 25-Jährige und hat neben dem Vermitteln von Wissen zum Bereich Alkohol und Drogen auch zum Ziel, Jugendlichen Wege aufzuzeigen, wie sie die Kontrolle behalten, Risiken besser einschätzen und die Fähigkeit erwerben, gegen den Gruppendruck "Nein" zu sagen.
Darüber hinaus wirbt das vom LPH  angebotene Programm "7 aus 14" für die Einhaltung der jugendschutzrechtlichen Bestimmungen vor allem im Umfeld von Vereinsaktivitäten.

Konsum von Cannabis

Die Präventionsfachstellen bieten flächendeckend das Programm FreD an, das Jugendlichen, die erstmals mit Cannabis erwischt worden sind, über ein abgestimmtes Kursangebot unter Umständen eine Verurteilung erspart.

Fahranfänger

Die inzwischen saarlandweit bekannte Initiative "Saar-Bob" wendet sich schließlich an die Gruppe der Fahranfänger (17 – 24 Jahre) und macht sich dafür stark, dass der Fahrer bei einen Fest- oder Diskobesuch einen Abend lang ganz auf Alkohol verzichtet.

Methode zur Drogenerkennung

Mit dem Konzept des LPH "Hinsehen und Handeln – Diagnose psychoaktiver Beeinflussung als Basis der Intervention im Sinne von Suchtprävention" werden Multiplikatoren befähigt, eine Drogenbeeinflussung bei ihren Schützlingen sicher erkennen und rechtzeitig erfolgversprechend intervenieren zu können. Multiplikatoren können z. B. Vorgesetzte und Ausbilder in Betrieben sein, die diese Methode zur Drogenerkennung als aktives Gesundheitsmanagement im Betrieb etablieren. Darüber hinaus richtet sich das Angebot auch an die Bereiche Pädagogische Kompetenz (Eltern, Lehrer, ..) und Verfolgungsbehörden (Polizei / Justiz).

Weiterführende Links

Quelle: Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Saarland vom 10.06.2016

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