Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

Rechtsextremismus online: Hass gegen Fremde alltägliche Realität

Jugendlicher am Computer

Blanker Hass gegen Flüchtlinge, Juden, Muslime, Homosexuelle oder Sinti und Roma ist im Social Web alltägliche Realität. Das konstatiert der aktuelle Jahresbericht "Rechtsextremismus online" von jugendschutz.net. Über 6.000 rechtsextreme Webangebote dokumentierte das Team im vergangenen Jahr, jedes dritte verstieß gegen den Jugendmedienschutz.

"Mit stylischen und provozierenden Inhalten sprechen Rechtsextreme gezielt Jugendliche an", so Christiane Schneider, Leiterin des Bereichs politischer Extremismus bei jugendschutz.net. "Beiträge im Social Web, die an Vorurteile und Ängste anknüpfen, erzielen große Reichweite, auch über Szenekreise hinaus." Im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdebatte hätten sich die Hinweise auf rassistische Hetze bereits verdreifacht.

"Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder und Jugendliche Hetze gegen Flüchtlinge, Juden, Muslime, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Selbstverständlichkeit im Netz erleben", mahnt Bundesjugendministerin Manuela Schwesig. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Arbeit im Bereich Rechtsextremismus von jugendschutz.net seit 2012. "Darum setzen wir uns für eine starke Allianz aus Plattformbetreibern, die Hassbotschaften konsequent ahnden, erwachsenen und jugendlichen Vorbildern, die offen Stellung gegen Rassismus beziehen, und einer Community, die Hetzer mit allen medialen Mitteln in ihre Schranken weist, ein."

In 58 % der Fälle gelang es jugendschutz.net, Jugendliche schnell vor gefährdenden Inhalten zu schützen. Effektivstes Mittel war dabei der direkte Kontakt zu den großen Plattformbetreibern. "Aufrufe im Netz, Flüchtlingen mit Gewalt zu begegnen, sind auch nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag absolut unzulässig und müssen mit aller Konsequenz verfolgt und unterbunden werden.", betont Siegfried Schneider, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). jugendschutz.net leitet Verdachtsfälle, bei denen deutsche Verantwortliche bekannt sind, an die KJM weiter, die ein medienrechtliches Verfahren einleitet.

Neben der Konfrontation mit unverhohlenem Hass und Gewalt werden Jugendliche auch subtil geködert. "Wo Rechtsextreme an jugendkulturelle Phänomene anknüpfen oder mit dem Reiz des Rebellischen und Verbotenen spielen, ist erzieherischer Jugendschutz unverzichtbar.", sagt die rheinland-pfälzische Kinder- und Jugendministerin Irene Alt. Im Mai hätten die Jugendministerien von Bund und Ländern bekräftigt, den verantwortungsbewussten, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit Medien zu fördern. "Die Sozialen Medien werden von allen Jugendlichen tagtäglich genutzt. Öffentliche Jugendhilfe und freie Träger müssen ihre bewährten Angebote weiterentwickeln, um Gefährdungen auch in der virtuellen Welt vorzubeugen."

Der Bericht von jugendschutz.net zu Rechtsextremismus steht im Internet zum Download zur Verfügung: http://hass-im-netz.info/s/bericht2014

Quelle: jugendschutz.net vom 29.09.2015.

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