Kinder- und Jugendschutz / Freiwilliges Engagement

„One Billion Rising“: Weltweite Aktion gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Jugendliche tanzen
Bild: © yanlev - Fotolia.com

„Eine Milliarde erhebt sich“: Am 14. Februar 2018 tanzen auch in Deutschland zahlreiche Menschen anlässlich der größten Kampagne weltweit, um zur Beendung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufzurufen.

Weltweite Aktion „One Billion Rising“

Die Kampagne „One Billion Rising“ (englisch für „Eine Milliarde erhebt sich“) wurde 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert. Eine Milliarde bezieht sich auf eine UN-Statistik, der zufolge eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens vergewaltigt oder Opfer von schwerer Körperverletzung wird. Ähnliche Zahlen gelten für Deutschland. Dem Aufruf folgend tanzten am 14. Februar 2013 erstmals Menschen auf öffentlichen Plätzen als Protest gegen Gewalt. Seitdem findet die weltweite Aktion immer am 14. Februar statt, der ja als Valentinstag auch für die Liebe steht.

Eine Auswahl von Videos aus Deutschland zu One Billion Rising steht als Youtube-Playlist online zur Verfügung:

Brandenburgs Frauenministerin Golze: Gewalt gegen Frauen darf nicht geduldet werden

Auch in Brandenburg tanzen am 14. Februar Frauen gegen Gewalt an. In Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel, Neuruppin, Hohen Neuendorf, Rathenow und Angermünde finden Aktionen zur Kampagne „One Billion Rising“ statt.

Frauenministerin Diana Golze sagte: „Frauen in aller Welt stehen an diesem Tag auf und demonstrieren ihre Kraft und Solidarität. Ich freue mich über die große Beteiligung auch in Brandenburg. Auch Männer sind aufgerufen, Flagge zu zeigen. Wir wollen betroffenen Frauen, Mädchen und Jungen ihren Stolz zurückgeben und unsere Solidarität zeigen. Niemand muss sich dafür schämen, vergewaltigt oder belästigt worden zu sein. Es ist aber eine Schande für die Angreifer und alle, die dazu schweigen.“

„In den letzten Monaten haben zahlreiche Schauspielerinnen und andere Frauen unter dem Hashtag „#MeToo“ öffentlich gemacht, dass sie sexualisierte Gewalt erlitten haben. Das Ausmaß hat alle entsetzt. Es ist schockierend, wie weit auch im 21. Jahrhundert Gewalt gegen Frauen noch verbreitet ist. Wir müssen uns dagegen wehren und zeigen, dass wir das nicht dulden. Opfer von Gewalt und Belästigung sind nicht allein! Ich rufe auch die Frauen auf, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn viele von Gewalt betroffene Frauen brauchen Unterstützung - sowohl im persönlichen sozialen Umfeld als auch professionell.“

Von Gewalt betroffene Frauen brauchen Unterstützung

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe, sagte: „Ich bin begeistert, dass in diesem Jahr auch Frauen mit Behinderungen öffentlich in Potsdam tanzen werden. Das ist für sie ein großer Schritt, aber ungeheuer wichtig. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Frauen mit Behinderungen ganz besonders von Gewalt in jeglicher Form betroffen sind. Da reicht die Gewaltfacette von personeller Gewalt über diverse Diskriminierungsformen bis hin zu struktureller Gewalt. Unsere üblichen Hilfe- und Unterstützungssysteme greifen hier zu kurz. Landesseitig unterstützte Maßnahmen wie die Schulung von Frauenbeauftragten in Werkstätten und Wohnstätten sind hier ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Die Dunkelziffer ist hoch. Immer noch gehen geschätzt zwei Drittel der Opfer nicht zur Polizei oder suchen eine Hilfseinrichtung auf. In Brandenburg gewähren 21 Frauenhäuser und andere Schutzeinrichtungen Zuflucht bei akuter Bedrohung.

Eine Übersicht über geplante landesweite Aktionen kann auf www.onebillionrising.de abgerufen werden.

Hessens Sozialminister Grüttner: „Uns ist es ein wichtiges Anliegen, Frauen und deren Kindern zu helfen, die Opfer von Gewalt geworden sind“

Anlässlich der Aktion „One Billion Rising“, betonte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner in Wiesbaden, dass „wir in Hessen Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht hinnehmen. Auf Grundlage des Aktionsplans zur Bekämpfung der Gewalt im häuslichen Bereich hat die Hessische Landesregierung zahlreiche Maßnahmen initiiert, die dem Schutz vor Partnergewalt und sexualisierter Gewalt, aber auch dem Schutz von Kindern dienen“, so Grüttner. Hessen verfüge über ein ausdifferenziertes Netz an Unterstützungseinrichtungen für Frauen. In den 31 hessischen Frauenhäusern, bei den Interventions- und Frauenberatungsstellen in jedem Landkreis Hessens und den neun hessischen Frauennotrufen fänden Opfer Gehör, Rat und Hilfe, die das Land im Rahmen des 2014 eingeführten Sozialbudgets unterstützt.

Das Land finanziere zudem vielfältige spezialisierte Einrichtungen und Maßnahmen - Frauenhäuser, Notrufe, Schutzambulanzen, Interventions- und Beratungsstellen zum Schutz vor häuslicher Gewalt und sexualisierter Gewalt, aber auch die Täterarbeit - seit Anfang der Legislaturperiode jährlich mit rund 5,4 Millionen Euro. Mit dem neuen Haushalt 2018/2019 wird sich die Summe der Landesmittel weiter erhöhen. Darüber hinaus finanziert das Hessische Ministerium für Soziales und Integration vielfältige Modellprojekte, die sich für einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt und für die gesundheitliche Versorgung von Gewaltopfern einsetzen.

Seit mittlerweile fünf Jahren gibt es in Hessen das ärztliche Angebot der „Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung. Da jede Vergewaltigung ein Notfall ist, sichert die „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ die notwendige sensible und fachgerechte medizinische Versorgung und Betreuung im Krankenhaus der eigenen Wahl und zudem die psychosoziale Betreuung im Anschluss an der Behandlung. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration fördert von Beginn an den überregionalen Ausbau der „Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung“.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Als bundesweite Anlaufstelle steht rund um die Uhr das kostenlose Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Telefonnummer 08000 – 116 016 und online unter www.hilfetelefon.de zur Verfügung. Qualifizierte Beraterinnen bieten barrierefrei und neben Deutsch in 17 weiteren Sprachen kompetente Erstberatung an. Sie vermitteln die Betroffenen auf Wunsch zur weiteren Betreuung an Unterstützungseinrichtungen vor Ort.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg vom 12.02.2018, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration vom 13.02.2018

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