Kinder- und Jugendschutz / SGB VIII

Kinderschutzbund fordert Konsequenzen nach Missbrauchsfall auf Campingplatz

Alter Teddy liegt auf dem Asphalt
Bild: Frau Böb (buuuussssyyyyyy)   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Angesichts des sexuellen Missbrauchs von mindestens 23 Kindern auf einem Campingplatz bei Detmold in Nordrhein-Westfalen fordert der Kinderschutzbund die Einsetzung einer Untersuchungskommission sowie Änderungen im Kinder- und Jugendhilferecht. Insbesondere sollten sog. Fremdmelder, also etwa Ärzte oder Fachkräfte der freien Träger in die Gefahrenabschätzung einbezogen werden und auch Rückmeldung erhalten.

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers reagierte betroffen auf das Ausmaß der Vorwürfe und sprach den Kindern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin erschüttert von dem, was dort passiert ist. Nach allem, was die Kinder erdulden mussten, können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ein derart schrecklicher Fall muss Konsequenzen haben.“

Fremdmelder in Gahrenabschätzung einbeziehen

Der DKSB-Ortsverband hatte im August 2016 einen Hinweis bekommen, der auf einen möglichen sexuellen Missbrauch hindeutete und diesen ordnungsgemäß an die Polizei in Detmold in Nordrhein-Westfalen sowie an das Jugendamt Hameln-Pyrmont in Niedersachsen weitergeleitet. Der Eingang wurde bestätigt und dem Ortsverband zurückgemeldet, dass der Hinweis überprüft werde. Heinz Hilgers: „Damit hat sich der Ortsverband vorbildlich verhalten und alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die einem gemeinnützigen Träger, der keine behördlichen Vollmachten hat, zur Verfügung stehen. Detaillierte Rückmeldungen sind nach der derzeitigen Gesetzeslage weder vorgeschrieben noch zulässig.“

Verfahrensabläufe und Strukturen prüfen

Der Kinderschutzbund spricht sich deshalb für eine Änderung der Kinder- und Jugendhilfe aus. Vize-Präsidentin Prof. Dr. Sabine Andresen: „Wir fordern, dass Fremdmelder, die auch Geheimnisträger sind, wie beispielsweise Ärzte oder Fachkräfte der freien Träger, künftig in die Gefahrenabschätzung einbezogen werden, eine detaillierte Rückmeldung über die Maßnahmen der Jugendhilfe und der Polizei erhalten und nicht im Dunkeln gelassen werden.“

Heinz Hilgers ergänzt: „Außerdem fordern wir die Einsetzung einer gemeinsamen, mit externen Fachleuten besetzen, Kinderschutzkommission von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese Kommission muss die Verfahrensabläufe genau untersuchen und auch die Situation der dörflichen Strukturen prüfen, in denen ein jahrelanger massenhafter Missbrauch nicht entdeckt wurde, und daraus Verbesserungsvorschläge für die Zukunft ableiten.“

Quelle: Deutscher Kinderschutzbund vom 01.02.2019

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