Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

Kinderkommission fordert durchdachte Vorbereitung der Kinder auf die digitale Welt und besseren Schutz vor Übergriffen

"Für Kinder" steht auf der Enter-Taste einer Tastatur
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Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags fordert mehr Anstrengungen beim Jugendmedienschutz und bei der Bekämpfung der Internet-Kriminalität sowie eine durchdachte Heranführung und Bildung der Kinder zur Medienmündigkeit. Unter dem Titel „Kindeswohl und digitalisierte Gesellschaft: Chancen wahrnehmen – Risiken bannen“ hat die Kommission eine entsprechende Stellungnahme veröffentlicht.

„Kinder müssen besser vor Internet-Kriminalität geschützt werden. Es kann nicht sein, dass Täter nicht verfolgt werden können, weil sie einen Provider im Ausland nutzen oder weil die Strafverfolgungsbehörden schlecht ausgestattet sind. Wir wollen, dass Bundesländer und Bundesregierung hier besser zusammenarbeiten, denn Kinder brauchen einen verlässlichen Schutz vor und nach Straftaten, deren Opfer sie wurden. Wir empfehlen auch dringend, dass die Bundesländer abgestimmte flächendeckende Konzepte für die Medienbildung entwickeln, damit Kinder nicht nur kompetent, sondern auch sensibel und verantwortungsbewusst im Umgang mit digitalen Medien werden. Nur dann können sie die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft meistern und selbst einen Teil zu ihrer Weiterentwicklung beitragen“, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina M. Wiesmann, unter deren Vorsitz die Stellungnahme von der Kinderkommission erarbeitet wurde.

Mehr Kinderschutz und Medienmündigkeit in Bildungskonzepten

Bund und Länder sollen unter anderem dafür sorgen, dass Medienanbieter einheitliche Kinderschutzstandards verpflichtend einhalten, dass Missbrauchsdarstellungen den Strafverfolgungsbehörden gemeldet werden und dass die Erforschung des technischen Jugendschutzes ausgebaut wird. Außerdem soll die Strafverfolgung verbessert werden.

Die Kinderkommission empfiehlt auch dringend eine bessere Beratung von Eltern und pädagogischen Fachkräften über den Umgang mit digitalen Medien; den Ländern wird empfohlen, abgestufte Bildungskonzepte mit dem Ziel der Medienmündigkeit zu entwickeln, ohne auf die klassischen Schulfächer zu verzichten.

Chancen wahrnehmen – Risiken bannen

Die Kinderkommission führte zahlreiche Expertengespräche und verabschiedete einstimmig die Stellungnahme zum Thema „Kindeswohl und digitalisierte Gesellschaft: Chancen wahrnehmen – Risiken bannen“ (PDF, 308 KB). Die Empfehlungen der Kommission gliedern sich in sechs Bereiche, deren Überschriften hier aufgezählt werden:

  1. Regulierung verbessern
  2. Mittel zur Forschung und Förderung gezielter unter Kinderschutzgesichtspunkten einsetzen
  3. Strafverfolgung stärken
  4. Abgestuftes Bildungskonzept für Medienmündigkeit einsetzen
  5. Jugendmedienschutz unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen laufend weiterentwickeln
  6. Eltern stärken, Öffentlichkeit aufklären

Mit dieser Stellungnahme will die Kinderkommission vor dem Hintergrund der Risiken der Digitalisierung Hinweise für eine angemessene Prävention und Regulierung geben, damit sich Kinder und Jugendliche sicher und erfolgreich in der digitalen Welt bewegen können.

Hintergrund

Digitale Medien und Künstliche Intelligenz werden in wenigen Jahren die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft prägen. Bisher vom Menschen vollzogene oder gesteuerte Abläufe werden von Maschinen erledigt, ganze Berufsfelder verändern sich. Die Digitalisierung eröffnet große Chancen – sie reichen von freiem Informationsaustausch über die Automatisierung von Produktionsprozessen und über neue Lernzugänge bis hin zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der medizinischen Versorgung. Ein rechtzeitiges Gestalten dieser Veränderungen ist notwendig.

Kinder sollen deshalb früh den Umgang mit digitalen Geräten, dem Internet und den neuen Medien lernen; im Rahmen der Digitalen Agenda der Bundesregierung sind mit dem Digitalpakt Milliardenbeträge für unterstützende Investitionen in die Bildungssysteme vorgesehen. Sozial- und Bildungspolitiker sehen durch den Einsatz der neuen Technologien im Unterricht die Chance auf Ausgleich von Bildungsnachteilen einzelner Kinder. In Japan werden zunehmend Roboter als Ergänzung im Schulunterricht eingesetzt. Der Einsatz von Tablets wird bereits für das Kindergartenalter diskutiert.

Die Kinderkommission des Bundestages hat 2014 das Thema „Medienkompetenz“ von Kindern und Jugendlichen aufgegriffen; die Bundesregierung stellt ihrerseits Handreichungen fürs „Digitale Kinderzimmer“ zur Verfügung.

Quelle: Deutscher Bundestag, Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission)

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