Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

"In der Tiefe des Raumes" – medien impuls widmet sich dem Thema "Virtual Reality"

Bildstreifen
Bild: geralt / pixabay.com

Eine Brille, die das komplettes Sichtfeld ausfüllt und eine vollständige Interaktion in einer beliebigen Szenerie möglich macht. Sie wissen, dass dies nicht real ist, aber erleben es dennoch intuitiv und intensiv als "echt": Willkommen in der Virtual Reality (VR).

Etwa 130 Gäste folgten am 24. November der Einladung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) zur gemeinsames medien-impuls-Tagung unter dem Titel "In der Tiefe des Raumes. Virtual Reality und die Illusion von Wirklichkeit".

Veränderungen von Wahrnehmung 

Die Veranstaltung in der Berliner Bertelsmann Repräsentanz beschäftigte sich nicht nur mit dem aktuellen Stand der VR-Technik, deren (zukünftigen) Einsatzmöglichkeiten und neuen Wegen des Visuellen Erzählens, sondern beleuchtete auch potentielle Veränderungen unserer Wahrnehmung durch VR. Ergänzend zum Vortragsprogramm konnten die Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer verschiedene Virtual-Reality-Systeme ausprobieren und in virtuelle Welten eintauchen.

Jan-Keno Janssen, Experte für VR bei c’t – magazin für comuter technik, ist bekennender Virtual-Reality-Fan. Er zeigte, dass VR in allen Bereichen einsetzbar ist, die sinnliches Erleben erfordern. Die starken Immersionseffekte seien das Kraftvolle an VR.

Machtvolles Instrument

Dr. Tilo Hartmann, Professor an der Freien Universität Amsterdam, bezeichnete VR aus medienpsychologischer Sicht als ein "sehr machtvolles Instrument", das viel intensiver als etablierte Medien wirke. Viele Effekte von VR seien unbewusst und implizit, was nach seiner Sicht auch die Gefahr berge, dass Distanzierung und Regulierung durch Medienwissen nicht wie gewohnt funktionierten.

Intimität der Filmerfahrung 

Robert Cibis, Produzent, sieht sich selbst als "Hersteller von Erzählwelten". Gerade im dokumentarischen Bereich bietet VR seiner Meinung nach die Möglichkeit, den Zuschauerinnen und Zuschauern viel mehr Details einer Geschichte näher zu bringen. Die erlernte Bildsprache sei dennoch auch für VR-Formate aktuell. Völlig neu ist die Intimität der Filmerfahrung.

Folgen für den Jugendschutz

Auf dem abschließenden Podium diskutierten die Referenten gemeinsam mit Marek Brunner, Leiter des Testbereichs bei der USK, über mögliche Folgen von Virtual Reality für den Jugendschutz. Über 70 VR-Produktionen hat die USK bisher getestet, darunter zahlreiche sogenannte "experiences" von fünf bis 20 Minuten Spielezeit. "Viel Horror und viel Cockpit" habe er in den letzten Jahren in diesem Bereich gesehen. Die Einführung einer neuen Risikodimension für VR-Spiele erachtete Brunner nicht als notwendig.

Einigkeit herrschte bei den Diskutanten darüber, dass Virtual Reality intensive seelische und körperliche Reaktionen hervorrufen kann. VR-Entwickler trügen deshalb eine besondere Verantwortung. Bisher sind VR-Anwendungen ein Nischenprodukt. Darüber, ob es sich in der näheren Zukunft zu einem Massenmedium etablieren wird, war man sich auf dem Podium uneins. Die Anwendungsbereiche zumindest sind äußerst vielfältig und werden mit fortschreitender technischer Entwicklung noch wachsen. Im Bereich der Therapie von Posttraumatischen Belastungsstörungen etwa komm VR bereits heute erfolgreich zum Einsatz. Ein paar Eindrücke von der Veranstaltung können Sie bereits bei uns auf Facebook sehen. Die Pressemeldung mit Bildern der Referentin und den Referenten finden Sie demnächst auf unserer Website.

Quelle: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e. V. vom 25.11.2016