Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

Gemobbt! – Wenn aus Opfern Täter werden

Eine Jugendliche wird von vier anderen Mädchen ausgegrenzt und sieht traurig aus.
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Wer einmal Opfer von Mobbing-Attacken über soziale Medien wurde, wird häufig auch zum Täter – und umgekehrt. Wie Schüler Mobbing erleben und wie Erwachsene sie präventiv begleiten können, ist Thema einer Fachtagung am 15. März 2016.

Die Landesstelle Jugendschutz stellt auf ihrer Fachtagung "Gemobbt!" am 15. März 2016 in der Akademie des Sports neue Erkenntnisse zu der Verbindung zwischen klassischem Mobbing und Cybermobbing vor. Im Expertenkreis wird diskutiert, wie Online-Mobbing und reales Mobbing zusammenhängen und welche Möglichkeiten der Hilfe und Prävention es gibt.

Einführend stellt Prof. Mechthild Schäfer von der Ludwig-Maximilians-Universität München die Situation von gemobbten Kindern und Jugendlichen und die Gruppendynamik bei Mobbing dar: "Mobbende haben schnell ein Drittel der Kinder auf ihrer Seite. Je länger der Prozess andauert, desto schwieriger wird es, etwas dagegen zu unternehmen." Vielfach erleben betroffene Kinder ein System der Schikane, in dem direktes Mobbing in der Schule und die Online-Belästigungen danach zusammentreffen. Weil die Posts und Kommentare nach der Schule nicht aufhören, ist das Mobbing via Smartphone besonders belastend für Kinder und Jugendliche. "Über soziale Kanäle wie WhatsApp fühlen Cybermobbing-Opfer sich in besonderem Maße drangsaliert, weil sie keinerlei Rückzugsmöglichkeiten haben", hält Andrea Buskotte, Referentin für Gewaltprävention bei der LJS, fest.

Wie Dr. Ruth Festl vom Deutschen Jugendinstitut untersucht hat, sind beim Cybermobbing die Erfahrungen von Tätern und Opfern eng verknüpft. Wer einmal Opfer von Mobbing-Attacken über soziale Medien wurde, wird häufig auch zum Täter – und umgekehrt. "Diese Befunde geben ein konträres Bild zum traditionellen Mobbing an Schulen wieder, für das oftmals klare Täter- und Opferstereotype festgestellt werden konnten", so Festl. Nach ihrem Vortrag wird es im Rahmen der LJS-Tagung auch um Präventionsmöglichkeiten gehen – und darum, wie Eltern und pädagogische Fachkräfte eingreifen und gemobbten Schülern helfen können. Die Expertin Jutta Sengpiel berichtet aus der schulischen Praxis, wie Mobbingprozesse gestoppt und Opfer geschützt werden.

Im Anschluss können die Teilnehmenden in drei Workshops Methoden der Gewaltprävention und der Intervention beim Mobbing kennen lernen und erproben.

Informationen und Anmeldung unter: www.jugendschutz-niedersachsen.de

Quelle: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen vom 10.03.2016

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