Kinder- und Jugendschutz / Qualifizierung

Gemeinsam gegenhalten – Fachtagung der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen zu Hate Speech und Prävention

Ein Mann schreit etwas an eine Tafel während eine Gruppe von Personen auf Stühlen ihm zuhört
Bild: rawpixel.com

Abwertende Kommentare, verbale Bedrohungen, diskriminierende Posts – Hetze und Hass im Netz, so genannte Hate Speech, zielt auf Ausgrenzung. Wer attackiert wird, fühlt sich oft verletzt und ohnmächtig. Auf der LJS-Fachtagung am 11. Mai 2017 in Hannover befassen sich Expertinnen aus Pädagogik, Psychologie und Medienforschung mit der Frage, wie Jugendliche mit Online-Attacken und Hassposts umgehen und wie sie sich schützen können.

Einführend stellt Aycha Riffi vom Grimme-Institut in Marl eine aktuelle Studie zum Umgang mit Hasskommentaren vor und zeigt in diesem Kontext, wie wichtig feste Regeln und eine redaktionelle Begleitung in Online-Foren sind, um Attacken wirksam zu begegnen.

Die Berliner Psychologin Dorothee Scholz erläutert im Anschluss, dass die emotionalen Folgen von aggressiven Online-Kommentaren oft vergleichbar mit Reaktionen auf "echte" Übergriffe sind. Ähnlich wie nach direkten physischen Bedrohungen fühlen sich die Betroffenen bloßgestellt und gedemütigt.

Andrea Buskotte, Referentin für Gewaltprävention bei der LJS, betont, dass angesichts von Drohungen und Hate Speech eine Prävention wichtig ist, die Jugendliche motiviert, Haltung zu beziehen und sich einzumischen. In der Arbeit mit Jugendlichen gehe es deshalb darum, soziale Kompetenz zu vermitteln, so Buskotte: "Jugendliche sollten lernen, dass online die gleichen Verhaltensregeln und Werte gelten, die auch unser Zusammenleben offline prägen."

Auch Cornelia Heyken von der Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin hebt hervor, wie wichtig Zivilcourage im Netz ist. Wer rechtsextremistische oder rassistische Kommentare erhält oder mitliest, kann dagegenhalten und sich von solchen Äußerungen abgrenzen. Eine stabile Community, die sich entschlossen gegen Hassposts positioniert, stärkt den Betroffenen den Rücken und hat eine wichtige Außenwirkung.

Abwertung und Ausgrenzung werden auch in manchen Online-Spielen und Gaming-Communities artikuliert. Maike Groen von der Technischen Hochschule Köln hat sexistische Äußerungen in der Gaming-Szene untersucht. Sie zeigt in ihrem Vortrag, welche Dynamik sexistische Posts entwickeln – und was Sexismus für die Betroffenen bedeutet.

Für Eva Hanel, Referentin für Medien bei der LJS, gilt: "Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, sollte Stellung beziehen, wenn Einzelne oder Gruppen diskriminiert werden." Fakten posten, dagegenhalten, humorvoll reagieren – eine wirkungsvolle Counter Speech ist auf vielen Ebenen möglich. "Wenn User freundlich, aber klar Stellung beziehen, ist das eine äußerst hilfreiche digitale Rückendeckung für die Betroffenen", hält Eva Hanel fest. Um gute Beispiele für die digitale Gegenrede wird es deshalb auf der Tagung ebenfalls gehen.

Tagungsprogramm

"Kein Platz für digitalen Hass und Diskriminierung"
Ort: Freizeitheim Vahrenwald, Vahrenwalder Str. 92, 30165 Hannover

  • 10.00 Begrüßung und Einführung / Andrea Buskotte, Eva Hanel, LJS
  • 10.15 Hate Speech – Zum Umgang mit Hasskommentaren im Netz / Aycha Riffi, Grimme Institut, Marl
  • 11.15 Kaffeepause
  • 11.30 Toxisches Feedback und digitale Gewalt – Funktionen, Folgen, Prävention / Dorothee Scholz, Diplom-Psychologin, Berlin
  • 12.30 Mittagspause
  • 13.30 Empathie stärken und aktiv werden: Materialien für die Prävention / Andrea Buskotte, Eva Hanel, LJS
  • 14.15 Kaffeepause
  • 14.30 Rechtsextremismus 2.0 – und was dagegen getan werden kann / Cornelia Heyken, Amadeu-Antonio-Stiftung
  • 15.30 Cyber-Sexismus in der Gaming-Szene: Ursachen und Umgangsformen / Maike Groen, TH Köln

Anmeldung

Über die LJS

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen ist ein Fachreferat der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V. und arbeitet zu aktuellen Themen des Kinder- und Jugendschutzes. Die Tätigkeitsfelder sind Fortbildung, Materialentwicklung, Fachberatung, Projektentwicklung sowie die Mitarbeit in Arbeitskreisen und Gremien.

www.jugendschutz-niedersachsen.de

Quelle: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen vom 27.04.2017

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