Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

Eltern und Fachkräfte müssen im Netz aktiv sein, um Kinder und Jugendliche schützen zu können

Zeichnung eines Smartphones mit Sprechblasen zum Thema Jugendmedienschutz
Bild: © BAG der Kinderschutz-Zentren e.V.

Um zu Partizipieren aber auch vor Gefahren im Netz geschützt zu werden, sind Kinder und Jugendliche auf die digitalen Kompetenzen von Erwachsenen angewiesen, so die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren anlässlich des Safer Internet Day. Daher bedarf es u.a. eines starken Kinder- und Jugendmedienschutzes, der Eltern und Fachkräften Orientierung bietet.

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung (§1631 Abs. 2 BGB) und das Recht auf einen uneingeschränkten und gleichberechtigten Zugang zur digitalen Welt (UN-KRK Art. 17). Um zum einen zu Partizipieren, zum anderen aber auch vor Risiken und Gefahren im Netz geschützt zu werden, sind Kinder und Jugendliche auf die digitalen Fähig- und Fertigkeiten und Kenntnisse von Erwachsenen angewiesen. Unter der Überschrift „Together for a better internet“ soll der Safer Internet Day die gemeinsame Verantwortung für eine sichere und transparente digitale Welt in den Fokus rücken.

Anforderungen an Eltern und Fachkräfte haben sich verändert

Unter dem Terminus digitale Welt wird jedoch weitaus mehr als das Internet verstanden, nämlich vielmehr „das Zusammenspiel der sich stetig entwickelnden Angebote (Inhalte, Programme und Dienstleistungen) kommerzieller, öffentlicher und anderer Anbieter in digitaler Form“ (Quelle: kinderrechte.digital).  Aus dieser Definition lässt sich ableiten, dass sich eine Vielzahl digitaler Angebote, die Kinder und Jugendliche heute nutzen, rasant entwickeln und für Eltern und Fachkräfte zu einer unüberschaubaren Odyssee werden können. Damit einhergehend haben sich die Anforderungen an Eltern und Fachkräfte in der Diskussion um kindgerechten und sicheren Medienkonsum verändert. Nebst den Möglichkeiten und auch Chancen, die die digitale Welt zu bieten hat, steht besonders der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken und Gefahren im Zentrum, und wie dieser bestmöglich gewährleistet werden kann.

Kompetenzvermittelnd aktiv sein und sensibilisieren

Um mit den virtuellen Entwicklungen und Medienphänomenen Schritt halten zu können, stehen Eltern und Fachkräfte gleichermaßen vor der Herausforderung, kontinuierlich aktiv sein zu müssen. Um ein gutes und sicheres Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen gewährleisten zu können, müssen Eltern und Fachkräfte demnach zumindest in Teilen die Rolle der Kompetenzvermittler ausfüllen und ihre eigenen digitalen Kompetenzen stetig auf den Prüfstand stellen.

Für Eltern existieren (Web-)Angebote und Informationsbroschüren, die über mögliche Risiken aufklären, Maßnahmen zum Schutz vor Gefahren im Netz erläutern und Beratungsstellen vorstellen. Die Kinderschutz-Zentren unterstreichen, dass es aber vor allem gut ausgebildeter Fachkräfte bedarf, die ratsuchenden Eltern und Kindern in der digitalen Welt zur Seite stehen, transparente und verständliche Präventionsmaßnahmen und auch Hilfe zur Selbsthilfe anbieten können. Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sind im Alltag mit medienphänomen-spezifischen Erziehungsfragen konfrontiert und müssen mit digitalen Fähig- und Fertigkeiten ausgestattet sein. Aus Sicht der Kinderschutz-Zentren ist es deshalb wichtig, dass sich Fachkräfte stetig fortbilden um Kinder und Jugendliche vor Gefahren im Netz zu schützen.

Gemeinsam mit Eltern und Kindern soll das Nutzen digitaler Angebote und der damit zusammenhängenden Erfahrungen, Ängsten, Wünschen und Fragen diskutiert werden. Im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern, ist es für die Fachkräfte außerdem ganz besonders wichtig, die digitale Welt und damit einhergehende Gefährdungsphänomene keinem unüberwindbarem Bedrohungsszenarium gleichzusetzen, sondern für mögliche Risiken und Gefahren zu sensibilisieren. Kinder und Jugendliche können die Risiken oftmals nicht einschätzen und müssen über Phänomene wie beispielsweise Grooming und Hate Speech aufgeklärt werden. Ziel ist es nicht, Kinder und Jugendliche und auch deren Eltern angstbehaftet zurückzulassen, sondern sie im Umgang mit der digitalen Welt zu stärken und ihnen passende Strategien mit an die Hand zu geben, die sie im Umgang mit der digitalen Welt bestmöglich auszustatten.

Fachkräfte müssen deshalb:

  • selbst im Netz aktiv sein
  • die digitale Welt als pädagogisches Handlungsfeld begreifen
  • die Möglichkeit haben sich stetig fortbilden zu können

um:

  • Kinder, Jugendliche und Eltern mit passenden Strategien ausstatten zu können
  • Kinder, Jugendliche und Eltern für mögliche Risiken und Gefahren zu sensibilisieren
  • Kinder, Jugendliche und Eltern in ihrer digitalen Mediensozialisation begleiten und unterstützen zu können

Übergriffe im Netz

Die Dunkelziffer von sexuellem Missbrauch im Netz ist hoch und wird oft als reale Gefahr unterschätzt. Menschen die sich wenig im Netz bewegen, können sich die Ausmaße oft nicht vorstellen. Kinder und Jugendliche können im Netz vor ungewollten Kontakten nur geschützt werden, wenn Eltern, Fachkräfte und andere, die sich im Umfeld der Kinder und Jugendlichen bewegen, aufmerksam sind und mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Online-Erfahrungen und Gewohnheiten regelmäßig und offen sprechen. Nicht nur in den gängigen Social-Media-Portalen wie Facebook oder Instagram nehmen Fremde zu Kindern und Jugendlichen Kontakt auf, sondern auch in Chaträumen von Online-Spielen und anderen Foren.

Kinder und Jugendliche sind in solchen Situationen oft überfordert und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die Kinderschutz-Zentren sind daher der Auffassung, dass im Zuge der Aufklärung zu sexueller Gewalt auch die Möglichkeiten digitaler Kommunikation im Zentrum stehen. Fremde die im Netz Kontakt zu Kindern aufnehmen, haben gezielte Kommunikationsstrategien, um Mädchen und Jungen dazu zu bewegen, sich beispielsweise vor einer Webcam auszuziehen oder Posing-Bilder zu verschicken – diese Manipulation nennt man Grooming. Eltern und Kinder müssen über solche Gefahren Bescheid wissen, Fachkräfte die Problematik zum Thema machen und niederschwellige Hilfen anbieten.

Fachkräfte und Eltern sind in diesem Sinne angewiesen auf:

  • strukturgebende Präventionsmaßnahmen
  • medienbildungsfördernde Angebote
  • Sichtbarkeit von Gefahren und Risiken im Netz
  • öffentliche und transparente Diskussion von Phänomenen (Grooming, Hate Speech etc.) und der Umgang mit diesen Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes nötig

Orientierung und Transparenz für Eltern und Fachkräfte

Online-Medien sind für Kinder und Jugendliche in vielerlei Hinsicht teilhaberelevant, weshalb Erziehungsberechtigte und Fachkräfte Orientierung und Transparenz benötigen, um ihrer Verantwortung für ein gutes Aufwachsen mit Medien gerecht zu werden. Hierfür bedarf es eines starken und am Puls der Zeit orientierten Kinder- und Jugendmedienschutzes. Seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention 1989 hat sich die Welt stark verändert, weshalb es wichtig ist, die Richtlinien unter die Lupe zu nehmen oder um es mit den Worten der Staatssekretärin im BMFSFJ wiederzugeben, „eine Reform des Kinder- und Jugendmedienschutzes ist notwendig, da dieser zum großen Teil noch im analogen Zeitalter stehen geblieben ist“ (Quelle: Gefährdungsatlas der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien). 2017 hat die Bundesprüfstelle die Konzeption und Koordinierung des Prozesses „Digitales Aufwachsen. Vom Kind aus denken. Zukunftssicher handeln.“ übernommen und die ZUKUNFTSWERKSTATT eingerichtet. Der in diesem Rahmen entstandene Gefährdungsatlas soll die essentielle Grundlage sein, um sich im Rahmen der ZUKUNFTSWERKSTATT dem Ziel eines intelligenten Chancen- und Risikomanagements weiter zu nähern und eine Arbeitsgrundlage zur Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes darstellen.

Ziel sollte es sein:

  • Fachkräfte und Eltern zu stärken
  • die Medienrealität und die damit zusammenhängenden rasanten Entwicklungen abzubilden
  • den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz zu gewährleisten

Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch in der digitalen Welt und dem damit verbundenen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken und Gefahren fortbesteht.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e.V.

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