Kinder- und Jugendschutz / Gesundheit

Der optimale Körper – LJS-Fachtagung zu Körperidealen bei Jugendlichen

Eine Barbiepuppe mit Maßband
Bild: Stephanie Berghaeuser   Lizenz: BY-NC-SA

Nahezu die Hälfte aller Mädchen und ein Drittel aller Jungen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren sind mit ihrem Körper unzufrieden. Familiär vorgelebte und medial vermittelte Schönheitsideale setzen zunehmend auch Jüngere unter Druck. So werden Styling und die Kontrolle des Gewichtes für viele zur täglichen Routine. Die Fachtagung der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen widmet sich am 1. Juni 2017 dem Thema Körperideal.

Makellos schön, durchtrainiert und kein Gramm Fett zu viel auf der Waage – um dem Anspruch an einen perfekten Körper gerecht zu werden, probieren Mädchen und Jungen vieles aus. Hungern per App und intensives Training zum Muskelaufbau, aber auch Modetrends, Tattoos und Piercings verdeutlichen die starke Fokussierung auf den Körper und das Aussehen.

  • Doch wie viel Bodystyling ist noch gesund?
  • Welche Experimente mit dem Körper sind im Jugendalter "normal"?
  • An welchem Punkt sollten Erwachsene eingreifen?

Der Umgang junger Menschen mit Schönheitsidealen steht im Zentrum der LJS-Fachtagung "Der optimale Körper" am 1. Juni in Hannover.

Jugendliche lernen früh, dass in unserer Gesellschaft gutes Aussehen auch als Gradmesser für Leistung betrachtet wird. 78 Prozent[i] aller Mädchen und Jungen sind überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen "Dünnsein" und Beliebtheit gibt. Der Druck, dazu zu gehören, Vorbildern zu entsprechen und den eigenen Körper zu perfektionieren kann extreme Züge annehmen und damit die Identitätsentwicklung beeinträchtigen.

Wirksame Prävention durch pädagogische Fachkräfte

Um vermeintliche Schönheitsideale zu hinterfragen, benötigen viele Jungen und Mädchen Begleitung und Unterstützung. "Wir möchten pädagogische Fachkräfte dazu ermutigen, sich des Themas stärker anzunehmen," hält Dominika Lachowicz, LJS-Referentin für Suchtprävention, fest. "Ein wichtiger Schutzfaktor ist ein positives Körpergefühl." Tanja Opitz, Referentin für Sexualpädagogik bei der LJS, ergänzt: "Sport- und bewegungsorientierte Angebote, die unabhängig von Leistung und Aussehen das Wahrnehmen und Erleben des eigenen Körpers ermöglichen, sind eine wirksame Prävention."

Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Dr. Melanie Sanyal führt in ihrem Auftaktvortrag aus, wie stark der Körper und das Aussehen vermarktet werden und dass Manipulationen und Modifikationen eine lange Geschichte haben.

Prof. Dr. Konrad Weller von der Universität Merseburg zeigt im Anschluss, welchen Einfluss gesellschaftliche Normen auf die Identitätsentwicklung haben. Wenn Jugendliche die vermeintlichen Erwartungen und Haltungen zum Thema Schönheit verinnerlichen, können erste intime Erfahrungen als belastend empfunden werden – oder sie finden gar nicht erst statt.

Prof. Dr. Janine Trunk erörtert schließlich, welche Körpermodifikationen für Jugendliche eine Rolle spielen und benennt die damit verbundenen Risiken. Am Nachmittag werden in einer interaktiven Workshop-Phase die Themen exzessiver Sport, Essstörungen und die Rolle der Medien bei der Herstellung von Schönheitsidealen vertieft und praxisorientiert diskutiert.

Tagungsprogramm

  • 10.00 Begrüßung und Einführung
  • 10.15 Schönheit um jeden Preis – Körper, Normen, Märkte, Dr. Mithu Melanie Sanyal, Journalistin und Autorin, Düsseldorf
  • 11.30 Körper – Identität – Sexualität: Geschlechtsspezifische Risiken und Ressourcen Jugendlicher, Prof. Dr. Konrad Weller, Hochschule Merseburg
  • 12.30 Mittagspause
  • 13.30 Körperbilder, -optimierung und –modifikation – Riskantes Schönheitshandeln bei Mädchen und Jungen,  Prof. Dr. Janine Trunk, Hochschule Döpfer, Köln
  • 14.30 Workshops
  • 16.30 Tagungsende    

Anmeldung

Workshop-Tagung "Mein Körper kann das!" Buchungsnummer 1730
Teilnahmegebühr: € 70,00 (inkl. vegetarischer Verpflegung), Ort: Pavillon, Hannover

Über die LJS

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen ist ein Fachreferat der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V. und arbeitet zu aktuellen Themen des Kinder- und Jugendschutzes. Die Tätigkeitsfelder sind Fortbildung, Materialentwicklung, Fachberatung, Projekt-entwicklung sowie die Mitarbeit in Arbeitskreisen und Gremien.

[i] Quelle aller Daten ist die Dr. Sommer Studie 2016

Quelle: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen vom 17.05.2017

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