Kinder- und Jugendschutz / Sozialpolitik

Ausbau des Unterstützungssystems für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder gefordert

Eine Holffigur, die ein trauriges Kind darstellt, steht vor einer Fensterscheibe mit Regentropfen
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Anlässlich des „Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ kritisiert der PARITÄTISCHE die mangelnde Versorgungslage für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder im Land scharf. Die Situation im Land sei alarmierend. Allein in Baden-Württemberg haben rund 140.500 Frauen häusliche Gewalt und 47.000 Frauen sexuelle Gewalt erlebt. Zwei Drittel von ihnen trugen körperliche Verletzungen davon. Das ergibt sich aus einer EU-weiten Erhebung der „Europäischen Grundrechteagentur (FRA)“ von 2014, in der drei Prozent aller Frauen häusliche Gewalt und ein Prozent sexuelle Gewalt in den letzten zwölf Monaten erfahren hatten.

„Es ist ein Skandal, dass gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder nicht ausreichend geschützt werden können, weil es an den entsprechenden ambulanten und stationären Einrichtungen fehlt“, erklärt Dr. Katrin Lehmann, Referentin Frauen und Mädchen beim PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Es kann nicht sein, dass der gesamte Bereich „Gewalt gegen Frauen“ weiterhin komplett unterfinanziert ist. Dieser Missstand ist seit Jahren bekannt und trotzdem wird die Versorgung nicht ausgebaut. Das Land muss jetzt handeln und zwar sofort, das sind wir auch den Kindern schuldig“, so Dr. Lehmann. „Das Miterleben von Gewalt hat verheerende schädigende Folgen für die Seele der betroffenen Kinder. Und das Risiko, später als Erwachsene, selbst in einer gewalttätigen Beziehung zu leben, ist erwiesenermaßen sehr hoch. Wir müssen diese Kinder schützen und mit den notwendigen Hilfen dafür sorgen, dass sich das Erlebte nicht wiederholt“, so Dr. Lehmann weiter.

Einrichtung von Beratungsstellen und Frauenhäuser ist Angelegenheit der Länder

Deshalb fordert der PARITÄTISCHE die Landesregierung auf, zeitnah ein Konzept für ein flächendeckendes stationäres und ambulantes Angebot an Hilfen in Baden-Württemberg zu entwickeln und umzusetzen. Auf Bundesebene müsse die Regierung ihre Gesetzgebungskompetenz wahrnehmen und einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe erarbeiten.

B-W braucht über 1.000 Plätze für Frauen und 1.600 für deren Kinder

Derzeit stehen in Baden-Württemberg rund 350 Plätze für Frauen und 415 Plätze für Kinder in 42 Frauenhäusern zur Verfügung. Gemäß einer Empfehlung der von Deutschland unterzeichneten Europakonvention braucht Baden-Württemberg über 1.000 Plätze für Frauen und 1.600 für deren Kinder. Im ambulanten Bereich :verfügt Baden-Württemberg entsprechend der Bestandsanalyse der DHBW aus dem Jahr 2016 über 43 Fachberatungsstellen bei häuslicher Gewalt, 30 Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt und über 11 Frauennotrufe. Die Personalsituation in diesen Beratungsstellen ist dürftig und wird keineswegs dem Bedarf gerecht.

Veranstaltungshinweis

Am 10.12.2018 veranstaltet der PARITÄTISCHE ein Symposium „Staatliches Handeln gegen häusliche Gewalt“ im Hospitalhof in Stuttgart. Themen sind die Handlungsfelder der Konvention, der besondere Bedarf an Schutz und Hilfe in Baden-Württemberg und der Aufbau und das Gelingen interdisziplinärer Kooperationen.

DER PARITÄTISCHE Baden-Württemberg

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Er ist weder konfessionell, weltanschaulich noch parteipolitisch gebunden. Der Verband steht für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer Ausgrenzung. Ihm sind in Baden-Württemberg über 850 selbständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 4000 sozialen Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 50.000 freiwillig Engagierte. Ihm gehören 17 Frauenhäuser sowie rund 50 Beratungsstellen für von Gewalt betroffene Frauen in Baden-Württemberg an.

Quelle: DER PARITÄTISCHE Baden-Württemberg vom 22.11.2018