Kinder- und Jugendarbeit / Junge Flüchtlinge

Welche Werte sind den Menschen in Deutschland wichtig? 3 Fragen an …

Zahlreiche quadratische Fotos in Reihen nebeneinander von Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft
Bild: geralt pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Welche Werte sind den Menschen in Deutschland wichtig? In einem Interview spricht Ahmad Alkridi, der vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, darüber und über ungewohnte Lebensformen. Außerdem geht es um den Wert der Gerechtigkeit, warum ein respektivolles Miteinander wichtig ist und seine Erfahrungen aus dem Projekt „Empowered by Democracy”.

Ahmad Alkridi studiert in Berlin Informatik. Vor vier Jahren ist er aus Aleppo in Syrien nach Deutschland gekommen. Ein Freund hat ihm von „Empowered by Democracy“ erzählt und ihn zu einem ersten Treffen mitgenommen. Damals ging es um das Thema „Identität“. Inzwischen leitet Ahmad Alkridi selbst Seminare. In seinem letzten Seminar ging es um deutsche und syrische Geschichte sowie um internationale Politik.

Foto: © Esteve Franquesa

Welche Werte erlebst du in Deutschland als besonders wichtig? Was bedeuten diese Werte für dich?

Gleichheit und Gerechtigkeit spüre ich in Deutschland ganz stark. Hier sind alle gleich vor dem Staat und dem Gesetz. Wenn jemand gegen das Gesetz verstößt, kommt er vor Gericht. Unabhängig davon, ob die Person Atheist, Muslim oder Christ ist. Die Religion oder auch das Geschlecht spielen dafür keine Rolle. Dass alle vor dem Gesetz gleich sind, finde ich sehr angenehm. Das kenne ich aus Syrien nicht. In Syrien entscheidet häufig der Stärkste darüber, was gerecht ist. Dort wird die persönliche Würde von Menschen oft ohne Grund verletzt. Wenn jemand für etwas bestraft wird, passiert das häufig willkürlich. In Deutschland erlebe ich, dass die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit für jeden gelten. Das bedeutet extrem viel Freiheit für den Einzelnen.

Für „Empowered by Democracy“ leitest du auch Seminare. Welche Werte möchtest du dort den Teilnehmenden vermitteln?

Es geht darum, andere Menschen mit ihren Werten zu respektieren und selbst Respekt zu erfahren. Ich finde, dass Religion zum Beispiel etwas sehr Persönliches ist. Du trägst ein Kopftuch? Dann ist das deine persönliche Sache. Für mich ist Toleranz der wichtigste Wert. Toleranz funktioniert unabhängig davon, welche Identität und welche Religion jemand hat. Für Syrien würde ich diese Frage anders beantworten. Dort würde ich mir mehr Gleichheit und Gerechtigkeit wünschen. Manchmal vermisse ich die Gerechtigkeit aber auch hier. In den Medien wird teilweise sehr allgemein über Geflüchtete diskutiert. Nur weil eine Person einen Fehler macht, ist das kein Grund, andere Menschen ebenfalls zu verurteilen. Die Herkunft sollte darüber nicht entscheiden. Damit sind wir wieder beim Thema Gleichheit und Gerechtigkeit und dass diese Werte für alle gelten sollten.

Was ist für dich wichtig, wenn man mit einer sehr gemischten Gruppe über das Thema Werte sprechen möchte?

Einander Mut zuzusprechen, um so zu leben, wie man möchte, finde ich ganz wichtig. Dass es in Deutschland lesbische und schwule Menschen gibt, ist für viele Muslime zum Beispiel erst einmal ungewohnt. Aber mit Toleranz und Respekt lernen wir, damit umzugehen. Dazu brauchen wir Zeit und die passenden Lernorte. In Seminaren können wir uns mit diesen Lebensformen auseinanderzusetzen und uns daran gewöhnen. In Gruppen versuche ich zunächst, den Hintergrund der Teilnehmenden kennenzulernen. Woher kommen sie? Wie sind sie aufgewachsen? Auf dieser Grundlage können wir dann über Werte sprechen. Wir sind alle Menschen. Tolerant zu sein und einander zu respektieren, macht das Zusammenleben einfacher. Toleranz hilft, Angst und Vorurteile abzubauen. Aber dafür müssen wir uns zunächst kennenlernen.

Über „Empowered by Democracy”

Projektträger ist der Bundesauschuss Politische Bildung (bap) e.V. Umgesetzt wird „Empowered by Democracy“ von den Trägern Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland (AKSB), Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN (AL), Deutscher Volkshochschul‐Verband (DVV), Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) und Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum (VBLR). Die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung hat die Gesamtkoordination des Projekts übernommen. Die umsetzenden Träger sind Mitglieder der GEMINI (Gemeinsame Initiative der Träger politischer Jugendbildung im Bundesausschuss Politische Bildung). Die Durchführung des Projekts wird aus Fördermitteln von Demokratie leben! und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gefördert.

Über bap

Der Bundesauschuss Politische Bildung (bap) e.V. ist ein Zusammenschluss der bundesweiten Verbände der außerschulischen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Gemeinsames Ziel der im Bundesausschuss versammelten Organisationen ist, sich für eine Stärkung und Weiterentwicklung politischer Jugend– und Erwachsenenbildung zu engagieren und die Interessen dieses Arbeitsbereichs gegenüber Politik, Behörden und der Gesellschaft zu vertreten. Der bap wird für seine Arbeit durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) gefördert.

Quelle: Bundesausschuss Politische Bildung (bap) vom 24.01.2019

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