Kinder- und Jugendarbeit / Junge Flüchtlinge

Welche Methoden haben sich in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten bewährt?

Die Hände von jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft liegen übereinander.
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Für das Projekt „Empowered by Democracy“ hat Christiane Toyka‐Seid die Erfahrungen der GEMINI‐Mitglieder bei der Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten in der Analyse „Außerschulische politische Bildung mit jungen Geflüchteten. Erfahrungen. Themen. Bedarfe“ untersucht. Im Interview-Format „3 Fragen an…“ fasst sie die Erfahrungen zusammen.

Außerschulische politische Bildung mit jungen Geflüchteten

Welche Erfahrungen haben die politischen Bildner/-innen mit der Zielgruppe „junge Geflüchtete“ bislang gesammelt?

Christiane Toyka‐Seid: Die Bildungsangebote haben neben der Unterstützung beim Zurechtkommen im neuen Land viele politische und gesellschaftliche Themen behandelt: Wie gestaltet sich das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland? Was bedeutet die europäische Einigung? Wie funktioniert unser politisches System? Die Analyse hat uns aber auch die Herausforderungen aufgezeigt. Die Bildner/-innen müssen eine große Sensibilität für die Biografien der Teilnehmenden und ihre häufig ungeklärte rechtliche Situation mitbringen. Darüber hinaus war die sprachliche Verständigung teilweise schwierig. Dass Bildungsarbeit für junge Menschen mit Fluchthintergrund geschlechtersensibel gestaltet sein muss, haben viele der befragten Akteurinnen und Akteure hervorgehoben. Neben besonderer Achtsamkeit ist ein Verständnis für die interkulturellen Zusammenhänge unabdingbar.

Mit welchen Erwartungen kamen die Teilnehmenden zu den Veranstaltungen?

Es ist häufig nicht so leicht festzustellen, wofür die Jugendlichen sich tatsächlich interessieren. Oftmals kamen sie nicht wegen des Themas einer Veranstaltung, sondern weil sie von Dritten darauf aufmerksam gemacht wurden. Die Veranstaltung stellte dann eine willkommene Abwechslung im oft kaum erträglichen Wartestand dar. Die Inhalte einer Veranstaltung haben sich häufig bei Begegnungen und in Gesprächen entwickelt – oder auch im kreativen Miteinander. Auf großes Interesse bei den Teilnehmenden stießen Beratungsangebote zu Fragen des Asyl- und Aufenthaltsrechts. Darüber hinaus ging es aber schon bald um die Frage, was es bedeutet, jemanden bei der Integration in ein neues Land zu unterstützen und was die konkreten Aufgaben für die Mitgliedsorganisationen der GEMINI dabei sind.

Wo sehen Sie im Moment die größte Herausforderung für die politische Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten? Was kann die Lösung sein?

Ich denke, dass es viele Herausforderungen gibt – von Integrationsperspektiven, Familienzusammenführung bis hin zu Sprachkompetenz und Arbeitsperspektiven für diejenigen, die Bleiberechte haben. Wichtig und ausschlaggebend für die Methoden der politischen Bildungsarbeit ist immer das Thema Partizipation. Deutlich gemacht haben viele politische Bildner/-innen, mit denen ich gesprochen habe, dass wir weiterhin zielgruppengerechte methodische Ansätze entwickeln und erproben müssen. Eine große Rolle spielen nach den bisherigen Erfahrungen künstlerische, natur- und erlebnispädagogische sowie musikalische, non-verbale Formate. Dabei ist es wichtig, den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung zwischen den Akteurinnen und Akteure der politischen Bildung weiter zu verbessern und zu verstetigen. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Sprachlernklassen und Sozialpädagog(inn)en sollten wir ausbauen und Kooperationen mit neuen Partnern erproben und vertiefen.

Zur Person: Christiane Toyka‐Seid leitet die Agentur CTS text‐line für Kommunikation in Wissenschaft und Praxis in Königswinter bei Bonn. Seit vielen Jahren ist sie als Autorin, Redakteurin und Gutachterin im Bereich Politik und Geschichte tätig. Für „Empowered by Democracy“ hat sie die Erfahrungen der Mitgliedsorganisationen der GEMINI bei der Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten in der Analyse „Außerschulische politische Bildung mit jungen Geflüchteten. Erfahrungen. Themen. Bedarfe“ untersucht.

Das Interview mit Christiane Toyka‐Seid steht online auf den Seiten des Projekts „Empowered by Democracy“ zur Verfügung. Dort sind auch die Ergebnissen der Analyse zu finden.

Über „Empowered by Democracy”

Projektträger ist der Bundesauschuss Politische Bildung (bap) e.V. Umgesetzt wird „Empowered by Democracy“ von den Trägern Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland (AKSB), Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN (AL), Deutscher Volkshochschul‐Verband (DVV), Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) und Verband der Bildungszentren im ländlichen Raum (VBLR). Die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung hat die Gesamtkoordination des Projekts übernommen. Die umsetzenden Träger sind Mitglieder der GEMINI (Gemeinsame Initiative der Träger politischer Jugendbildung im Bundesausschuss Politische Bildung). Die Durchführung des Projekts wird aus Fördermitteln von Demokratie leben! und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gefördert.

Über GEMINI

Die „Gemeinsame Initiative der Träger Politischer Jugendbildung im bap“ (GEMINI) ist ein Zusammenschluss von bundeszentralen Organisationen der politischen Jugendbildung im Bundesausschuss politische Bildung e.V. (bap e.V.). Die in der GEMINI kooperierenden Träger sehen es als gemeinsame Herausforderung an, das Interesse von Kindern und Jugendlichen an der Mitgestaltung ihrer eigenen Lebenswelt und des Gemeinwesens zu wecken und ihre Partizipationsfähigkeiten zu fördern. Der Zusammenschluss garantiert eine gemeinsame Plattform für den fachlichen Austausch, Qualitätssicherung, Weiterentwicklung von Konzepten und Interessensvertretung.

Quelle: Bundesausschuss Politische Bildung (bap) vom 21.01.2019

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