Kinder- und Jugendarbeit / Kinderschutz

Von Schutzengeln und Helikoptereltern – Neue Ausstellung im Humboldt Forum

Lamar ist 5 Jahre und kommt aus Syrien. Sie musste ihre Freunde, ihr Zuhause und ihr Bett zurück lassen. Sie liegt auf einer Decke im Wald und schläft.
Bild: © Magnus Wennmann Lamar zeigt, wo sie jetzt schläft und wo nichts von früher mehr exististiert.

Mit „Vorsicht Kinder! Geschützt, geliebt, gefährdet“ beginnt die zweite Ausstellung des Humboldt Forums. In der Humboldt-Box sind themenspezifische Objekte aus Berliner Sammlungen und aktuelle künstlerische Positionen zu sehen. Die aktuelle Ausstellung ist noch bis 14.01.2018 zu besichtigen.

Talismane, Gesetze und Gebete: Es ist erstaunlich, auf welch unterschiedliche Art und Weise die Kulturen der Welt auf die Schutzbedürftigkeit von Kindern reagieren. Gesellschaften und Epochen übergreifend wird der Nachwuchs gehegt und gepflegt. Die Ausstellung „Vorsicht Kinder! Geschützt, geliebt, gefährdet“ beleuchtet die Thematik aus verschiedenen Perspektiven.

Die Ausstellung „Vorsicht Kinder! Geschützt, geliebt, gefährdet“ ist bis zum 14. Januar 2018 in der Humboldt-Box in Berlin zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Nestwärme verteidigen

Kinderreichtum gilt in vielen Kulturen als Segen. Mit gleich 500 Sprösslingen kann man Hariti und Panchika als ausreichend gesegnet erachten – die melodisch klingenden Namen sind die der Schutzgöttin für Kinder und ihres Gemahls aus Gandhara, dem heutigen Nordwestpakistan.

Ein Schieferrelief aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. zeigt die beiden. Sie birgt ein Kleinkind in ihren Armen, umsorgt es mit mütterlicher Wärme. Er hält eine Lanze zur Abwehr bösartiger Angriffe – eine Festung für das Kindeswohl.

Was Hariti für die Gesellschaft Gandharas war, ist die schwarze Schminke für einige indische und arabische Gesellschaften: Eine spirituelle Schutzmaßnahme. Schwarz konturierte Augen seien gegen den Blick böser Geister gefeit, so heißt es. Und was wiederum die umrandeten Augen für jene Familien sind, ist das Ritual der Taufe für Christen. Die rund 160 Objekte der Schau erzählen von Kulten aus aller Welt.

Am Gängelband der Aufsichtspflicht

Ein Ausstellungssektor fokussiert die Mobilität des Kindes, das, sobald es sich der Funktion seiner Beine bewusst wird, einer schärferen Aufsicht bedarf. Wessen Alarmglocken bei der Verbindung von Kindesbeinen und Arglosigkeit schrillen, der überwacht, behelmt, leint an, zurrt fest. Doch wo grenzt Fürsorge an Einengung? Es sind die Evergreens der Erziehungsfragen, für die die Ausstellung Antwortentwürfe aus verschiedenen Kulturen bereit hält.

Künstlerisch nachgefragt

Die Künstlerin Sonya Schönberger hat Menschen unterschiedlicher Herkunft zu ganz konkreten Kindheitssituationen befragt. Wann Unsicherheit aufkam, wie sie bekämpft wurde, wer oder was Halt gab. Ihre Videoinstallation „sich sicher sein“ ist Ergebnis ihrer Recherche und eine künstlerische, sehr persönliche Herangehensweise an die Themen der Ausstellung.

Magnus Wennmann vermittelt mit seiner Fotoreihe „Where the children“ bildgewaltige Eindrücke der Lage von Kindern in Krisengebieten. Seine Arbeiten verweisen auf die Lücke, die sich auftut, wenn kein ausreichender Schutz gewährleistet ist. Er ruft die gesamtgesellschaftliche Verantwortung Kindern gegenüber in Erinnerung.

Gute Aussichten

Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Berliner und Dahlemer Sammlungen bietet einen beispielhaften Ausblick auf die kommenden Ausstellungsprojekte des Humboldt Forums. Sie steht exemplarisch für die disziplinübergreifende Herangehensweise an Themen wie Kultur, Natur, Migration, Religion und Globalisierung, der sich das Humboldt Forum verschreibt.

Workshops, Führungen und Angebote für Erwachsene, Kinder und Gruppen bereichern das Ausstellungsformat mit interaktiven Momenten.

Weitere Informationen zur Ausstellung mit zahlreichen Fotografien und begleitenden Veranstaltungen stehen auf der Webseite des Humboldtforums zur Verfügung. 

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 11.07.2017

 

 

Info-Pool