Aktionstag der Jugendmigrationsdienste

Viel Zuspruch – Junge Menschen im Austausch mit der Politik

Bild: JMD Nienburg Im Videointerview mit einer Abgeordneten brachten Silva und Mohammed aus Nienburg alle Themen auf den Tisch, die sie beschäftigen – von Corona bis Klimawandel.

Der Aktionstag der Jugendmigrationsdienste (JMD) 2021 stellte junge Menschen mit Migrationsgeschichte in den Mittelpunkt. Ihre Erfahrungen und Anliegen thematisierten sie in Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern in ganz Deutschland. Diese sicherten sowohl den Jugendlichen als auch den JMD Unterstützung zu.

„Jugend trifft Politik“ war beispielsweise das Motto, unter dem Silva und Mohammed (15 und 13 Jahre) die Bundestagsabgeordnete Katja Keul interviewten. „Wie wollen Sie Jugendliche mehr für Politik begeistern? Was macht Ihre Partei für den Umweltschutz? Kann man mehr Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zu Rassismus vorschreiben?“ Auch die Schulsituation während Corona und die Auswirkungen auf Noten, Praktikums- und Ausbildungsplätze beschäftigten die Jugendlichen, die sich zusammen mit dem JMD Nienburg auf das halbstündige Gespräch mit Videoaufzeichnung vorbereitet hatten. Ihr Engagement wurde belohnt: Die Parlamentarierin sprach sich für mehr Beteiligung junger Menschen aus und versprach, die Jugendmigrationsdienste auch künftig zu unterstützen.

Zuhören, was junge Zugewanderte bewegt

Einen direkten Austausch zwischen jungen Menschen sowie Politikerinnen und Politikern initiierten auch zahlreiche andere JMD. Ihre Gesprächsangebote, ob vor Ort im JMD oder digital per Videokonferenz, stießen auf große Offenheit. Rund 50 Abgeordnete des Bundestags und Kandidierende folgten ihren Einladungen und hörten sich aufmerksam an, was junge Menschen bewegt. 

Im JMD Heilbronn beispielsweise berichtete eine junge Afghanin über ihre Erfahrungen bei der Flucht und über ihr Leben in Deutschland. Wie in vielen Gesprächen ging es um Wohnungsnot und Diskriminierung, Hindernisse bei der Familienzusammenführung und die Folgen der Corona-Pandemie. Diese hat vielen jungen Zugewanderten den Zugang zu Bildung und sozialen Kontakten erschwert – etwa wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften ohne WLAN wohnen.

In solch schwierigen Lebenslagen, das wurde deutlich, sind die Jugendmigrationsdienste für die jungen Menschen wichtige Partner. Mit ihrer Unterstützung gelingt es vielen, trotz Hürden ihren Weg zu gehen und ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Darüber hinaus berichteten viele Standorte über ihre Erfolge im Präventionsprogramm JMD Respekt Coaches, das Schülerinnen und Schüler unabhängig von deren Herkunft stärkt und Respekt, Toleranz und den Abbau von Vorurteilen fördert.

Junge Menschen sagen ihre Meinung – auch mal ohne Worte

Berichte regionaler und lokaler Medien trugen im Rahmen des Aktionstags dazu bei, die JMD-Arbeit sichtbar zu machen und die Perspektiven junger Zugewanderter in die Öffentlichkeit zu tragen.

Daneben veröffentlichten die Jugendmigrationsdienste Erfahrungsberichte und Video-Statements, Broschüren und Erklärfilme. Erfinderisch zeigte sich unter anderem der JMD München mit einer Online-Fotostrecke, in der junge Menschen mit Gesten auf Fragen antworten. Was ist für dich typisch deutsch? Wie findest du die deutsche Sprache? Was denkst du über den Wohnungsmarkt in Deutschland? Mittels Gestik, Mimik und kreativen Hilfsmitteln brachten die Fotografierten ihre Meinungen und Erfahrungen zum Ausdruck.

Veröffentlicht wurde das Ganze zusammen mit Videos und weiteren Informationen auf einer Website in Kooperation mit den Münchener Migrationsdiensten aller Wohlfahrtsverbände. Dort berichteten auch JMD-Fachkräfte in mehreren Videosüber den Ablauf eines Bewerbungstrainings. Junge Ratsuchende wiederum erzählten von ihren Erfahrungen mit dem JMD. Wie in München arbeiteten vielerorts Jugendmigrationsdienste mit der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) und anderen Netzwerkpartnern zusammen, um Aktionen zu organisieren.

Multimediale Formate und kreative Netzwerkarbeit

Wo eine Begegnung in Präsenz nicht möglich war, trafen sich die JMD mit Abgeordneten online zum Videogespräch. Viele JMD nutzten zudem Social Media, um junge Menschen zu Wort kommen zu lassen, etwa in Form von Kurzinterviews des JMD Diepholz/Syke auf Instagram oder einem Youtube-Film, in dem Ratsuchende in Bayern über ihre Erfahrungen mit den JMD berichten.

Nicht zuletzt war der JMD-Aktionstag eine Gelegenheit zum kreativen Netzwerken: „Was ist der JMD bzw. die MBE für Sie?“, fragten beispielsweise die Beratungsdienste im Zollernalbkreis und fügten die Antworten ihrer Netzwerkpartner in einem großen Puzzle zusammen. Das Ergebnis macht nicht nur die gute Zusammenarbeit deutlich, sondern auch das gemeinsame Ziel: junge Menschen bei ihrer Integration in Deutschland zu unterstützen.

Über den JMD-Aktionstag

Insgesamt nahmen über 100 Jugendmigrationsdienste am Aktionstag 2021 teil. Der JMD-Aktionstag findet jährlich statt. Zur Beteiligung aufgerufen hatten die vier Trägerorganisationen der Jugendmigrationsdienste: die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA), die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) und der Internationale Bund (IB)/Freie Trägergruppe.

JMD – vielfältiges Profil für eine vielfältige Zielgruppe

Rund 500 Jugendmigrationsdienste bundesweit begleiten junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Alter von 12 bis 27 Jahren. Individuelle Unterstützung, Gruppenangebote sowie eine intensive Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Integrationskursträgern und der Jugendhilfe zählen zu den wesentlichen Aufgaben der JMD. Auch während der Pandemie und der Schließung vieler Einrichtungen wurden junge Ratsuchende, unter anderem über die JMD Online-Beratung, zuverlässig begleitet: Im Jahr 2020 wurden bundesweit 115.000 junge Menschen aus 180 Nationen beraten.

Mehr im JMD-Factsheet auf www.jugendmigrationsdienste.de

Text: Servicebüro Jugendmigrationsdienste

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