Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Verbände kritisieren kostenfreie DJH-Mitgliedschaft von Schulen in M-V

Vier Jugendliche mit Gitarre
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Gut gemeint ist nicht gut gemacht! Die Bildungsministerin Birgit Hesse übernimmt für Schulen Mecklenburg-Vorpommerns für mehrere Jahre den Mitgliedsbeitrag beim Deutschen Jugendherbergswerk. Was sich gut für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern anhört, ist für den Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V., den Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. und Reisenetz e.V. eine Wettbewerbsverzerrung für den Jugendreisebereich. Daher fordern die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme Unterstützung von Klassenfahrten aller Anbieter.

Kostenfreie DJH-Mitgliedschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Was sich gut für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern anhört, ist für den Jugendreisebereich eine Wettbewerbsverzerrung ohne Gleichen. Die einseitige Bevorzugung des Deutschen Jugendherbergswerks durch die Bildungsministerin Birgit Hesse ist inhaltlich und qualitativ nicht zu begründen, rechtlich problematisch und ein Affront gegen andere gemeinnützige, nicht gewerbliche und gewerbliche Jugendunterkünfte.

Die Bildungsministerin Birgit Hesse spendiert den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns für mehrere Jahre den Mitgliedsbeitrag beim Deutschen Jugendherbergswerk. „Ich hoffe, dass die Schulen verstärkt auf die Angebote der Jugendherbergen zurückgreifen. Schließlich gehören Schulfahrten für Kinder und Jugendliche zu den Höhepunkten im Schuljahr“, so Hesse. Wer könnte Einwände gegen diese sicherlich gut gemeinte Entscheidung der Schweriner Bildungsministerin haben?

Nehmen wir als Beispiel die einschlägigen Schulbuchverlage in Deutschland, allesamt so gewerblich wie unverzichtbar für das Bildungswesen. Angenommen, die Ministerin hätte sich einen Verlag herausgegriffen, zufällig einen ihr gut bekannten. Weil dieser Verlag so besonders unverzichtbar sei, beschlösse die Ministerin, ihr Ministerium würde zukünftig 5% der Bücherkosten übernehmen. Sie hoffe nun, dass die Schulen auf die Angebote dieses so wichtigen Verlages besonders zugreifen würden.

Mehrzahl der Jugendunterkünfte gehören nicht dem Deutschen Jugendherbergswerk an

Nicht übertragbar? Die Mehrzahl der deutschen Jugendunterkünfte gehören nicht dem Deutschen Jugendherbergswerk an. Möchte die Bildungsministerin behaupten, dass ein Schullandheim, ein Haus, dass sich der Förderung des Sports, der Erlebnispädagogik oder der christlichen Nächstenliebe verschrieben hat oder ein pädagogisch orientierter, Steuern zahlender gewerblicher Anbieter – dass ein solches Haus weniger gilt als eine Jugendherberge?

Beim kürzlich abgelehnten Digitalpakt erklärten die Ministerpräsidenten der Länder: „Wir wollen keine Einheitsschulpolitik aus Berlin. Wir wollen die Vielfalt und den Wettbewerb in unserem Bildungswesen erhalten". Der Beschluss der Bildungsministerin behindert eine vernünftige Abwägung der Entscheidungsträger an den Schulen, der Lehrer, Schüler und Eltern, über die am besten für die geplante Schulfahrt geeignete Jugendunterkunft.

Unterstützung von Klassenfahrten solle für alle Anbieter gelten

Unabhängig von den Gründen beurteilen die Verbände in ihrer Stellungnahme die Entscheidung der Ministerien als einseitig und falsch. Aus diesem Grund fordern der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V., derFachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. und Reisenetz, der Deutsche Fachverband für Jugendreisen e.V. die Unterstützung von Klassenfahrten bei allen Anbietern.

Die Pressemitteilung „Gut gemeint ist nicht gut gemacht!“ (PDF, 250 KB) ist auch zum Download verfügbar.

Hintergrund

Das Land Mecklenburg-Vorpommern übernimmt von 2019 bis 2023 den Mitgliedsbeitrag im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) für alle 562 allgemein bildenden und 48 beruflichen Schulen in freier und öffentlicher Trägerschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Das sind jährlich 10.500 Euro. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und das Deutsche Jugendherbergswerk haben eine entsprechende Vereinbarung geschlossen.

Zur vollständigen Pressemitteilung des Minsteriums vom 14. Dezember 2018

Kontakte

Reisenetz e.V.
Sandra Vogt, info(at)reisenetz.org 
Esmarchstr. 4, 10407 Berlin
Tel. 030 -24628430
www.reisenetz.org 

Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. (FDSV)
Julia Richter, julia.richter(at)fdsv.de 
Kastanienallee 82, 10435 Berlin
Tel. 01520 – 8425 222
www.fdsv.de 

Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V.
Katja Rothmeier, k.rothmeier(at)be-ep.de
Dahmsfeldstr. 2, 44229 Dortmund
Tel.: 0231 – 9999490
www.be-ep.de 

Quelle: Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. vom 20.12.2018

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