Good Practice

Sport neu denken – So gelingt Teilhabe im Sport!

Sportler und Sportlerinnen sitzen im Schneidersitz auf einem Sportplatz im Kreis und unterhalten sich.

Mit seinen Sportangeboten fördert das lokale Willkommen im Fußball-Bündnis seit dem Start des bundesweiten Programms Willkommen im Fußball im Jahr 2015 die Partizipation und soziale Mobilität von Kindern und Jugendlichen mit Fluchthintergrund und diversen Lebensbiografien. Nun blickten Bündnisvertreter/-innen vom SC Freiburg, der Stadt Freiburg und der step stiftung auf sechs Jahre Teilhabe im und durch den Sport zurück. In dem digitalen Podiumsgespräch „Sport neu denken! Wie kann Teilhabe gelingen?“ diskutierten sie gemeinsam mit einem ehemaligen Teilnehmer der Bündnisangebote über die Herausforderungen und erfolgreichen Ansätze aus den vergangenen Jahren.

Das Freiburger Willkommen im Fußball-Bündnis besteht aktuell aus dem SC Freiburg, der step stiftung, dem Polizei-Sportverein Freiburg e.V. und der Stadt Freiburg.

Fußball als Quartiersarbeit

Aus der Erfahrung des Freiburger Bündnisses heraus ist es wichtig, sich nicht nur allein auf den organisierten Vereinssport zu verlassen, um allen Kindern und Jugendlichen ein Bewegungsangebot zu ermöglichen. Viele der potenziellen Teilnehmer/-innen haben beispielsweise aufgrund des sozialen Status, finanzieller Hürden oder mangelnder Informationen nicht die Chance, an den Sportangeboten teilzunehmen. Auf diesen Umstand reagiert das Bündnis mit seiner Quartiersarbeit und organisiert mit dem kick mobil wohnortnahe, offene und kostenlose Angebote. Mit diesem Mobil und dem darin gelagerten Sportequipment besucht das Bündnis aktuell zwei Bolzplätze in den Quartieren (in der Krozingerstraße und der Langemarckstraße) und bietet dort verschiedene Bewegungsmöglichkeiten für die Teilnehmer/-innen aus der Umgebung an. Seit der Einführung des kick mobil im Jahr 2020 hat es damit 530 Kinder und Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund erreicht.

Bündnis mit starken Partnerschaften

Ergänzend zu der Quartiersarbeit setzt das Bündnis auf starke Partnerschaften mit lokalen Akteur/-innen. Durch die Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen oder Unterkünften für Geflüchtete erreicht das Bündnis Teilnehmer/-innen, die ohne diese Kooperationen keinen Zugang zu den angebotenen Trainings haben würden. Bei den Fußball-AGs kick for boys finden beispielsweise wöchentlich Angebote für geflüchtete Jungen an Schulen mit internationalen Vorbereitungsklassen statt. Dafür arbeitet das Bündnis eng mit den jeweiligen Schulsozialarbeiter/-innen zusammen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit ausgewählten Freiburger Unterkünften bringt das Bündnis regelmäßig Mädchen und junge Frauen mit Fluchthintergrund aus den Einrichtungen und Quartieren zusammen. In der Sportgruppe kick verbindet entscheiden die Teilnehmer/-innen selbst, welche Sportart sie trainieren. Daneben organisiert das Bündnis für die Mädchen und Frauen weitere Zusatzaktivitäten, wie z.B. gemeinsame Ausflüge oder Besuche öffentlicher Veranstaltungen.

Bundesweites Programm Willkommen im Fußball endet im Dezember 2021

Das Podiumsgespräch fand als Abschlussveranstaltung des Freiburger Bündnisses statt, da das bundesweite Programm Willkommen im Fußball im Dezember 2021 endet. Vertreter/-innen der DFL Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung eröffneten die Diskussionsrunde. Die Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz begrüßte das Podium und die Zuschauer/-innen mit einer Videobotschaft.

Willkommen im Fußball ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, initiiert und gefördert von der DFL Stiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Zitate der Podiumsteilnehmer/-innen und Förderpartner/-innen:

Tobias Rauber, Leiter Gesellschaftliches Engagement beim SC Freiburg: „Unsere Vision ist es, dass alle Menschen in Südbaden (Vereins-)Sportler/-innen werden können. Wir wollen zusammen mit lokalen Bündnissen in unseren Sport-Quartieren dafür sorgen, dass vor allem Kinder und Jugendliche für Sport begeistert werden und lebenslang Sport treiben. Dieses Engagement möchten wir zukünftig zusammen mit Kooperationspartnern weiter durch Sportangebote und Qualifizierungsmaßnahmen ausbauen. Wir hoffen, dass wir dafür ein Fortbildungs- und Kompetenzzentrum im Dreisamstadion aufbauen können.“

Louisa Ramsaier, Bildungsreferentin bei der step stiftung: „Unsere Vision ist es, durch soziokulturelle Sportangebote Bildungsprozesse und soziales Lernen anzustoßen sowie Integration, Partizipation und soziale Mobilität zu ermöglichen. Wir nutzen den Sport als Magnet, um Räume zu schaffen, in denen alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren persönlichen und sozialen Voraussetzungen ihren Platz finden. Positive Erfahrungen und Werte wie Fairplay, Toleranz und Respekt werden durch die zum ,Sportcoach für Integration und Vielfalt‘ ausgebildeten kick teamer/-innen in den Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen transferiert.“

Annette Widmann-Mauz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: „Fußball – wie Sport im Allgemeinen – bringt Menschen über alle Unterschiede hinweg zusammen. Dies stärkt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das sehen wir hier in Freiburg mit dem Programm ,Willkommen im Fußball‘ bereits seit sechs Jahren – und wir erleben es gerade mit der EM und unserer Nationalmannschaft, die für Vielfalt beispielgebend ist. Diese Vielfalt kann Vorbild auch für andere Bereiche unseres Lebens sein. Fußball folgt überall den gleichen Regeln, fördert die Begegnung, schafft Verständigung und baut wechselseitige Vorurteile im gemeinsamen Erleben ab.“

Franziska Fey, Vorstandsvorsitzende der DFL Stiftung: „Eine der Stärken von ,Willkommen im Fußball‘ ist die Zusammenarbeit in Bündnissen: Rund 100 Organisationen sind bundesweit an 23 Standorten aktiv. Das Freiburger ,Willkommen im Fußball‘-Bündnis ist ein tolles Beispiel dafür, wie Partner aus dem Sport gemeinsam mit kommunalen Akteuren Angebote schaffen, von denen die Teilnehmenden wirklich profitieren. Diese Art der Zusammenarbeit sehe ich auch in Zukunft als wichtiges Erfolgsrezept, um junge Geflüchtete dabei zu unterstützen, ihr Potential zu entfalten.“

Frank Hinte, Geschäftsführer der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung: „Bewegungsmangel betrifft, erst recht nach den Einschränkungen der COVID-19-Pandemie, deutschlandweit zahlreiche benachteiligte junge Menschen. Das Freiburger ,Willkommen im Fußball‘-Bündnis geht neue Wege und inspiriert und aktiviert mit guten Ideen. So wird Sport für alle möglich. Und auch die Frage der Herkunft spielt dabei keine Rolle.“

Über das Programm

Das Programm Willkommen im Fußball ermöglicht seit 2015 jungen Geflüchteten bis 27 Jahren durch niedrigschwellige Angebote den Zugang zu Sport und unterstützt so, auch über den organisierten Fußball hinaus, die Teilhabe und das gesellschaftliche Miteinander. Das Programm setzt dabei auf Bündnisse. Dahinter steht die Kooperation eines Clubs der Bundesliga oder 2. Bundesliga mit lokalen Bildungsträgern, bürgerschaftlichen Initiativen oder kommunalen Akteuren sowie Amateurfußballvereinen. Neben regelmäßigen Trainingsangeboten bieten die lokalen Bündnisse auch Bildungs-, Beratungs- und Qualifizierungsangebote an.

Folgende 23 Fußball-Clubs engagieren sich im Rahmen von Willkommen im Fußball

FC Augsburg, Hertha BSC, 1. FC Union Berlin, DSC Arminia Bielefeld, VfL Bochum 1848, Eintracht Braunschweig, SV Werder Bremen, SV Darmstadt 98, Borussia Dortmund,  Fortuna Düsseldorf, Sport-Club Freiburg, SpVgg Greuther Fürth, Hamburger SV, FC St. Pauli,  Hannover 96, FC Ingolstadt 04, RB Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, 1. FSV Mainz 05, 1. FC Nürnberg, SC Paderborn 07, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg.

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung vom 02.07.2021

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