Kinder- und Jugendarbeit / Jugendforschung

So ticken Jugendliche 2016: Herausforderungen für die politische Bildungsarbeit

Lachende Brüder
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Der Großteil der Jugendlichen in Deutschland akzeptiert gesellschaftliche Vielfalt und fordert Toleranz. Die "postmigrantische Gesellschaft" ist für sie vielfach Alltag. Im Umgang mit Geschichte wünschen sie sich einen stärkeren Bezug zu ihrer Lebensrealität. Der bdp formulierte im Anschluss an die Ergebnisse der aktuellen SINUS-Jugendstudie Herausforderungen für die historisch-politische Bildung.

Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb hat das SINUS-Institut beauftragt, 14- bis 17-Jährige vertiefend zu Themenfeldern zu befragen, die für die Entwicklung von Angeboten politischer Bildung relevant sind. Für die bpb von besonderem Interesse: Was Jugendliche über die Zuwanderung Geflüchteter denken, wie sie zur immer pluraler werdenden Gesellschaft Deutschlands stehen, was sie heute noch mit dem Begriff Nation verbinden und welche Geschichtsbilder sie haben. Die Ergebnisse der Befragung wurden diese Woche als Teil der Jugendstudie "Wie ticken Jugendliche 2016?" veröffentlicht, das FKP berichtete.

Jugendliche stehen zur Aufnahme von Flüchtlingen 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten in Deutschland ist eine wichtige Erkenntnis für die Arbeit der bpb, dass der überwiegende Teil der Befragten die Aufnahme Geflüchteter befürwortet. Zuwanderung wird grundsätzlich positiv gesehen, die Jugendlichen zeigen sich tolerant und fordern mehr Engagement für eine gelungene Integration. Viele Aspekte der "postmigrantischen Gesellschaft" sind für einen Großteil der 14- bis 17-Jährigen – bewusst oder unbewusst – selbstverständlicher Alltag.

In Teilen äußern die Jugendlichen aber auch manifeste Vorbehalte gegenüber anderen Nationalitäten. Meist handelt es sich dabei um tradierte Stereotype, die von den Jugendlichen aber nicht immer als bloße Klischees erkannt werden. Einzelne Jugendliche, vor allem in den benachteiligten Lebenswelten, betrachten die plurale, vielfältige Gesellschaft (noch) nicht als soziale Norm.

Angebote an Rezeptionsgewohnheiten anpassen

"Die Studie zeigt, dass wir gefragt sind, Jugendliche in ihren Meinungsbildungsprozessen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu begleiten", so Thomas Krüger, Präsident der bpb. Vorbehalte und Stereotype dürfen sich nicht zu manifesten Vorurteilen verfestigen. Unsere Angebote müssen wir immer wieder reflektieren, komplett neu erfinden – und an die Rezeptionsgewohnheiten junger Menschen anpassen.“

Geschichte wird mit negativen Ereignissen verbunden

Geht es um historische Themen, ist nicht nur das Wissen, sondern auch das Interesse begrenzt. "Geschichte" wird meist mit negativ besetzten historischen Ereignissen verbunden – vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil der Jugendlichen wünscht sich einen lebendigeren Geschichtsunterricht, der sich auch auf aktuelle Ereignisse beziehen sollte. Berichte von Zeitzeugen wiederum gelten als authentisch und machen Geschichte spannend und erlebbar.

Die Studie zeigt auch, dass es für die Jugendlichen keine substantiellen Unterschiede zwischen jungen Menschen in Ost- und Westdeutschland mehr gibt – außer den verschiedenen Dialekten. Sie sind sich aber bewusst, dass Eltern und Großeltern teilweise noch an Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschen festhalten.

Historisch-politische Bildung neu denken

"Die Ergebnisse der SINUS-Studie zeigen, dass wir auch in der historisch-politische Bildung und der Gedenkstättenarbeit um- und weiterdenken müssen, insbesondere vor dem Hintergrund einer immer pluraler werdenden Zielgruppe", sagt Thomas Krüger. "Wir müssen uns fragen, welche neuen Ansätze wir wählen können, welche historischen Ereignisse lassen sich aus einem multiperspektivischen Ansatz heraus lebendig vermitteln, so dass sie für Jugendliche, egal welcher Herkunft, greifbar werden?“

Bereits 2012 beteiligte sich die bpb als Partner an der SINUS-Jugendstudie. Auftraggeber 2016 sind neben der bpb die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und die VDV-Akademie (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen – Akademie).

Die Studie ist bei Springer VS erschienen und unter dem Titel „Wie ticken Jugendliche 2016? (pdf 7,2 MB) als Open-Access-Veröffentlichung frei zugänglich. 

Informationen zu weiteren Themen, Hintergründen und den Autoren auch im Weblog www.wie-ticken-jugendliche.de.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung vom 26.04.2016

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