Kinder- und Jugendarbeit / Gesundheit

Schulformübergreifendes Projekt für Jugendliche reduziert Konflikte

Mehrere Spielfiguren liegen im Kreis auf einer Wiese.
Bild: © たけしたてつお - Fotolia.com

Rund 150 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen aus den Wald-Michelbacher Schulen nahmen im Oktober 2014 am prämierten Großgruppen-Projekt "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten" (GZSZ) teil. Unter dem Motto "Risiko, Regeln, Rausch" ging es diesmal um Suchtprävention.

Seit 2005 bereiten die Schulen in Wald-Michelbach die Achtklässler jedes Jahr in gemischten Gruppen schulformübergreifend auf Krisensituationen vor. Auch dieses Jahr trafen sie sich in der Mitte – dort wo in der Regel Konflikte zuerst auftreten. Aufgeteilt in drei Gruppen setzte sich jeweils eine Gruppe pro Tag mit rund 50 Schülerinnen und Schülern bei den Aktionstagen "Risiko, Regeln, Rausch" auf unkonventionelle Weise mit Drogen und Sucht auseinander, während die anderen Gruppen weitere Stationen besuchten und sich informierten. Die Stationen waren 2014 die Bundesagentur für Arbeit, die Jugend- und Drogenberatung "Prisma", das Haus der Gesundheit, die Barmer Ersatzkasse und die Polizei. Durch die gemischten Gruppen lernen sich die Schülerinnen und Schüler kennen. Die klassischen Gruppen im Alltag werden aufgebrochen, sie begegnen sich weniger als "Fremde" und tragen mehr soziale Verantwortung füreinander.

Vier zentrale Botschaften stärken

Die Aktionstage "Risiko, Regeln, Rausch" wurden von Jürgen Brilmayer und Dr. Henrik Kröninger-Jungaberle gemeinsam für große Gruppen ab 40 Teilnehmende entwickelt und können klassen-, gruppen- oder schulübergreifend durchgeführt werden. Sie sensibilisieren für den Umgang mit Drogen und Rauschmitteln und vermitteln vier zentrale Botschaften:

  • Schaffe dir deine eigenen Regeln!
  • Achte auf dich und deine Freunde!
  • Bereite dich auf Risiken vor!
  • Achte deine Gefühle!

Brilmayer erklärt: "Das Besondere ist, dass Schülerinnen und Schüler hier anders über Drogen und Suchtthemen sprechen können als sie es von Eltern und Polizisten kennen." Neben Theorie, Diskussionen und Filmen arbeiten sie mit Körperübungen aus der "KiKG"®-Arbeit. KiKG steht für "Ki-, Körper- und Gestaltarbeit zur PrEssenz". Dabei untersuchen die Schülerinnen und Schüler spielerisch mit sehr viel Spaß die Beziehung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu unterschiedlichsten Situationen. Die Einzel-, Paar- und Gruppenübungen sorgen für den Transfer des Erlebten in die eigenen Erfahrungen und in den Alltag.

Die Aktionstage fördern Aufklärung, wollen Selbstbewusstsein auf- und Vorurteile abbauen – und das mit Erfolg: Busfahrer, Lehrkäfte und Eltern verzeichnen seit ihrer Einführung in 2005 weniger Konflikte.

Kooperation verschiedener Arbeitsfelder

Für den wissenschaftlich fundierten Hintergrund steht Dr. Henrik Kröninger-Jungaberle, ehemaliger Mitarbeiter in der psychologischen Abteilung am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter des interdisziplinären Projektes REBOUND, ein Life-Skills-Programm für junge Menschen von 14 bis 25 Jahre und deren Begleitpersonen in Schulen und sozialen Einrichtungen. Für den Transfer in den Alltag steht Jürgen Brilmayer, der in der Suchtberatungsstelle arbeitet und die EINrichtung für GElingende BeziehUNGen in Erbach leitet. Der Sozialarbeiter, Schreinermeister und systemische Berater ist auch Kampfkunst-Trainer und Lehrtrainer für KiKG.

Bei der Auswahl der weiteren Teammitglieder spielen sowohl das fachliche Know-how als auch die Erfahrung mit Suchtthemen eine wesentliche Rolle. Beim diesjährigen GZSZ-Projekt waren für Kröninger-Jungaberle die erfahrene Psychologin Christina Wippermann sowie Maximilian von Heyden dabei. Wippermann war langjährige Mitarbeitende im REBOUND-Projekt, von Heyden ist Mitarbeiter. Als viertes Teammitglied war Andrea Marschall-Schneider dabei. Sie ist Seminarleiterin des Fair-Streit-Trainings und weiterer Familienseminare im Odenwald-Institut. Für die Gesamtveranstaltung in Wald-Michelbach waren die Suchtbeauftragten der beiden Schulen verantwortlich, Anke Fibian vom Überwald-Gymnasium und Daniela Riedinger von der Eugen-Bachmann-Schule.

Die körperorientierte Methode KiKG wurde von Joël Weser aus Erbach als "Ki-, Körper- und Gestaltarbeit zur PrEssenz" entwickelt und fließt sowohl in die Arbeit mit jungen Menschen als auch mit Erwachsenen ein. Weser und Brilmayer führen regelmäßig dazu Seminare für Lehr- und Führungskräfte und Multiplikatoren aus Wirtschaft und sozialen Institutionen im Odenwald-Institut durch. Anfang Dezember 2014 startet die KiKG-Weiterbildung "Die Kunst des Begleitens und Führens".

Weitere Informationen zum REBOUND-Projekt unter: www.my-rebound.de

Weitere Informationen zu Jugendseminaren unter: www.odenwaldinstitut.de/jugendseminare

Quelle: Odenwald-Institut der Karl Kübel Stiftung vom 23.10.2014

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