Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Reger Parlamentarischer Abend des BDL in Berlin

Man nehme: fünf Eieruhren, 40 Landjugendliche und 18 Bundestagsabgeordnete aus der ganzen Republik. Das Ergebnis: eine politische Auseinandersetzung, die bei aller Gegensätzlichkeit Verständnis schafft – für die Besonderheiten der ländlichen Räume.

Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) hatte sich für seinen Parlamentarischen Abend acht Themen ausgesucht, die von A wie außerschulische Bildung bis W wie Weinbaupolitik reichten und in immer neuen Gruppen teils heftig diskutiert wurden.

Dabei ging es auch um den Aufbau von staatlichen Doppelstrukturen. „Bevor etwas Neues aus dem Boden gestampft wird, sollte man erst mal in der Fläche schauen, was es bereits in der Zivilgesellschaft gibt“, so Katrin Biebighäuser, die Vorsitzende des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum. Egal ob Kommune oder Bund, Aktionismus sei der falsche Weg. Das gelte auch im Kampf gegen Rechtsextremismus. Demokratische Jugendverbände seien, darin waren sich Abgeordnete und Landjugendliche einig, da die beste Prävention. Nur ließe sich die Unterstützung der kontinuierlichen Arbeit der Jugendverbände vielleicht nicht so gut verkaufen wie 50 neu aufgesetzte Projekte zu einem spezifischen Themenschwerpunkt, vermutete Janina Tiedemann, die Vorsitzende der Niedersächsischen Landjugend.

In der weiteren Debatte stellten sie auch fest, dass zwar stets das Interesse der Jugend für die Politik eingefordert werde, die Jugend in der öffentlichen Wahrnehmung aber fast nur als Problem oder als Arbeitskraft auftaucht. Das sei Jugendverdrossenheit und keine Jugendpolitik, so die Landjugend. Sie forderte ein Umdenken ein: Politik muss sich für Jugend interessieren – für ihre Bedürfnisse und Probleme.

Und das eben nicht nur in Bezug auf den Fachkräftemangel, der sich gerade auch in den ländlichen Räumen so vielgestaltig zeigt, dass nicht „die Antwort“ darauf gefunden werden könne. Aber auch hier gelte: Ich. Du. Wir. Fürs Land. „Wir müssen bei uns selbst anfangen, den ländlichen Raum nicht schlecht reden, sondern anpacken, wie wir es bei unserer gleichnamigen Aktion im Frühherbst tun wollen“, fasst der stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende Thomas Huschle einen Teil der Diskussion zusammen. Oder wie der MdB Alois Gerig sagte: „Einfach anfangen!“

In den agrarpolitischen Themenrunden drehte es sich unter anderem um die Gemeiname Agrarpolitik (GAP) nach 2013 – um die Junglandwirteförderung und das Greening. Letzteres müsse nicht nur praxistauglich sein, sondern auch die geleisteten Agrarumweltmaßnahmen anerkennen. In der Diskussion beim Parlamentarischen Abend machten die jungen LandwirtInnen im BDL auch deutlich, dass sie die vorgeschlagene siebenprozentige Flächenstilllegung ablehnen. Harmonischer ging es beim vom BDL vorgeschlagenen Qualifizierungsfonds für die Landwirtschaft zu. „Eigentlich sind wir da recht nah beieinander. Wir sind uns einig: Das Land braucht den Fonds. Zu klären ist die Finanzierung“, stellte Fokko Brüning vom BDL-Arbeitskreiskreis Agrarpolitik fest.

Im Mittelpunkt der weinbaupolitischen Debatte mit den Abgeordneten stand das EU-System der Pflanzrechteregelung, dessen Auslaufen eigentlich beschlossene Sache war. Aktuell sprechen sich immer mehr EU-Länder für die Beibehaltung aus. Die jungen Winzer und Winzerinnen im BDL machen sich für eine Verlängerung der bestehenden Regelung bis 2020 stark. Der Ausstieg müsse aktiv vorbereitet werden – ein Prozess, den sie mitgestalten wollen und werden.

Trotz aller Meinungsunterschiede waren ParlamentarierInnen und Landjugend nach den Gesprächsrunden, beendet durch das Klingeln der Eieruhren, von dem Parlamentarischen Abend angetan. „Das war ein spannender Abend mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung, die sich für alle gelohnt hat“, beendete der BDL-Bundesvorsitzende Matthias Daun den Parlamentarischen Abend. „Und einer, der zeigt, dass sich Politik durchaus auch für die Jugend interessieren kann“, ergänzt seine Amtskollegin, die BDL-Bundesvorsitzende Katrin Biebighäuser. Den nächsten Parlamentarischen Abend des BDL gibt es 2013.

Quelle: Bund der Deutschen Landjugend (BDL)