Kinder- und Jugendarbeit

Plädoyer für eine lebendige Jugendkultur auf öffentlichen Plätzen Bayerns

Die Kommunalen Spitzenverbände in Bayern, der Bayerische Städtetag, der Bayerische Landkreistag und der Bayerische Gemeindetag haben in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring erstmals eine gemeinsame Landestagung zur Kommunalen Jugendpolitik in Bayern veranstaltet.

Die Premiere dieser breiten Kooperation im kommunalen Aufgabenbereich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit fand am 17. Mai 2011 auf Schloss Hirschberg in Beilngries statt. 

Jugend wird nicht gewalttätiger
Angesichts der Diskussion um angebliche Gewaltexzesse junger Menschen in der Öffentlichkeit und um Alkoholmissbrauch – Stichwort „Komatrinken“ – befasste sich die Tagung mit der herausfordernden Frage nach dem Umgang mit Jugendlichen im öffentlichen Raum. Die Kooperationspartner betonten angesichts aktueller gewalttätiger Übergriffe von Jugendlichen in anderen Bundesländern, dass es keinen Grund gebe, Vorurteile gegenüber jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in der Öffentlichkeit aufzubauen, die deren realer Lebenswelt in keiner Weise entsprächen. 
  
„Nicht überall dort, wo sich Jugendliche in der Öffentlichkeit treffen, ist Gefahr im Verzug“ 
So lässt sich die Annahme, dass die Jugend immer gewalttätiger und brutaler werde, keinesfalls belegen. Wie Jörg Breitweg von der Aktion Jugendschutz Bayern darlegte, sind die Zahlen zur Gewaltkriminalität von Jugendlichen in den letzten Jahren sogar rückläufig. Stark verstärkt habe sich allerdings das Anzeigeverhalten von Betroffenen und die mediale Aufmerksamkeit für solche Vorfälle. So entstehe das oftmals verzerrte Bild einer pöbelnden und gewaltbereiten Jugend. Gewalttätigkeiten bei jungen Menschen seien jedoch in der Regel „überwiegend episodenhaft und blieben zuallermeist auf einen bestimmten Entwicklungsabschnitt beschränkt“. Die Skandalisierung verschiedener Einzelvorfälle führe dazu, dass verschiedene Jugendkulturen stigmatisiert und als bedrohlich empfunden würden. Dieses Vorurteil treffe insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund. 
  
„Nicht überall dort, wo sich Jugendliche in der Öffentlichkeit treffen, ist Gefahr im Verzug“, so lautete die gemeinsame Antwort des Bayerischen Jugendrings und der Kommunalen Spitzenverbände in Bayern. Sie betonten, dass junge Menschen zu einem vielfältigen und lebendigen Stadtbild beitrügen. 
  
Recht auf „gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Raum“ 
Die Veranstalter wendeten sich deshalb gegen den Versuch, „auffällige“ Jugendliche mit allen Mitteln aus dem Stadtbild zu verdrängen und betonten das Recht junger Menschen auf gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Raum. Jugendliche dürften nicht ins Abseits geschickt werden. Denn die Bushaltestelle, der Marktplatz oder andere öffentliche Orte seien für Jungen und Mädchen wichtige Bühnen zur Inszenierung von Jugendkultur. Die Sozialisation junger Menschen geschehe in und gemeinsam mit der Öffentlichkeit. Dieser Anspruch kollidiere oftmals mit dem Ruf nach Ruhe und Ordnung. Der Einsatz für jugendgerechte öffentliche Lebenswelten sei deshalb eine zentrale jugendpolitische Aufgabe auch in den Kommunen. Eine Vielfalt an ehrlich gemeinten Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen an öffentlichen Belangen bilde die Grundlage für erfolgreiche Integration von Jugendkultur in das kommunale Gemeinwesen, so die übereinstimmende Einschätzung. 
  
Kommunale Zusammenarbeit beim Jugendschutz 
Dennoch aber sehen die Kommunalen Spitzenverbände und der Bayerische Jugendring einen gestiegenen Handlungsbedarf beim Jugendschutz. Insbesondere präventiven Maßnahmen messen die Veranstalter große Bedeutung im Kampf gegen Suchtmittelmissbrauch und Gewalt zu. Es sei notwendig, dass alle gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen mit verstärkter Sensibilität auf die Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen reagierten. In vielen bayerischen Städten, Märkten und Gemeinden gibt es deshalb zum präventiven Jugendschutz eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen den Jugendämtern, den Polizeidienststellen, Schulen, Vereinen und Jugendverbänden. 
  
Die „Gemeinsame Landestagung Kommunale Jugendpolitik“ diente in diesem Zusammenhang auch der Intensivierung der gemeinsamen Aktivitäten und dem Austausch von guten Praxisbeispielen, von denen in den über 2.000 Gemeinden in Bayern eine große Zahl vorliegen. 

Quelle: Bayerischer Jugendring

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