Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Pfade im Digitalen Raum – Unterstützung für die medienpädagogische Praxis

Die Kunst von Sozialen Medien
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Im Rahmen des Bundesweiten Fachkongresses Kinder- und Jugendarbeit 2016 widmeten sich einige Veranstaltungen medienpädagogischen Fragen. Im Forum "Pfade im Digitalen Raum" präsentierten sich die Projekte "ICH WIR IHR im Netz" und "Think Big" und stellten praktische Möglichkeiten Medienkompetenz zu fördern vor. Die Teilnehmer gingen zum Beispiel auch der Frage nach, unter welchen Bedingungen die Medienarbeit mit bildungsfernen Jugendlichen gelingen kann.

"Ich gebe es zu, ich will mir Arbeit sparen. Wenn es irgendwo fertige Methoden zur Umsetzung von Medienarbeit mit Jugendlichen gibt, bin ich vorne mit dabei." Zustimmendes Gelächter, denn den meisten Teilnehmer(inne)n des Projektforums "Pfade im Digitalen Raum" geht es wie dieser Teilnehmerin: Sie sind auf der Suche nach praktischen Anleitungen und fachlicher Unterstützung in der medienpädagogischen Praxis.

Eine solche Hilfestellung bietet zum Beispiel das Projekt "ICH WIR IHR im Netz". Mareike Schemmerling, medienpädagogische Referentin am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis stellte Ziele, Methodik und Ergebnisse vor. Finanzielle aber auch ideelle Unterstützung erhalten Jugendliche über "Think Big". Nina Cvetek, Programmleiterin in der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), stellte das Jugendprogramm der Telefónica Stiftung und der DKJS vor.

"ICH WIR IHR im Netz" – Geschnürte Pakete für den Einstieg in die Medienarbeit

Mit dem Ziel, "Werte und Medien mit Jugendlichen zum Thema zu machen" entwickelte das JFF Projektanleitungen und Materialpakete für Jugendarbeit und Schulen, die Austausch und Reflexion zu und mit Medien ermöglichen. Die Materialpakete eignen sich für den Einsatz bei Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren und bestehen aus Bausteinen, die individuell kombiniert und auch adaptiert werden können. Thematisch befassen sie sich mit dem Nutzungsverhalten Jugendlicher, Verbraucherbildung, Nutzungsintensität und Online-Konflikten.

Damit auch Fachkräfte, die bisher noch keine Erfahrungen in der Medienarbeit gemacht haben, die Module nutzen können, entwickelte das Projekt sehr niederschwellige Methoden: ohne aufwändige technische Vorbereitung setzen Jugendliche sich mit verschiedenen Themen auseinander. Die Pakete enthalten alle nötigen Arbeitsmaterialien: Ablaufpläne, Arbeitsblätter, Audio- und Videodateien, ein Spiel etc. Auch die Intensität ist variabel: die Arbeitshilfen ermöglichen die Durchführung einstündiger Kompakteinheiten, zum Beispiel für die Gestaltung einer Gruppenstunde, aber auch Tagesworkshops mit etwas komplexerer inhaltlicher Ausrichtung und verschiedenen Gruppenarbeitsphasen.

Ergänzend zu den Materialien für die Arbeit mit Jugendlichen stehen auch Arbeitshilfen für die Elternarbeit, etwa Ablaufplan, Präsentation sowie Hintergrundinformationen für einen Elternabend zur Verfügung.

Die in einer Modellphase in Jugend- und Elternwerkstätten erprobten Materialien stehen seit 2014 als kostenloser Download unter www.ich-wir-ihr.de zur Verfügung.

"Think Big" – digitale Teilhabe und soziales Engagement fördern

Über Workshops, Coaching und finanzielle Projektförderung unterstützt Think Big 14- bis 25-Jährige dabei, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden und ihre technologischen Fähigkeiten auszubauen. "Digitale Technologien nutzen, um an der Gestaltung von Gesellschaft teilzuhaben" – unter diesem Motto vergeben die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und die Fundación Telefónica gemeinsam mit o2 eine Förderung in Höhe von 400€ für soziale Projekte. Jugendliche können sich direkt und unkompliziert bewerben und werden durch lokale Partner, zumeist medienpädagogische Einrichtungen, bei der Umsetzung ihrer Ideen begleitet. Jedes Projekt wird von Jugendlichen initiiert und mit Jugendlichen umgesetzt.

Über Schultouren und Workshops macht das Programm Jugendliche auf sich aufmerksam. Die Initiatoren wollen Jugendlichen Lust auf Medienarbeit machen und ihnen zeigen, wie man mit digitalen Tools soziale Projekte umsetzen kann. So sind beispielsweise ein Videospiel zum Thema Fluchterfahrung, das zusammen mit Geflüchteten programmiert wurde, eine Webseite zu inklusiven Wohngemeinschaften oder ein Liveblog zur Berlinwahl mit jugendgerechter Berichterstattung entstanden.

Digitale Inspiration und Unterstützung erhalten Projekte auch über das von Medienpädagogen betreute Angebot der Think Big Digitalwerkstatt. Diese bietet regelmäßige Videochats zu unterschiedlichen Themen an. Jugendliche können darüber Medien-Tools kennenlernen und sich live mit Fragen und Anmerkungen beteiligen. Außerdem werden Supportanfragen, die auch für andere Projekte interessant sein könnten, in YouTube Videos für alle beantwortet. Nicht zuletzt wird den Jugendlichen über einen Technikverleih kostenlos die Möglichkeit geboten, Tablets, mobile Router, Kopfhörer und weiteres Equipment auszuleihen.

Alle bislang eingereichten Projektideen sowie die Möglichkeit sich zu bewerben gibt es unter  www.think-big.org.

Disempowerment, Benachteiligung, moralischer Zeigefinger – Learnings aus der Praxis

Was die Präsentation beider Projekte verdeutlichte: Es braucht niederschwellige Methoden um Medienkompetenz bei allen Jugendlichen zu fördern. So hob Mareike Schemmerling hevor, dass bei der Erprobung der Methoden von "ICH WIR IHR im Netz" solche am erfolgreichsten waren, bei denen Jugendliche selbst als Experten zu Themen wie Medienhandeln, Vereinszugehörigkeit oder Konflikte im Netz zu Wort kommen können. Unter dem Motto "Ich hab anderen etwas zu sagen" gelinge die Praxis weitaus besser, als mit dem erhobenen Zeigefinger.

Bildungsferne Jugendliche zu erreichen stellte Nina Cvetek noch mal als besondere Herausforderung dar. Bei "Think big" geschehe dies durch die Kooperation mit Projektpartnern, die ohnehin mit entsprechenden Zielgruppen arbeiten. Cvetek betonte, das jede Idee Berücksichtigung finde; Coaches würden sich in jedem Falle mit den Jugendlichen in Verbindung setzen und ihre Idee besprechen – egal, wie verständlich oder eloquent die Bewerbung formuliert sei und egal, welche Voraussetzungen sie mitbringen.

Neben möglichen Kooperationen – mit Schule und Jugendsozialarbeit: sinnvoll, mit der Polizei: kommt auf die Person an – wurde zuletzt der Begriff Disempowerment diskutiert. Hierbei ging es um die Frage, inwieweit mediale Tools durch Voreinstellungen und Filter Experimentierfreude und Kreativität bremsen, oder ob ihr niederschwelliger Zugang durch schnelle Erfolge ein Gelingensfaktor ist. Hier kamen die Teilnehmer/-innen zu einem sehr ähnlichen Fazit wie Angela Tillmann in ihrem  Fachvortrag zu "Kinder- und Jugendarbeit im Zeitalter der Digitalisierung": Pädagog(inn)en müssen Medien selbst ausprobieren, ihre Nutzung reflektieren und in der Lage sein, Alternativen aufzuzeigen.

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