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Online-Dossier: Schicksalsjahr 1938 – Zeitzeugnisse der deutsch-jüdischen Diaspora

Synagoge Warschau Judenstern
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Die Bundeszentrale für politische Bildung und das Leo Baeck Institut haben ein neues Online-Dossier über die Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1938 veröffentlicht. Im Rahmen des Projekts beschäftigen sich außerdem 20 Jugendliche in partizipativen Workshops mit den Lebensgeschichten von Gleichaltrigen in 1938 und erstellen dazu eine Multimedia-Story.

Im neuen Online-Dossier „Schicksalsjahr 1938 – Zeitzeugen der deutsch-jüdischen Diaspora“ der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und dem Leo Baeck Institut finden sich persönliche Geschichten von Zeitzeugen der deutsch-jüdischen Diaspora. Briefe, Tagebücher, offizielle Dokumente und Fotos geben einen Einblick in die bedrohlichen Lebensumstände der Betroffenen unter dem NS-Regime im Jahr 1938.

Zäsur in der deutsch-jüdischen Geschichte

2018 jähren sich die einschneidenden Ereignisse dieses Schicksalsjahres zum 80. Mal. Wie kaum ein anderes Jahr markiert dieses eine Zäsur in der deutsch-jüdischen Geschichte. Binnen weniger Monate änderte sich die Situation deutschsprachiger Juden schlagartig. Die Entrechtung, Diskriminierung und Verfolgung verschärfte sich massiv, die Gewalt eskalierte. Am 9. November 1938 gipfelte der staatliche Antisemitismus in deutschlandweiten Pogromen gegen Juden. Synagogen brannten, jüdische Geschäfte wurden geplündert und brutale Übergriffe fanden auf offener Straße statt. Das Jahr 1938 zeigt exemplarisch, welche verheerenden Folgen Diffamierung, Ausgrenzung und Entrechtung von Minderheiten haben können.

Fotoalbum zeigt Leben in jüdischem Kinderheim

Im Dossier zeigt ein Fotoalbum das bedrohte und zugleich behütete Leben in einem jüdischen Kinderheim. Tagebücher von Jugendlichen schildern den für Juden unheilvollen Anschluss Österreichs und die dramatischen Folgen der Novemberpogrome in Wien. Eltern schreiben Postkarten an ihre Kinder, die ganz allein mit den Kindertransporten in England landen. Einer Familie gelingt nach erlittener Verfolgung im darauf folgenden Jahr die Flucht über Kuba mit der St. Louis.

Multimedia-Story und Dokumente von 1938

Momentan beschäftigt sich eine Gruppe aus 20 Jugendlichen in partizipativen Workshops mit den Lebensgeschichten der Kinder und Gleichaltrigen von 1938 und erzählt ihre Geschichten aus heutiger Perspektive. Daraus wird eine Multimedia-Story entstehen. Neben dem Online-Dossier veröffentlicht das Leo Baeck Institut 2018 täglich ein neues  Dokument der deutsch-jüdischen Diaspora von 1938.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung vom 08.06.2018

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