Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Mobilität und die Rolle der Jugendinformation – Eurodesk-Survey 2019

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Im Rahmen der zweiten Ausgabe der europäischen Umfrage untersuchte das Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk, wie sich junge Leute zum Thema Auslandsaufenthalt informieren und welche Fragen sie haben. Ziel der Umfrage ist es, Informations- und Unterstützungsangebote für junge Menschen zu verbessern.

Die Ergebnisse der Eurodesk-Survey 2019 unterstreichen zum einen Punkte, die auch im Rahmen anderer Studien wie der Zugangsstudie oder der MOVE-Studie belegt wurden. Zum anderen bringt die Studie neue Erkenntnisse z.B. bezüglich des gewünschten Beratungs- und Informationsangebotes.

Kernergebnisse im Überblick

  • Familiäres Umfeld: Die Befragten ohne Mobilitätserfahrung haben häufiger keine Familienmitglieder, die bereits an einem Lernaufenthalt im Ausland teilgenommen haben (66,6 % verglichen mit 52,9 % bei den mobilen Befragten).
  • Geografisches Umfeld: Etwa ein Fünftel der Befragten ohne Mobilitätserfahrung (22,4%) lebt in ländlichen Gegenden, verglichen mit etwa einem Zehntel ihrer mobilen Gleichaltrigen (11,2%).
  • Information und Beratung: 84,7% der Befragten gaben an, dass sie von der Möglichkeit für ihren ersten Auslandsaufenthalt im persönlichen Kontakt mit einer Lehrkraft, im Freundeskreis, von Kolleg(inn)en oder Familienmitgliedern oder von einer Jugendarbeits-, Informations- oder Beratungsstelle erfahren hätten, wo sie zu diesem Schritt ermutigt wurden.
  • 49,6% der Befragten ohne Mobilitätserfahrung – d.h. fast die Hälfte dieser Gruppe – hatten das Gefühl, niemanden um Hilfe bitten zu können.
  • Die Teilnehmenden ohne Mobilitätserfahrung hatten stärker als die Gruppe mit Mobilitätserfahrung den Eindruck, dass zu viele Informationen zu durchsuchen waren, sodass sie letztendlich aufgaben (29,5% der Befragten ohne und 19,4% der Befragten mit Mobilitätserfahrung).
  • Nur 64,7% fanden die online gefunden und persönlich erhaltenen Mobilitätsinformationen inspirierend.

Wichtigste Quellen der Mobilitätsinformation

Der Großteil der Befragten nutzt Online-Kanäle wie allgemeine Suchmaschinen, soziale Medien und Portale, um sich über Möglichkeiten zu informieren. Außerdem wenden sie sich an Familienmitglieder und Gleichaltrige, von denen sie wissen, dass sie mit der Thematik vertraut sind oder relevante Erfahrungen haben. Sie schätzen einen Face-to-Face-Ansatz, bei dem das Bildungsumfeld (Schule) neben Informationsstellen, Messen und Veranstaltungen zu entsprechenden Möglichkeiten eine der wichtigsten Informationsquellen bildet.

Unter den Plattformen, auf denen junge Menschen nach Mobilitätsinformationen suchen würden, waren Facebook, Instagram und YouTube in allen Altersgruppen die beliebtesten Plattformen. Leichte Unterschiede ergaben sich bei den unter 15-Jährigen, die YouTube und Instagram als ihre wichtigsten Quellen bezeichneten, während die anderen Zielgruppen Facebook und Instagram bevorzugten.

Befragten mit Mobilitätserfahrung waren mehr an technischen Aspekten wie Finanzierung und Stipendien interessiert, um neue Möglichkeiten zu finden. Befragte ohne Mobilitätserfahrung waren im Gegensatz dazu mehr an Informationen über mögliche Zielländer und logistischen Fragen zur Wohnungssuche, zu unterstützenden Strukturen und Bildungssystemen usw. interessiert, die von ihren gewohnten Strukturen deutlich abweichen könnten.

Empfehlungen für Jugendpolitik und Jugendarbeit

Auf Grundlage der Umfrageergebnisse werden im letzten Kapitel der Studie Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung zukünftiger Förderprogramme, Empfehlungen für die Jugendpolitik sowie für die Jugendarbeit ausgesprochen.

Audrey Frith, Direktorin bei Eurodesk Brussels Link, betonte: „Der Zugang zu freien und verlässlichen Informationsquellen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene ist von entscheidender Bedeutung. Die Informationen müssen kohärenter, jugendfreundlicher und persönlicher sein. Dies setzt voraus, dass die Jugendarbeiter angemessen geschult sind und dass verschiedene Dienste Hand in Hand arbeiten. Leider bleibt der Zugang heute sehr ungleich. Es sind mehr Investitionen in Jugendinformationsdienste erforderlich, um sicherzustellen, dass sie über die personellen und finanziellen Ressourcen verfügen, um alle jungen Menschen zu erreichen.“

Vollständiger Bericht

Deutschsprachige Umfrage: Eurodesk-Survey 2019: Mobilität und die Rolle der Jugendinformation (PDF 2,2 MB)
Englischsprachige Umfrage: Eurodesk-Survey 2019 report – mobility and role of youth information

Über die Eurodesk-Umfrage

Die Eurodesk-Umfrage ist ein Projekt von Eurodesk. Es handelt sich um eine europaweite Online-Erhebung, die von Eurodesk Brussels Link durchgeführt und veröffentlicht wird. Die Ausgabe 2019 erreichte 3.495 Befragte aus 53 Ländern und richtete sich an Personen zwischen 15 und über 30 Jahren. Die Umfrage zielt darauf ab, die Erfahrungen mobiler und nicht mobiler Jugendlicher und junger Erwachsener zu sammeln und den Zugang zu Informationen und der Lernmobilität zu untersuchen.

Quelle: IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Regina Pfeifer

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