Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Maker Days for Kids – eine viertägige offene digitale Werkstatt

Die Kinder und Jugendlichen beim Arbeiten an den verschiedenen Stationen bei den Maker Days.
Bild: BIMS (CC 0) Blick in die offene Werkstatt im Haus der Jugend in Bad Reichenhall

Die Veranstaltung Maker Days for Kids ist eine kreative digitale Werkstatt, die im April 2015 vier Tage lang im südostbayerischen Bad Reichenhall geöffnet hatte. In der offenen Werkstatt konnten Kinder zwischen 10 und 14 Jahren vier Tage lang kreative Vorhaben umsetzen – insbesondere, aber nicht nur, mit Technologien wie 3-Druck, Programmierung, LEDs und dem Schneideplotter. Die Mitinitiatorin Dr. Sandra Schön stellt Konzeption und Erfahrungen mit dem Modellprojekt in ihrem Fachbeitrag vor.

Beim Modellprojekt „Maker Days for Kids“ ging es darum, das auszuprobieren, was in der sogenannten Maker-Bewegung, d.h. bei den digitalen Selbermacherinnen und -machern, aktiv entwickelt und bearbeitet wird. Dabei kamen traditionelles Werkzeug (z.B. Nähmaschine, Bohrmaschine) und Materialien wie Farben und Papier ebenso zum Einsatz wie Computer, Laptops, Smartphones (u.a. zur Programmierung, zur Modellierung von 3D-Modellen, zur Produktion von Videos, zur Dokumentation der Projekte im Weblog) sowie digitale Werkzeuge (3D-Drucker, Vinyl-Cutter). Auch standen LED-Technik zum Löten, Raspberry Pis, Lego Mindstorms und Co. für technische Projekte zur Verfügung. Freifunk und entsprechende Endgeräte ermöglichten den Zugang zu Programmierumgebunge sowie zu Tools (u.a. Scratch bzw. der gemeinsame Ordner) und Webseiten mit weiteren Tipps für die individuellen Projekte.

Für das Projekt „Maker Days for Kids“ vereinten sich unterschiedliche Akteure. Mit Unterstützung der HIT-Unternehmensstiftung (nun DOHLE Stiftung), haben sich so Mitarbeiter/innen der TU Graz, der landeseigenen Forschungsgesellschaft Salzburg Research, dem Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, dem gemeinnützigen Bildungsverein BIMS sowie dem Haus der Jugend in Bad Reichenhall zusammengetan, um im Rahmen einer viertägigen offenen Werkstatt zu erproben, ob und wie Making-Aktivitäten in einer offenen Werkstatt für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren angeboten werden können und wie sie angenommen werden. Das Projekt wurde im November 2016 mit dem Dieter Baacke Preis für medienpädagogische Projekte ausgezeichnet.

Entwicklung des Modell-Projekts

Ausgehend von einem ersten Projektplan im Herbst 2014 wurde das Konzept der offenen Werkstatt über mehrere Monate hinweg entwickelt, und dabei Handbücher und Weblogs mit Maker-Aktivitäten hinzugezogen. Neben den Abläufen wurden dabei auch unterschiedliche Materialien, z.B. die Workshop-Ankündigungen, Anmeldeformulare u.a. entworfen. Zudem wurden mit bis zu acht Peer-Tutorinnen bei drei Vorbereitungstreffen die Angebote, Abläufe und Strukturen diskutiert und (weiter-) entwickelt. Die Peer-Tutor-/innen sind dabei Jugendliche, die in vorherigen Medienprojekten eingebunden waren. Zwölf erwachsene Helfer/-innen und acht Jugendliche nahmen schließlich an zwei Workshops teil, bei dem zum Einen das Konzept und zahlreiche Werkzeuge vorgestellt wurde bzw. zum Anderen im Salzburger Happylab die Nutzung der Leihgeräte, d.h. des 3D-Druckers wie eines Vinyl-Cutters geprobt wurde.

Zielsetzung und didaktische Prinzipien der Werkstatt

Das Ziel der Maker Days ist es, die Teilnehmenden bei der eigenständigen, kreativen Entwicklung von Erfindungen aller Art zu unterstützen. Grundsätzlich soll es jederzeit möglich sein, frei zu tüfteln und zu arbeiten. Bei der Gestaltung der Werkstatt waren sechs didaktische Zielsetzungen maßgeblich. Mit dem Ziel, kreatives (digitales) Gestalten zu ermöglichen und zu fördern, wurde bei den Maker Days v.a. auf ein (a) offenes, niederschwelliges Angebot, (b) auf Partizipation der Teilnehmer/-innen, (c) die Förderung ihrer Ideen- (und Innovations-) Entwicklung, (d) eine (auch selbstgesteuerte) Medien- und IT-(MINT-) Kompetenzerweiterung (e) eine gender-sensible Gestaltung sowie auf eine (spätere) Erreichbarkeit der Werkzeuge für die Teilnehmer/-innen gesetzt bzw. geachtet.

Angebot und Gestaltung

Um Kreativität und Kooperation bestmöglich zu unterstützen, wurde der Saal des Jugendzentrums z.B. durch Tische und Regale und weitere Gestaltungen (z.B. Wimpelketten, Plakate) unterteilt und übersichtlich gestaltet. Für die 3D-Drucker und Vinyl-Cutter gab es so eigene Arbeitsbereiche. Auf der Bühne war das sog. „DevLab“ – eine Sammlung von Notebooks zur Erstellung von 3D-Modellen, zum Programmieren von Scratch usw. In einem weiteren Raum unter der Bühne war nur das Film- und Fotostudio, da hier auf entsprechende Ton- und Lichtverhältnisse zu achten ist.

Trotz der offenen Struktur gab es für Neuankommende ein stets gleiches Programm und Führung: Alle Neuen werden bei der „Orga“ empfangen und gebeten, eine Anmeldung auszufüllen. Jede/-r erhält dann ein Lanyard und Badge mit ihrer/seiner User-ID und eine Bastelvorlage für ein kleines Maker-Notizbuch. Zum Start bekamen die neuen Kinder dann eine Führung – in der Regel durch Gleichaltrige – durch die gesamte Werkstatt, so dass sie einen Einblick erhielten, wie man sich bei Workshops anmeldet, was es bei der Orga gibt (Pflaster!), welche Angebote es überhaupt gibt und – das hat meist für Erstaunen gesorgt – dass sie sich am Lager selbst bedienen können und grundsätzlich das machen können, was ihnen Spaß macht, solange dabei die Maker-Prinzipien eingehalten werden, z.B. ressourcenschonend zu arbeiten.

Als Rahmen, damit die Teilnehmenden mit den angebotenen Werkzeugen Erfahrungen sammeln können und gezielte Anregungen erhalten, gab es spezielle Angebote:

  • Für jeden Tag gab es eine spezielle Herausforderung (die „Challenge“). Dabei wurde ein Thema gestellt, das in der Gruppe oder ggf. einzeln bearbeitet werden kann. Zur Tages-Challenge gibt es nach Bedarf Treffen (in der Ideenwerkstatt). Die Challenges waren z.B. ein Maker Days Video und ein Maker Days.
  • Die Workshops waren dazu da, eine eher kurze Einführung in ein Werkzeug oder eine Methode zu geben und dauerten i.d.R. zwischen 15 und 40 Minuten. Die Workshops wurden von (Peer-) Tutorinnen und Tutoren und Teilnehmenden angeboten und konnten auch kurzfristig angekündigt werden, dazu wurde eine Beschreibung auf dem Tagesplan ausgehängt, der Thema, Zielgruppe, Dauer und Treffpunkt beinhaltete.
  • Zu den Geräten und Methoden werden (soweit möglich) schriftliche (oder Online-)Selbstlern-Materialien zur Verfügung gestellt, mit denen es möglich ist, erste Schritte durchzuführen oder einzuüben.

Teilnehmer/-innen und Ergebnisse

Mit den Peer-Tutor/-innen wurden rund 70 Kinder bei den Maker Days aktiv, wobei die Teilnehmer/-innen-Zahlen dabei schwankten. Neben den Peer-Tutor/-innen nahmen an den vier Tagen der Werkstatt zwischen 28 und 39 weitere Kinder und Jugendliche teil. Bemerkenswert ist die hohe Zahl von Kindern, die wiederholt kamen – immerhin war das Angebot freiwillig und ohne Anmeldung: Es kamen am zweiten Tag 24 Teilnehmer/-innen von 28 wieder, also 86 Prozent der Kinder. 44 Prozent der Kinder waren Mädchen. 40 Prozent der Kinder waren Schüler/-innen der Real- bzw. Neuen Mittelschule, 28 Prozent besuchten das Gymnasium, der Rest besuchte v.a. die Grundschule.

Insgesamt wurden an den vier Tagen während der Öffnungszeiten der Maker Days (10:30 bis 16.30 Uhr) 121 "Mini-Workshops" angeboten, 92 wurden tatsächlich auch durchgeführt. Die unterschiedlichen Projekte und Ergebnisse werden im Projekt-Weblog präsentiert und wurden im Rahmen einer feierlichen Präsentation durch die Beteiligten der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine detaillierte Evaluation der Aktivitäten ist zugänglich (Schön, Ebner & Reip, 2016).

Online-Beiträge zum Modellprojekt

Tipps für Nachahmer/-innen

Wer Making ausprobieren will, findet konkrete Anleitungen und Material-Listen im „Handbuch zum Making mit Kindern“ – das richtet sich insbesondere an Anfänger/-innen. Darin beschreibt Steffen Griesinger wie man VR-Cardboard-Brillen baut (dem Guckkasten-Projekt); Gregor Lütolf zeigt, wie man den 3D-Druck im Unterricht einsetzt und Daniel Seitz beschreibt den Jugend-Hackathon Jugend hackt. In dem Handbuch werden 33 Projekte rund um das kreative digitale Gestalten mit Kindern und Jugendlichen in der Schule, in der Freizeit und MINT-Initiativen vorgestellt.

Zudem steht auch der offen zugängliche Online-Kurs zum Making mit Kindern zur Verfügung. Handbuch und Online-Kurs finden sich auch im Praxisblog Medienpädagogik

Über die Autorin

Dr. Sandra Schön ist Erziehungswissenschaftlerin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft und leitet ehrenamtlich medienpädagogische Projekte mit Kindern beim BIMS e.V. Kontakt: www.sandra-schoen.de

Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe veranstaltete am 29. März 2017 innerhalb des 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags den Workshop "Always on?! Digitale Medien im beruflichen Alltag der Kinder‐ und Jugendhilfe". Die Veranstaltung thematisierte die Auswirkungen der Digitalisierung auf das professionelle Handeln der Fachkräfte und stellte als Anregung für die fachliche Arbeit Good-Practice-Beispiele vor. Dr. Sandra Schön präsentierte das Modellprojekt „Maker Days for Kids“.

DE 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

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