Cyber-Mobbing

Landesstellen Kinder- und Jugendschutz fordern sozialen statt medialen Fokus

Drei Mädchen halten ihre Handys in der Hand und schauen verächtlich auf ein anderes Mädchen, das verschwommen im Vordergrund zu sehen ist
Bild: © Daisy Daisy - fotolia.com

Wenn Kinder und Jugendliche vermehrt in der digitalen Welt interagieren, scheint die Zunahme digitaler Gewaltformen plausibel. So legen es alarmierende Zahlen aus einigen Studien nahe. Die Landesstellen Kinder- und Jugendschutz plädieren in einem Positionspapier nachdrücklich dafür, die Begrifflichkeiten klarer abzugrenzen und einen sozialen Fokus zu setzen, um Cyber-Mobbing entgegenzuwirken.

In öffentlichen Diskussionen, Studien wie auch in der medialen Berichterstattung werden verschiedene Phänomene wie Cyber-Grooming, Sexting und Hatespeech unter Cyber-Mobbing subsumiert. Aber nicht jede Cyber-Attacke ist gleich Cyber-Mobbing: Der Begriff beinhaltet das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mittels digitaler Medien über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Landesstellen Jugendschutz schauen nun in einem gemeinsamen Positionspapier genauer hin und fordern, die Vermischung von Phänomenen zu vermeiden. Die angemessene Verwendung von Begriffen unterstütze die Einordnung und Gefahreneinschätzung. Zudem hälfen klar definierte Problemfelder allen Beteiligten, passgenauere Maßnahmen zur Prävention bzw. Intervention zu ergreifen.

Cyber-Mobbing ist kein reines Medienphänomen

Wiederholt ist aktuell die Befürchtung zu lesen, dass die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie das Risiko für Cyber-Mobbing unter jungen Menschen verschärft haben könnten, da die Kinder und Jugendlichen deutlich mehr Zeit im Internet und in den Sozialen Medien verbringen. So konstatiert es etwa die Studie „Cyber Life III“ des „Bündnis gegen Cybermobbing e.V.“. So einfach lassen sich Ursache und Wirkung laut Positionspapier nicht herleiten. Die Haltung der Landesstellen: Mobbing und Cyber-Mobbing sind miteinander verwoben. Cyber-Mobbing hat in den meisten Fällen direkte Bezüge zur analogen Lebenswelt. Betroffene werden offline wie online attackiert. Mobbing findet in erster Linie analog im sozialen Gefüge statt und wird online weitergeführt. Cyber-Mobbing ist somit kein reines Medienphänomen.

Die Ursachen für Cyber-Mobbing nur in den Sozialen Medien zu sehen, würde durch alarmierende Zahlen tendenziell noch gefördert, so die Jugendschützer/-innen. Stattdessen müsse der soziale Umgang miteinander als ursächlich für Mobbing und Cyber-Mobbing betrachtet werden. Die Expert(inn)en in den Landesstellen empfehlen daher, den Fokus in der Prävention auf die Vermittlung sozialer Kompetenzen zu legen. Prävention und Intervention seien Aufgabe von Schule und Jugendhilfe. Dafür seien Schutzkonzepte für ein einrichtungsbezogenes Konfliktmanagement zuverlässige Instrumente.

Das genaue Ausmaß von Cyber-Mobbing ist schwer zu bemessen. Zahlen in Studien lassen sich aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Cyber-Mobbing schlecht vergleichen. Sicher ist: Mobbing und Cyber-Mobbing verletzen massiv die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf psychische und körperliche Unversehrtheit. Es besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf. Kinder brauchen Erwachsene, die Mobbing und Cyber-Mobbing erkennen, ernst nehmen und stoppen.

Das Positionspapier gibt es als PDF zum Download auf ajs.nrw.

Hintergrundinformationen

Ziel der Landesstellen Kinder- und Jugendschutz ist es, Kinder und Jugendliche nicht nur vor Gefährdungen zu schützen, sondern sie vor allem gegenüber Beeinträchtigungen aller Art zu stärken. Ihr Angebot richtet sich an Fachkräfte aus der Jugendhilfe, an Eltern sowie alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. In Nordrhein-Westfalen bietet die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW e.V. Arbeitsmaterialien und regelmäßige Fortbildungen zum Thema „Cyber-Mobbing begegnen“ an.

Kontakt