Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Landesjugendring: Wird die Zukunft der Berliner Jugendarbeit zugebaut?

Jugendliche spielen in einem heruntergekommenen Hinterhof Fußball.
Bild: © LJR Berlin

Mehr Freiräume! – Angebote der Jugendarbeit und der Jugendverbandsarbeit in Berlin sind heute zunehmend gefährdet. Schuld daran sind fehlende Räume und Flächen sowie steigende Mietkosten. Sieben Forderungen an die Berliner Politik hat die Mitgliederversammlung des Landesjugendring Berlin am 30. März 2019 daher beschlossen.

Jugendverbände werden in der Jugendhilfeplanung kaum berücksichtigt

Wohnungsnot, Schulbauoffensive, Kita-Krise. In Berlin verschärft sich der Wettbewerb um Flächen und Freiräume. Beim Kampf um Räume in der Stadt hat die Jugendarbeit schlechte Startchancen. Sie wird bei der Planung der sozialen Infrastruktur im Vergleich zu Schulen und Kitas nachrangig behandelt. Jugendverbände sind besonders bedroht: Da sie landesweit gefördert werden, werden sie in der bezirklichen Jugendhilfeplanung kaum berücksichtigt. Massive Mietsteigerungen der letzten Jahre verdrängen Jugendverbände zudem in Randbezirke, obwohl ihre Angebote zentral und gut erreichbar für junge Menschen sein müssen.

Sieben Forderungen für Freiräume

Bei der Mitgliederversammlung des Landesjugendring Berlin haben Delegierte aus 34 Jugendverbänden sieben Forderungen beschlossen, um der Gefährdung ihrer Angebote entgegenzuwirken. Die Verbände fordern die Berliner Politik unter anderem dazu auf, beim Wohnungsbau Räume und Flächen für Jugendarbeit verbindlich mitzuplanen. Jugendverbände sollen trotz ihrer Landesförderung auch in der bezirklichen Planung und bei Infrastruktur-Konzepten gleichrangig zu Schulen und Kitas berücksichtigt werden.

Räumliche Verdrängung von Jugendarbeit verhindern

Weiterhin fordern die Jugendverbände, dass ihre finanziellen Zuwendungen an die steigenden Gewerbemieten angepasst werden müssen. Zwei Jugendverbände mussten ihre etablierten Standorte bereits verlassen, ein dritter steht vor der Frage, ob das Seminarangebot verschlankt werden muss, um eine Mieterhöhung zu stemmen. Berlin braucht deshalb ein Konzept, um die räumliche Verdrängung von Jugendarbeit zu verhindern, der Senat und die Jugendämter der Bezirke sollen bei der Suche nach Immobilien unterstützen.

„Wir sind dazu bereit, gemeinsam mit dem Land und den Bezirken Räume für Jugendliche zu sichern und neue Angebote zu schaffen“, sagt Juliane Kremberg, Vorstand des Landesjugendring. „Wir müssen mit der Politik kreative Wege finden, wie angesichts der angespannten Immobiliensituation wichtige Freiräume für junge Menschen gesichert und ausgebaut werden können“, so Kremberg.

Tagung an symbolischem Ort

Die Mitglieder des Landesjugendring trafen sich auf einer von Pfadfinder(innen)gruppen genutzten Freifläche in Tempelhof. Bis vor kurzem stand die Arbeit der Pfadfinder/-innen hier auf der Kippe – denn mit der „Neuen Mitte Tempelhof“ entsteht dort ein neues Wohngebiet. Bei der Mitgliederversammlung wurden ebenso ein Antrag zu finanzieller Sonderförderung für inklusive Jugendverbandsarbeit beschlossen sowie eine Solidaritätserklärung mit den Klimaprotesten „Fridays for Future“.

Bei Nachwahlen zum Vorstand wurden Marie-Abla Dikapor (Sozialistische Jugend - Die Falken Berlin) und Fabian Schmidt (DGB-Jugend Berlin Brandenburg) gewählt. Auch ein neuer Jugendverband wurde aufgenommen: Die Johanniter-Jugend Berlin-Brandenburg ist nun das 34. Mitglied des Landesjugendring Berlin.

Das Forderungspapier und die weiteren Beschlüsse der Mitgliederversammlung finden sich auf der Webseite des Landesjugendring Berlin.

Quelle: Landesjugendring Berlin vom 01.04.2019

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