Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Landesjugendring Niedersachsen: Freizeitangebote statt „Lernräume“ fördern

Jugendliche von hinten auf einem Kornfeld mit ausgebreiteten Armen
Bild: Jamie Street - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Mit einem gemeinsamen offenen Brief haben sich der Landesjugendring Niedersachsen e.V. und die Landesarbeitsgemeinschaft offene Kinder- und Jugendarbeit Niedersachsen e.V. an Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Sozialministerin Carola Reimann gewandt und das kurzfristig initiierte Sommerferienangebot „Lernräume“ scharf kritisiert.

Die beiden Organisationen weisen in ihrem offenen Brief „Lernräume vor Ort – Konzept für ein außerschulisches Bildungs- und Freizeitangebot in den Sommerferien mit Unterstützung der Kommunen” darauf hin, dass sich die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht nur auf die Schule beschränkt. Gerade in Zeiten von Corona benötigen Kinder- und Jugendliche Zeit für sich und ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse: Aktuelle Studien zur Lebenssituation Jugendlicher belegen, dass diese sehr unter der Corona-Pandemie gelitten haben.

Junge Menschen werden darauf reduziert, Schüler/-innen zu sein

Die Autor(inn)en der JuCo-Studie „Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen“ (PDF, 158 KB) kommen zu dem Ergebnis, dass junge Menschen darauf reduziert wurden Schüler/-innen zu sein und ihre anderen Bedürfnisse nicht gesehen wurden. Umso wichtiger sei es, den außerschulischen Interessen von Schüler(inne)n in den Ferien Rechnung zu tragen. Das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Ferien und Erholung werde vom Kultusministerium nicht geachtet, der schon jetzt aufgrund von Corona bestehende „Lerndruck“ werde stattdessen in die Ferienzeit hineingetragen. Es könne nicht sein, dass die Schüler/-innen jetzt die Leidtragenden der bislang fehlenden inhaltlichen Anpassung der Curricula und Lehrpläne sein sollen.

„Lernräume vor Ort“ stellt keine Verbindung zu bestehenden Bildungs- und Freizeitangeboten her

Das Vorhaben „Lernräume vor Ort“, so kritisieren LJR und LAG OKJA, stelle in keiner Art und Weise eine Verbindung zu den bestehenden Bildungs- und Freizeitangeboten (Ferienangebote) in den Sommerferien her, die von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe geplant, durchgeführt und verantwortet werden. Es sei befremdlich, dass das Land Niedersachsen nun für das Projekt „Lernräume vor Ort“ finanzielle und personelle Ressourcen bereitstellt, die Träger der Jugendarbeit aber mit der Bewältigung der zusätzlichen Kosten und dem enormen Aufwand der Umorganisation der Angebote der Jugendarbeit an die Corona-Bedingungen alleine gelassen werden.

Finanzielle Ressourcen des Vorhabens sollten Trägern der Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden

Die örtlichen Träger der Jugendarbeit (Kommunen und Verbände) haben in einem Kraftakt in den letzten Wochen ihre Planungen für die Sommerferien 2020 weitestgehend abgeschlossen. Die Maßnahmen der verschiedenen Träger sind konzipiert, geplant und ausgeschrieben. Auch die Träger des schulischen Ganztags an Grundschulen haben ihre Ferienprogramme geplant und befinden sich in der Teilnehmendenakquise. Für viele Eltern kommen die Angebote schon jetzt zu spät, aber die Verordnungen des Landes zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ließen leider lange keine verlässlichen Planungen zu kritisieren LAG OKJA und LJR.

Die beiden Organisationen fordern stattdessen, die finanziellen Ressourcen, die für die Umsetzung des Konzeptes bereitgestellt werden sollen, den Trägern der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen, um die Kostensteigerung z.B. durch die Umsetzung der Hygienekonzepte auszugleichen.

Quelle: Landesjugendring Niedersachsen e.V. vom 06.07.2020

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