Kinder- und Jugendarbeit

KJR LSA: Freiräume für Kinder und Jugendliche sind unbezahlbar

Magdeburg. Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. (KJR LSA) betrachtet sehr kritisch die Situation, in der sich derzeitig die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Magdeburg befinden.

„Wie die Träger über den im Jugendhilfeausschuss erfuhren, sollen von den insgesamt in der Stadt einzusparenden 3,8 Millionen Euro mehr als eine halbe Million Euro in der Kinder- und Jugendarbeit gekürzt werden“, schildert Nicole Stelzer (Geschäftsführerin des KJR LSA) den Sachstand.

Mit diesem Vorgehen schade die Stadt im besonderen Maße sich selbst. „Wir vermitteln Kindern und Jugendlichen, dass es wichtig, richtig und möglich ist, sich in die Gesellschaft einzubringen,“ erläutert Stelzer. Kinder und Jugendliche können sich mit ihren Ideen in den Jugendverbänden und Jugendclubs einbringen. Jetzt müssen die Fachkräfte vor Ort erklären, warum Gelder für Projekte, die Jugendliche mitentwickelt haben, nicht mehr zur Verfügung stehen, warum Öffnungszeiten eingeschränkt werden müssen. „Wenn Kinder und Jugendliche solche Situation erleben, dann verändert das ihren Blick auf die Politik und auf die Erwachsenen“, erklärt Stelzer. „Und diese Veränderungen sind nicht gerade positiv.“

Die Vereine und Verbände erhalten Fördermittel der Stadt, damit sie Jugendclubs öffnen und Bildungs-, Freizeit- und Ferienangebote für Kinder und Jugendliche organisieren. Die offene Kinder- und Jugendarbeit wie auch die Jugendverbände bieten Freiräume, in denen junge Menschen eigenverantwortlich agieren können, Verantwortung übernehmen, sich gesellschaftlich engagieren. Sie bieten ihnen vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung und Mitbestimmung.

Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit betreffen nach Angaben des KJR LSA nicht nur die Stadt Magdeburg. Auch in den beiden anderen kreisfreien Städten Sachsen-Anhalts werde der Rotstift angesetzt. „Die Situation in Halle hat sich bereits Ende letzten Jahres zu Lasten der Kinder- und Jugendarbeit sehr zugespitzt“, berichtet Stelzer. „Und auch aus Dessau-Rosslau gibt es Signale, dass eingespart werden soll.“ Der KJR LSA sieht daher neben den Kommunen auch das Land in der Pflicht, die Kommunen finanziell besser auszustatten, damit diese die Kinder- und Jugendarbeit angemessen ausstatten kann. „Eine Stadt muss genug finanziellen Spielraum haben, um ihrer bundesgesetzlichen Pflicht nachkommen zu können und Kinder- und Jugendarbeit zu fördern“, ergänzt Stelzer.

Statt Regelangebote zu schaffen, werde Kinder- und Jugendarbeit zudem immer regelmäßiger erst dann gefördert, wenn Kinder und Jugendliche ‚negativ’ auffielen. „Die Kinder- und Jugendarbeit ist jedoch keine Feuerwehr für die Stadt, die an falscher Stelle sparen will – Kinder- und Jugendarbeit ist für alle da und muss daher auch für alle Kinder und Jugendlichen offene und kontinuierliche Angebote machen können“, ärgert sich Stelzer. Die Verantwortlichen der Jugendverbände und anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit leisteten eine wertvolle und hochqualifizierte Arbeit. Dafür müssten aber zum einen die Strukturen verlässlich finanziert und zum anderen die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen angemessen entlohnt werden. Der KJR LSA setzt sich zudem zusammen mit dem Deutschen Bundesjugendring für eine Konkretisierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ein. „Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche darunter leiden, dass Kinder- und Jugendarbeit überall fälschlicher Weise als freiwillige Leistung angesehen wird“, erläutert Stelzer diese Initiative. „Kinder und Jugendliche haben mehr verdient als Politik nach Kassenlage!“

Quelle: Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V.

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