Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Kinder- und Jugendarbeit im Zeitalter der Digitalisierung – eine Bestandsaufnahme

Das Auge eines Cyborg
Bild: thehorriblejoke / pixabay.com

Medien durchdringen unseren Alltag. Doch was bedeutet das für die Kinder- und Jugendarbeit? Was kann und soll sie im Zeitalter der Digitalisierung leisten? Dieser Frage ging Prof. Dr. Angela Tillmann auf dem Bundesweiten Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit 2016 in Dortmund nach. Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe berichtet von dem Fachvortrag.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Pizza mit Schinken bestellen. Sie rufen den Lieferdienst an und der kennt ihre Gesundheitsdaten – hoher Blutdruck, schlechte Cholesterinwerte. Auf Grund der Daten, die über Sie vorliegen, müssen Sie einen höheren Preis als üblich für Ihre Pizza zahlen. „Wir empfehlen Ihnen, lieber die Pizza Tofu-Broccoli zu nehmen“, rät der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung…

Diese „Utopie“ aus einer Fernsehreportage von 2003 verdeutlich ein allzu reales Phänomen unserer heutigen Zeit: Medien durchdringen alle Bereiche unserer Welt; die „Datafizierung“ schreitet stetig voran. Es werden immer mehr Daten gesammelt und miteinander verknüpft. Algorithmen sind lernende Mechanismen, die riesige Datenmengen verarbeiten und zu automatisierten Entscheidungen führen.

Mitten drin im Spannungsfeld aus Interaktivität, Kommunikation, Teilhabe und Überwachung: Kinder und Jugendliche. Und damit auch die Kinder- und Jugendarbeit. Neue Bildungsräume entstehen, aber auch neue Herausforderungen. Neue Freiräume entstehen, aber auch neue Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche zu vermessen und zu kontrollieren. Jugendliche werden zu Produzenten eigener Inhalte, aber auch zu „Konsumenten“ von Online-Werbung, Hate-Speech und Cybermobbing.

Jugendarbeit in der Pflicht

Eigenverantwortlichkeit und Konfliktfähigkeit im Umgang mit Medien zu fördern – dies ist die zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit. Hierzu müssten die Fachkräfte aber unbedingt zunächst ihr eigenes Medienverhalten reflektieren, betont Prof. Dr. Angela Tillmann vom Institut für Medienforschung und Medienpädagogik an der TH Köln.

Die Anforderungen an alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, gingen jedoch über die Medienkompetenzförderung hinaus. „Medienbildung ist heute immer auch eng mit politischer Bildung verknüpf - ist politische Medienbildung“, erklärt Prof. Dr. Tillmann. Teilhabe sei heute digitale Teilhabe, die Teilnahmebedingungen bestimmt aber aktuell  vor allem die Wirtschaft, daher müsse die Kinder- und Jugendarbeit auch für das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, Privacy by Design und Urheberschutz streiten.

Kinder- und Jugendarbeit bietet Bildungsgelegenheiten

Neben der politischen Medienbildung sieht Prof. Dr. Tillmann noch zwei weitere Erfordernisse an die Kinder- und Jugendarbeit: Zum einen eine medienreflexive Professionalisierung der Fachkräfte. Jugendarbeiter sollten ihre eigene Praxis einschätzen können und Qualitätskriterien entwickeln. Beim Einsatz von digitalen Medien in der Praxis sei wichtig „über Routinen hinauszugehen und alternative Software kennenzulernen und einzusetzen". Zum anderen sprach Tillmann sich für den Auf- und Ausbau lokaler und regionaler Medienbildungsnetzwerke aus.

Sprung in die Praxis

Wie die mediatisierten Welten aussehen, in denen Jugendarbeit stattfindet, konnte der Fachvortrag anschaulich darstellen. Doch der Sprung in die Praxis stellt viele Fachkräfte noch vor praktische Fragen. „Die Jugendarbeit kommt nicht hinterher“ mahnte ein Teilnehmer aus dem Publikum. Wie Medienarbeit methodisch gelingen kann, zeigten weitere Veranstaltungen auf dem Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit. Zum Beispiel das Projektforum „Pfade im Digitalen Raum“ aus dem das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe ebenfalls berichtet: Pfade im Digitalen Raum – Unterstützung für die medienpädagogische Praxis

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