Studienbericht

Jungen aktiver im organisierten Sport

Vier Jugendliche machen mit Freude auf einer Tartanbahn Liegestütze
Bild: © Sergey Novikov - fotolia.com

Die bisher einmalige Studie „ICOACHKIDS+ Sport Participation Trends Report“ hat Daten von mehreren Millionen Jugendlichen aus 29 europäischen Ländern gesammelt und untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen viermal seltener als Jungen im organisierten Sport aktiv sind und dass der höchste Organisationsgrad im Schnitt im Alter von 14 Jahren zu verzeichnen ist.

Die Leeds Beckett University sammelte für die bisher einmalige Studie „ICOACHKIDS+ Sport Participation Trends Report“ Daten mit Unterstützung ihrer Partnerorganisationen - darunter auch die Deutsche Sportjugend - von fast 5,5 Millionen Jugendlichen aus 29 europäischen Ländern und 18 verschiedenen Sportarten.

Bewegung und körperliche Aktivität sowie die sportlichen Fähigkeiten von Kindern sind in den letzten zwei Jahrzehnten weltweit stetig gesunken. Diese Entwicklung wirkt sich negativ auf ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden aus, was in mehreren Studien belegt und bereits durch die dsj berichtet wurde. Darüber hinaus hat die COVID-19-Pandemie, in der die körperliche Aktivität noch stärker abnahm, diese Entwicklung beschleunigt.  

Die Studie ist Teil des Erasmus+ kofinanzierten Projekts „ICoachKids+“, das darauf abzielt, die Beteiligung an Sportangeboten zu erhöhen, den Sportabbruch zu reduzieren und die gesundheitsfördernden Merkmale des Sports hervorzuheben. Das Forschungsteam wurde von Dr. Stacey Emmonds geleitet und umfasste neben ihr Dr. Sergio Lara-Bercial, Prof. Kevin Till und Dr. Dan Weaving von der Carnegie School of Sport. Es ist das erste Mal, dass eine länder- und sportartenübergreifende Studie dieser Art durchgeführt wurde, um die Teilnahmequote im organisierten Jugendsport zu untersuchen.  

Die zentralen Erkenntnisse im Überblick

Die Teilnahmedaten wurden für den Zeitraum 2017-2020 erhoben. Die Analyse der Daten zeigt einige wichtige Erkenntnisse:

  • Insgesamt ist die Sportbeteiligung von männlichen Jugendlichen (80 %) deutlich höher als die von weiblichen (20 %).
  • Dieser Trend hat eine deutliche sportartspezifische Ausprägung. Einige Sportarten wie Fußball (8%) und Ringen (18%) haben eine sehr geringe weibliche Beteiligung, während andere, wie Volleyball (73%) und Tanzsportarten (85%), hauptsächlich von Mädchenbesucht/wahrgenommen werden. 
  • Die Gesamtbeteiligung sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen liegt im Alter zwischen 12 und 14 Jahren am höchsten.   
  • Bei den meisten Sportarten nimmt die Beteiligung bei Jungen zwischen 14 und 18 Jahren signifikant ab.  
  • Die Beteiligung von Mädchen nimmt zwischen 14 und 16 Jahren signifikant ab, steigt aber zwischen 16 und 18 Jahren in einigen Sportarten wieder an.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die weitere Erforschung der Motive der Beteiligung junger Menschen im Sport wichtig ist. Der Verlust von Mitgliedern und sportlich aktiven jungen Menschen im organisierten Sport hat komplexe Ursachen und Motive. Um diese feinkörnigen Details ermitteln zu können, sei es hilfreich, wenn einige Sportverbände bzw. einige Landesregierungen ihre Datenerfassungsprozesse verbessern würden. Bei der Untersuchung war die Datengewinnung sehr herausfordernd und die stark unterschiedlichen Systeme der Datenerfassung und -sammlung machen Fortschritte in diesem Forschungsfeld sehr schwierig. Die Entwicklung von standardisierten Systemen zur Erfassung von Teilnehmer/-innen im organsierten Sport würde die Forschungsarbeit erleichtern und dabei helfen, ein genaueres Bild zu erhalten.  

Darüber hinaus scheinen Teilnahme, Ausstieg und Wiedereinstieg sehr persönlich und kontextspezifisch bzw. individuell zu sein. Die verschiedenen Faktoren und jeweiligen Muster und Kontexte von Menschen, die eine Teilnahme an Sportangeboten beeinflussen, sind noch nahezu unerforscht. Der nächste iCoachKids+- Forschungsbericht, der voraussichtlich 2022 veröffentlicht wird, soll sich dieser Herausforderung stellen.

Weitere Informationen

Der vollständige englische Studienbericht (PDF: 1,9 MB) kann kostenfrei heruntergeladen werden.

Mehr Informationen zu IcoachKids+ e gibt es auf der Webseite der dsj oder auf der Webseite von icoachKids. Bildungsmaterial für Trainer/-innen steht ebenfalls auf der Website von icoachKids kostenlos zur Verfügung: Was brauchen Trainer/-innen zu einem gelingenden Kinder- und Jugendtraining? Was sollten sie beachten und wie werden sie zu wichtigen „Coaches“ der jungen Sportler/-innen? iCoachKids bietet hierfür Antworten!

Weitere Infos bietet die Arbeitshilfe für Trainer/-innen zur Persönlichkeits- und Teamentwicklung im Sport der dsj.

Quelle: Deutsche Sportjugend im DOSB (dsj) vom 17.06.2021

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