Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Jugendliche aus der EU übergeben Deklaration "Junges Europa – Demokratie neu denken" in Berlin

.lorian Lackner, Dr. Michael Schneider, Isabella Schöchl , Mira Wilhem, Arne Lietz, Caren Marks, Isanne Yard, Hans-Georg Wicke, Rebecca Mikova und Tobias Köck (v.l.n.r.)
Bild: Foto: Gerolf Mosemann Florian Lackner, Dr. Michael Schneider, Isabella Schöchl , Mira Wilhem, Arne Lietz, Caren Marks, Isanne Yard, Hans-Georg Wicke, Rebecca Mikova und Tobias Köck (v.l.n.r.)

Die Übergabe der Deklaration "Junges Europa – Demokratie neu denken" an verschiedene politische EntscheidungsträgerInnen am 06. November 2014 in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin stellte einen erfolgreichen Abschluss des gleichnamigen Projektes dar.

Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs in Europa, organisierte GOEUROPE.lkj) das Projekt mit Organisationen aus allen 28 Mitgliedsstaaten der EU, um mit Jugendlichen die gegenwärtige Demokratie unter die Lupe zu nehmen und Ideen für ein besseres Europa zu formulieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Michael Schneider, Leiter der Landesvertretung und Staatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt. Stellvertretend für die Bundesjugendministerin Frau Schwesig, begrüßte die parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks die Gäste und bedankte sich bei den jungen Europäerinnen und Europäern für ihre Mitwirkung am Projekt. Das Bundesministerium wird die Deklaration am 12. Dezember 2014 dem EU-Jugendministerrat in Brüssel vorstellen, um die Ideen der Jugendlichen in der EU weiter bekannt zu machen und die Ideen als Anregungen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in der EU zu nutzen.

Die Deklaration

Die Deklaration umfasst 9 Kapitel mit jeweils einer Problembeschreibung und Lösungsvorschlägen.

  • Transparenz
  • Gleichberechtigung
  • Bildung & Partizipation
  • EU Strukturen
  • Mobilität
  • Wahlsysteme
  • Inklusion
  • Integration
  • Medien

Für die jungen Europäerinnen und Europäer stellt der wachsende Vertrauensverlust in das politische System die größte Herausforderung für die Demokratie in der EU dar. Die mangelnde Transparenz begünstigt Korruption und verhindert die gleichranginge Berücksichtigung von Interessen. Trotz der sichtbaren Erfolge der Europäischen Integration gibt es immer noch gesellschaftliche Gruppen, die ungleich behandelt werden. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie Nicht-EU-BürgerInnen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, muss weiter gefördert werden, um das demokratische Leben in der EU zu stärken.

Rückmeldung der Gäste aus Politik und Zivilgesellschaft

Dr. Schneider sieht vor allem die Stärkung der Regionen in Europa als große Chance, die Situation in der EU zu verbessern. Die interregionalen Kooperationen unterstützen nicht nur die Demokratisierung, sondern ermöglichen zusätzlich die grenzüberschreitende Mobilität junger Menschen in Europa.

Caren Marks betont, dass sie dem EU-Jugendministerrat die komplette Deklaration und demnach alle Themen vorstellen wird. Die Partizipation junger Menschen nimmt eine besondere Stellung ein, um die Demokratie weiterzuentwickeln und insbesondere dem Rechtsruck in Europa entgegenzuwirken.

Arne Lietz ist Mitglied des Europäischen Parlaments und stimmt der Feststellung zu, dass viele Menschen und Gruppen in der EU immer noch ungleich behandelt werden. Hier besteht für ihn weiterhin großer Handlungsbedarf. Insbesondere in Deutschland muss noch viel getan werden, um Frauen bessere Chancen auf Führungspositionen zu ermöglichen. Er verspricht: "Ich werde die Deklaration die nächsten fünf Jahre mitnehmen und mich für die Umsetzung einsetzen."

Tobias Köck, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings, ist erfreut darüber, dass die Integration von Nicht-EU-BürgerInnen Teil der Deklaration ist. In seinem Verband wird die Öffnung der Außengrenzen der EU gerade intensiv diskutiert und wird vorerst aktuell bleiben.

Hans-Georg Wicke, Leiter von JUGEND für Europa, sieht als kontinuierliche Herausforderung die Einbeziehung von jungen Menschen mit geringeren Chancen in internationale Projekte. Gemeinsam mit vielfältigen Trägern soll auch in Zukunft daran gearbeitet werden, neue Akteure für das Projekt Europa und die grenzüberschreitende Mobilität zu begeistern.

Die Deklaration ist das Ergebnis eines mehrteiligen Prozesses, an dem sich junge Menschen aus der EU aktiv beteiligt haben.

Europäisches Jugendevent

Vom 27. bis 30. September 2014 sind 120 junge Menschen aus den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam mit dem Zug von Berlin über Wien nach Prag gefahren und haben sich in verschiedenen Workshops, Zeitzeugengesprächen sowie Stadt-Rallyes über die Demokratie in Europa ausgetauscht. Am 01. Oktober 2014 wurden die Ergebnisse der einzigartigen Zugfahrt in der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland in Berlin präsentiert.

Online-Abstimmung

Die ca. 200 Ideen der Teilnehmenden der Zugfahrt wurden zu 50 Statements zusammengefasst und standen für 5 Tage auf der Internetseite zur Abstimmung. Über 1.800 Stimmen wurden abgegeben und wählten „Gleiche Rechte für Männer und Frauen“ (Platz 1), „Mehr Anerkennung und Wissen über nicht-formale Bildung in Europa“ (Platz 2) und „Mitglieder des Europäischen Parlaments sollten mehr unabhängig sein“ auf Platz 3. Auf Platz 50 landete überraschenderweise die Forderung, das Wahlalter auf allen Ebenen auf 16 Jahre herabzusetzen.

Deklaration in Lutherstadt Wittenberg erarbeitet

Vom 03. bis 06. November 2014 tagten im Colleg in Lutherstadt Wittenberg 30 junge Menschen aus 22 europäischen Ländern, um sich mit den Ergebnissen des Jugendevents und der Online-Abstimmung auseinanderzusetzen und daraus eine gemeinsame Deklaration zu formulieren. Einige der Teilnehmenden nahmen ebenfalls an einer Gesprächsrunde mit Norbert Bischoff, dem Minister für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, am 05. November in Magdeburg teil.

Weiterführende Links

Das Projekt „Junges Europa – Demokratie neu denken“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie JUGEND für Europa, Nationale Agentur Erasmus+ Jugend in Aktion.

Quelle: Daniel Adler, GOEUROPE.lkj) vom 11.11.2014