Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Jugendinformation – Standortbestimmung 2020 des Netzwerk der Süddeutschen Jugendinformationszentren

Zwei Jugendliche sitzen in einem Park mit Skateboard und schauen auf ein Smartphone
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Die Entstehung und Entwicklung der Jugendinformation (JI) hängt eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. Jugendinformationsdienste haben sich unterschiedliche entwickelt und für eine notwendige Weiterentwicklung der Jugendinformation sowie einem überregionalen fachlichen Austausch und Diskurs, sind entsprechende Ressourcen für Netzwerkarbeit unabdingbar. Auf ihrer letzten Fortbildung im Institut für Jugendarbeit in Gauting hat die Jugendinformation Süd eine aktuelle Standortbestimmung erarbeitet, die sich als Fortsetzung bisheriger Positionspapiere versteht. Sie gibt einen Überblick zu Bedarfen, gesellschaftlichen Aufgaben, Zielgruppen und Adressaten sowie über die Angebotsformate der Jugendinformation.

Die Entstehung und Entwicklung der Jugendinformation (JI) hängt eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. Ende der 1960er Jahre wurden Jugendliche vor allem wegen ausufernder Konflikte mit der Elterngeneration als eigenständige Zielgruppe „entdeckt“. Das große Bedürfnis nach niederschwelliger und unabhängiger Information, sowohl von Seiten der jungen Leute als auch der Erwachsenen (Eltern, Lehrkräfte, Multiplikatoren), mündete im Dezember 1967 in der Einrichtung des ersten Jugendinformationszentrums (JIZ) in München – weitere deutsche Kommunen folgten in den 1970er Jahren diesem Beispiel. Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie die Globalisierung mit ihren zunehmenden Zwängen und Möglichkeiten an Mobilität, das Zusammenwachsen von Ost und West, aber auch die Entstehung des Internets und die gestiegenen Erfordernisse an Medienkompetenz erfordern im Bereich der JI große Anpassungsleistungen hinsichtlich der Angebote und thematischen Schwerpunkte.

Regional unterschiedliche Entwicklung von Jugendinformation

In Deutschland existiert – im Unterschied zu anderen europäischen Ländern – keine zentrale oder einheitliche Konzeption von Jugendinformation, die einen trägerübergreifenden Anspruch aufweisen könnte. Sie hat sich demnach regional, dem Bedarf entsprechend und vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen regional unterschiedlich entwickelt. 

Die konzeptionelle Zusammenarbeit der Einrichtungen war in den Jahren einem Wandel unterworfen. Von 1995 bis 2008 wurde das bundesweite, fachliche Miteinander der Einrichtungen über eine Koordinierungsstelle gewährleistet. Zunächst in Trägerschaft des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) später dann bei IJAB  Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. angesiedelt.

Selbstverständnis der Jugendinformation

Das Selbstverständnis lässt sich anhand der aktuell bestehenden Einrichtungen wie folgt zusammenfassen:

  • Jugendinformation versteht sich als Angebot der Jugendhilfe und dient dem Informations- und Beratungsbedürfnis junger Menschen, basierend auf den §§ 1, 3, 5, 9, 11 und 14 SGB VIII.
  • Grundsätze der Jugendinformation sind:
    • Kostenfreiheit und Niedrigschwelligkeit 
    • Vertraulichkeit, auf Wunsch Anonymität
    • Aktuelle und geprüfte Informationen
    • Unabhängigkeit 
    • Individuell
  • Themen von Jugendinformation sind u.a.:
    • Übergang von Schule und Beruf
    • Auslandsaufenthalte
    • Verselbstständigung
    • Politische Bildung
    • Rechte von Kindern und Jugendlichen
    • Medienkompetenz
    • Freizeitgestaltung 

Zur Aktualität der Jugendinformation

1. Bedarf 

Mit der flächendeckenden Ausbreitung des WorldWideWeb Anfang der 2000er Jahre und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten dezentraler Informationsbeschaffung rund um die Uhr, wurde mancherorts die Sinnhaftigkeit eines (möglichst) zentralen Informationsdienstes in Frage gestellt. Es wurden auch Stimmen laut, die im Zeitalter von Online-Suchmaschinen die Notwendigkeit von pädagogischem Personal zwecks Auswahl, Bewertung und Aufbereitung von Informationen (zumindest) anzweifelten.

Das qualifizierte Bereitstellen von Informationen ist weiterhin Basis und wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit, aber darüber hinaus übernehmen die Jugendinformationsdienste in ihren Kommunen eine wichtige Orientierungshilfe für junge Leute, deren Eltern und vermehrt auch für Fachkräfte. Mittels ausführlicher Einzelgespräche auf unterschiedlichsten (auch digitalen) Kanälen und durch Workshops für Gruppen und Schulklassen werden die genannten Zielgruppen unterstützt und befähigt sich in der modernen Informationsgesellschaft zurecht zu finden. 

Das Arbeitsfeld Jugendinformation hat sich durch die Digitalisierung stark gewandelt und weiterentwickelt und übernimmt dort, wo es verortet ist, eine wichtige Lotsenfunktion – vom Informieren hin zur Beratung und zum „Coaching“.  

2. Gesellschaftliche Aufgaben von Jugendinformation

Eine der zentralen Aufgaben von Jugendinformation ist die Unterstützung bzw. Befähigung junger Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe. Die Vermittlung und Stärkung derInformationskompetenz stellt hier ein wesentliches Element dar. Informationskompetenz beinhaltet u.a. Medienkompetenz sowie die Fähigkeit, mit jeder Art von Information selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen (§§ 5, 11 SGB VIII).

Dieses politische Verständnis von Jugendinformation ist eine Grundlage für Demokratieerziehung und Beteiligung und somit unabdingbar für die Herausbildung selbst- und verantwortungsbewusster Erwachsener. Um Jugendliche auf diesem Weg zu fördern, ist die Jugendinformation Teil des politischen Meinungsbildungsprozesses und stößt auch politische Prozesse an. Dazu gehört auch, sich bei jugendrelevanten Themen politisch einzumischen, Jugendlichen Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen, sich an politischen Aktionen zu beteiligen und sie zu befähigen, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen.

Jugendinformation bietet allen Jugendlichen gleiche Teilhabe-Chancen an Lern- und Bildungsmöglichkeiten und stärkt aus diesem Grund den inklusiven Gedanken.

Ein sicherer Umgang mit Informationen führt unweigerlich zu einer persönlichen Handlungssicherheit und folgerichtig auch zu einer Steigerung der individuellen Lebensqualität. 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Jugendliche einen hohen Informationsbedarf haben und die Dienste der Jugendinformation einen wichtigen Beitrag zur Orientierung und Verselbstständigung des individuellen Lebensentwurfes leisten. 

3. Zielgruppen und Adressaten

Zielgruppen der Jugendinformation sind Jugendliche und junge Erwachsene entsprechend dem SGB VIII mit besonderem Fokus auf Jugendliche in Übergangsprozessen

Eltern sowie haupt- und ehrenamtlich tätige pädagogische Fachkräfte haben als Zielgruppen, im Vergleich zu früher, deutlich an Bedeutung gewonnen. Einerseits fungieren sie als wichtige Bindeglieder zur Zielgruppe und tragen die Angebote als (vertraute und vertrauenswürdige) Multiplikator/-innen zu den Jugendlichen weiter, andererseits suchen sie selbst nach Orientierung und Know-how, um bei den technischen Entwicklungen (z.B. Smartphones, Apps usw.), aber auch Lifestyle- und Online-Trends in Sozialen Medien mit ihren Kindern bzw. Schüler/-innen „Schritt zu halten“. Diese Erweiterung stellt eine wesentliche Veränderung zu den ursprünglich formulierten Aufgaben der Jugendinformation dar.

Zielgruppen können z.B. Schüler/-innen, Auszubildende und Studierende sein, aber auch Jugendliche in besonderen Lebenssituationen. Gruppenangebote der Jugendinformation können sich an Schulklassen, Vereine und Verbände, außerdem auch an weitere Interessensgemeinschaften wenden.

Im fachlichen Austausch und in der Multiplikation der Jugendinformationsangebote spielen kollegiale, kommunale und (über)regionale Dialogpartnerschaften eine wesentliche Rolle. (Hoch-)Schulen, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Agentur für Arbeit, Wohlfahrtsverbände, andere Beratungsstellen und weitere Bildungsträger sind mögliche Dialogpartner. Der Dialog innerhalb des fachlichen Netzwerkes sichert die inhaltliche Weiterentwicklung von Jugendinformation.

Relevante Entscheidungsträgerschaften werden informiert. Diese sind u.a. Politiker/-innen, Vorstandschaften oder Stiftungen und anderer Förderer. Damit wird die Öffentlichkeit hinsichtlich jugendrelevanter und jugendpolitischer Fragestellungen informiert und sensibilisiert. 

4. Angebotsformate 

Die Angebotsformate der Jugendinformation lassen sich in folgende drei Bereiche gliedern:

  • Zielgruppengerechte (aufbereitete) Informationen
  • Info & Beratung
  • Veranstaltungen 
4.1 Zielgruppengerechte (aufbereitete) Informationen

Informationen werden den Zielgruppen auf vielfältigen Wegen zur Verfügung gestellt. Aktuelles und jugendrelevantes Informationsmaterial wird in den Einrichtungen der Jugendinformation kostenlos angeboten. Diese Informationen werden selbst recherchiert, ausgewählt und zielgruppengerecht aufbereitet oder durch externe Anbieter ergänzt. 

Alle Jugendinformationsdienste bieten ihre Materialien auch in digitaler Form an. Neben textbasierten Inhalten auf eigenen Webseiten erfolgte in den letzten Jahren, als methodische Weiterentwicklung, die Erweiterung auf Social Media Kanäle. Die Zielgruppe kann so auch via Blog, Podcast und Video informiert werden. 

4.2 Info & Beratung

Im Bereich Info & Beratung von Anfragenden wird unterschieden zwischen Kurz-Informations-auskunft, die „ad hoc“ erfolgen kann, und Beratung, die länger und intensiver und teilweise mit vorheriger Terminvergabe erfolgt. Bei schriftlichen Anfragen wird zeitnah geantwortet. Darüber hinaus werden die Ratsuchenden – im Sinne einer Erstanlaufstelle – bei der Klärung ihrer Fragen oder Problemlage unterstützt und nach Bedarf an interne oder externe Beratungsangebote weitervermittelt. Hiermit erfüllt die Jugendinformation eine zentrale Aufgabe des §5 SGB VIII im Sinne des Rechts, zwischen Einrichtungen und Diensten zu wählen.

Zu ausgewählten Themen (z.B. Schulden, Ausland, Recht) werden ad hoc oder mit Terminvereinbarung und zum Teil mit Unterstützung von externen Fachleuten individuelle Beratungsgespräche angeboten. In geeigneten Themenfeldern werden Jugendliche als Peer-to-Peer-Berater/-innen geschult und eingesetzt. Neben den klassischen Kontaktwegen werden zeitgemäße Kommunikationskanäle (z.B. WhatsApp oder Skype) für Informations- und Beratungsgespräche genutzt. 

4.3 Veranstaltungen

Veranstaltungen stellen ein zentrales Format der Jugendinformationsdienste dar und setzen entsprechende Räumlichkeiten voraus.

Sowohl für die Kernzielgruppe Jugendliche als auch für Eltern und pädagogische Fachkräfte können folgende Veranstaltungstypen inhouse oder vor Ort angeboten werden:

  • Workshops
  • Fortbildungen und Vorträge 
  • Stadtrallyes und -rundgänge
  • Infostände und Messen
  • Infoabende
  • Filmabend mit Gespräch 

Netzwerkarbeit ist unverzichtbar

Über 50 Jahre Jugendinformation flankieren gesellschaftlichen Wandel und Veränderungen in den diversen Lebenswelten von Jugendlichen. Jugendinformationsdienste stellen sich diesen Anforderungen und Bedürfnissen, fachlich kompetent und innovativ. Zur Sicherung dieser hohen Qualität ist eine Netzwerkkoordination unerlässlich, anzustreben über eine Dachorganisation der Jugendarbeit. Die weitere Etablierung von regionalen, landes- und bundesweiten Netzwerken in diesem Arbeitsbereich ist dabei unverzichtbar.

Ein regelmäßig stattfindender und überregional organisierter fachlicher und koordinierter Diskurs ist von hoher Relevanz, um auch zukünftig diesen wichtigen Beitrag der Verselbstständigung und demokratischen Meinungsbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu gewährleisten.

Die notwendige Weiterentwicklung hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklungen und der fachliche Austausch der JI-Angebote kann nur durch eine (hauptamtliche) Koordination dieser Prozesse sichergestellt werden, für die entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden müssen

Verfasser/-innen: Das Netzwerk der Süddeutschen Jugendinformationszentren

  • aha – Tipps & Infos für junge Leute, Ravensburg 
  • Café ABdate Jugendinformationsstelle, Aschaffenburg
  • JIZ–Jugendinformationszentrum, München 
  • Jugendagentur, Stuttgart
  • Jugend Information, Nürnberg
  • Mobile Beratung, Flörsheim
  • tip – Jugendinformation, Augsburg 
  • Institut für Jugendarbeit, Gauting

Das Institut für Jugendarbeit ist die landeszentrale Fortbildungseinrichtung des Bayerischen Jugendrings, der Arbeitsgemeinschaft demokratischer Jugendorganisationen mit dem Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts.

Quelle: Institut für Jugendarbeit Gauting