Katholische Landjugendbewegung Bayern

Jugendbeteiligung muss in jeder kleinen Gemeinde Pflichtaufgabe werden

Viele Hände mit unterschiedlichen Haltungen zeigen nach oben.
Bild: © sebra - fotolia.com

Bei einer Landtagsanhöring im Bayerischen Landtag konnte die Katholische Landjugendbewegung Bayern ihren Standpunkt und die Ergebnisse ihres Projekts „Stadt.Land.Wo?" zu mehr Jugendbeteiligung einbringen.

„Die Jugend hat es verdient, gehört zu werden!“

Zur Landtagsanhörung zum „Stand der Jugendbeteiligung“ erklärt der KLJB-Landesvorsitzende Franz Wacker (21) aus Laberweinting, Landkreis Straubing-Bogen:

„Die Anhörung der Expert/-innen hat deutlich gezeigt, dass die Staatsregierung jetzt eine Offensive für Jugendbeteiligung starten muss. Die Jugend hat es nicht nur jetzt nach der Coronapandemie verdient, gehört zu werden. Als Landjugend konnten wir in der Anhörung deutlich machen, dass Jugendbeteiligung eine Pflichtaufgabe gerade auch für die kleinen Gemeinden auf dem Land sein muss. Sie müssen jährlich mit professionellen Methoden fragen: Was brauchen die jungen Leute für die Zukunft in unserer Gemeinde? Nur freiwillige Angebote und kleine Projekte reichen uns nicht mehr.“

Die Stellungnahme der KLJB Bayern, die Dr. Heiko Tammena (Referent für Öffentlichkeitsarbeit und politische Arbeit) als Sachverständiger vorstellte, fasst zusammen, was die KLJB bei Jugendbeteiligung an Vorgaben erwartet.

„Unser wichtigstes Ziel: Es darf einfach nicht weiter von der Person der Bürgermeister/-in allein abhängen, ob es ein Angebot für politische Jugendbeteiligung gibt! Die Lösung ist eine klare Pflichtaufgabe in der Bayerischen Gemeindeordnung, besser noch in der Bayerischen Verfassung!“

„Wir fordern eine landesweite Pflicht, regelmäßig zu fragen: Was braucht ihr? Dabei bleibt ganz wichtig, methodisch passend zu arbeiten. Also junge Leute nicht wie ältere Interessengruppen behandeln, auf keinen Fall nur „Show-Termine“ für ein paar Likes zu machen.“

„Es braucht keine landesweite Vorschrift für ein Jugendparlament samt Wahlverfahren und Mustersatzung. Es braucht einen Mix aus Projektarbeit, Freiräumen und lokalen Strukturen. Und es braucht den Nachweis jeder der 2.000 Gemeinden, dass es ein jährliches Angebot und eine Satzung für eine Jugendversammlung, Jugendbefragung und Jugendbeteiligung mit Ergebnissen gibt!“

„Zu einem zentralen Thema nur ein Satz:  Wir verstehen nicht, warum es noch Abgeordnete gibt, die Angst haben, auch 16jährige wählen zu lassen. Wir hören da auch nicht auf, das zu fragen.“

„Zuletzt noch eine wichtige Verbindung, die in unseren Beschlüssen immer da war: Wer Jugendbeteiligung will, muss auch politische Bildung anbieten.“

Franz Wacker fasst die Position der KLJB Bayern zusammen:

„Wir brauchen jetzt beides: Eine klare politische Vorgabe im Gesetz und etwa den Vorgaben für Ländliche Entwicklung ebenso wie Modellprojekte für Jugendbeteiligung besonders auf dem Land, wo Jugendpolitik in vielen Gemeinden noch immer nicht als Aufgabe der Gemeinderäte und Verwaltungen erkannt worden ist. Dabei liegt hier der Schlüssel zur Zukunft, wenn ein gutes Verfahren zur Jugendbeteiligung mit passenden Angeboten vorgeschrieben ist und vom Freistaat auch gefördert wird.“

Ergebnisse der KLJB Bayern nach Projekt „Stadt. Land. Wo?“ Zum Thema „Jugendbeteiligung auf dem Land“ kann die KLJB Bayern auf aktuelle Ergebnisse aus ihrem Forschungsprojekt „Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt.“ verweisen. Die Studie ist 2020 erschienen, mit 600 Befragten von 14-27 Jahren in 15 Kommunen in Niederbayern und der Oberpfalz. Sie ist auch mit der Ergänzung vieler Expert/-innengespräche eine sehr gute Grundlage für politisches Handeln.

Kurz zusammen gefasste Ergebnisse zur Studie „Stadt. Land. Wo?“:

  • Junge Leute in Bayern wohnen sehr gerne auf dem Land;
  • sind geradezu begeistert vom sozialen Zusammenhalt und der Nähe zur Natur;
  • je ferner der Stadt, desto mehr grenzen sie sich ab, eine „Angleichung“ findet sich nicht;
  • junge Leute sind in vielerlei Form sozial engagiert und halten das Dorf zusammen (gerade in der Coronakrise übernehmen sie sehr viel soziale Verantwortung);
  • bekannte politische Kritikpunkte sind die Themen Mobilität und schnelles Internet;
  • weniger bekannt und diskutiert ist aber die fehlende politische Jugendbeteiligung.

Mehr Informationen zur Studie „Stadt.Land.Wo?" finden sich auf den Seiten der KLJB.

Quelle: Katholische Landjugendbewegung Bayern vom 06.05.2021

Info-Pool