Kinder- und Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit

Jugendarbeit im sächsischen Riesa wehrt sich gegen Rechtsextremismus

Die rechtsextreme NPD ist in Riesa fest verankert. Zwei Vertreter stellt sie im Stadtrat, in einigen Stimmbezirken erreicht sie einen Anteil von 15 % der Wählerstimmen. Rechte Straßenkämpfer fehlen jedoch weitgehend im Stadtbild.

Die Fassade der Rechtsextremen ist bürgerlich. Nachbarschaftliche Strukturen werden gezielt unterwandert. Dazu gehört auch die Kinder- und Jugendarbeit. Doch anders als in manchen anderen Gemeinden wehrt man sich in Riesa gegen diesen schleichenden Prozess. Als die NPD kürzlich neue Fördervergaben für Riesa forderte, um zwischen "deutscher und antideutscher Jugendarbeit" zu unterscheiden, solidarisierten sich die Träger der örtlichen Jugendarbeit und veröffentlichten den "Riesaer Appell" als Dokument des demokratischen Selbstverständnisses in der Jugendarbeit. Riesas Bürgermeisterin gehört zu den Erstunterzeichnern.

 

Demokratie heißt Hinsehen und Gesicht zeigen!

Jeder Mensch in einer demokratischen Gesellschaft hat das gleiche Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Das Gleichheitsprinzip ist in Deutschland durch Artikel 3 im Grundgesetz fest verankert. Rechtsextreme Ideologien erkennen dieses grundlegende Prinzip nicht an und wollen es gewaltsam außer Kraft setzen. Dies darf die demokratische Mehrheit im Land nicht zulassen!

Seit Ansiedlung der “Deutsche Stimme Verlags GmbH” zusammen mit dem Versandhandel „Pühses Liste“ im Jahr 2000 in Riesa ist eine steigende Präsenz rechtsextremer Ideologen und Funktionaäre, darunter Abgeordnete und MitarbeiterInnen der NPD-Landtagsfraktion in unserer Region zu verzeichnen. Die Strategie der Rechtsextremen, von der NPD als „sächsischer Weg“ bezeichnet, ist der Aufbau eines buürgerlichen Images durch das Engagement auch im Bereich der freien Kinder- und Jugendhilfe oder in öffentlichen Ehrenaämtern, wie Schöffentätigkeit oder Elternvertretungen. Wegschauen und die fehlende öffentliche Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen haben zu einer schleichenden Akzeptanz geführt.

Uns erfüllt diese Entwicklung mit großer Sorge. Vielfalt in unserem Gemeinwesen braucht viele Betätigungsräume.

Unsere Kinder- und Jugendeinrichtungen sind Orte der kulturellen Vielfalt, der Integration unterschiedlicher Menschen und der demokratische Auseinandersetzung. Dabei sind die Grundwerte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für uns unumstößlich und Kompass unseres Handelns.

Hass auf Menschen, den die NPD permanent schürt und propagiert, werden wir jetzt und in Zukunft nicht dulden. Die Niedertracht von Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus hat in unseren Einrichtungen keine Chance.

  • Solidarität bedeutet, über Rechtsverpflichtungen hinaus durch praktisches Handeln füreinander einzustehen. Solidarität mit rechtsextremen Gewalttätern schließt sich aus.
  • Toleranz bedeutet nicht nur, andere Denk- und Verhaltensweisen zu dulden. Toleranz endet, wenn in sich geschlossene Wertevorstellungen intolerant gegen den definitorischen Wert des Menschen, also seine Würde gerichtet sind oder diesen in Frage stellen oder in ein Verhältnis der Ungleichwertigkeit setzen.
  • Freiheit ist die Freiheit eines jeden, auch des Andersdenkenden. Für seine Freiheit einzutreten schließt den Verzicht von Eskalation von Gewalt ein.
  • Gleichheit gründet sich in der gleichen Würde aller Menschen.
  • Gerechtigkeit fordert einen Ausgleich in der Verteilung von Arbeit und Einkommen, Eigentum und Macht, aber auch im Zugang zu Bildung, Ausbildung und Kultur.

Im Kontext des Gedankenguts von NPD und ihren SympathisantInnen werden Menschen ausgegrenzt, verachtet, missachtet und auch gewaltsam angegriffen. Das zerstört bewusst ein demokratisches Miteinander.

Dies steht im krassen Gegensatz zu den Werten, für die wir angetreten sind, in unseren Projekten und Einrichtungen zu arbeiten.

Unterstützen Sie durch Ihre Unterschrift unter diesen Appell unser gemeinsames Engagement für ein demokratisches Gemeinwesen.

 


Der Appell soll sich nicht nur auf Riesa beschränken, er kann hier online unterzeichnet werden: http://lap-rg.de/riesaer-appell/

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