Kinder- und Jugendarbeit / Europa

JUGEND in Europa entwirft Szenario für JUGEND IN AKTION im Rahmen von "Bildung Europa" (2014 bis 2020)

Schild mit Aufschrift "The end"
Bild: Billy Alexander   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Die Auflösung eines eigenständigen Jugendprogramms in ein vereinheitlichtes Bildungsprogramm "Bildung Europa", wie es die EU-Kommission vorschlägt, könnte weitreichende Konsequenzen für die internationale Jugendarbeit haben. JUGEND für Europa entwirft ein Szenario und lädt zur Diskussion ein.

Am 29.06.2011 hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (2014 bis 2020) veröffentlicht. Darin stellt sie die Idee eines integrierten Bildungsprogramms "Bildung Europa" vor. In ihm sollen u.a. die bisherigen Programme Lebenslanges Lernen sowie Erasmus Mundus und JUGEND IN AKTION zusammengeführt werden. Die bestehenden Programme sollen aufgelöst und durch drei gemeinsame, über alle originären Programmbereiche hinweggehende Aktionen und Förderbereiche ersetzt werden (siehe News vom 30.06.2011).

Weitreichende Folgen für JUGEND IN AKTION, Jugendpolitik und Jugendarbeit in Europa

Hinter diesem, auf den ersten Blick auf Vereinfachung abzielenden Vorschlag könnten sich weitreichende Folgen verbergen: JUGEND IN AKTION würde nicht im Sinne einer Säule in "Bildung Europa" integriert, sondern ausgewählte Elemente und Formate aus JUGEND IN AKTION würden "Bildung Europa" hinzugefügt und dort fortgeführt werden. Als ganzheitliches Programm würde JUGEND IN AKTION aufgelöst werden.

Sollte es so kommen, hätte dies aber nicht nur Folgen für das Programm, sondern es wären auch weitreichende negative Wirkungen auf die Jugendpolitik und Jugendarbeit in Europa möglich:

  • Die EU-Jugendstrategie könnte ihr zentrales Instrument zur Umsetzung verlieren.
  • Die europäischen Strukturen für den Jugendbereich würden geschwächt und könnten zum Teil überflüssig werden.
  •  Die Entwicklung von Jugendarbeit / Jugendhilfe in Europa könnte ihre spezifische Grundlage verlieren.
  • Die jugendpolitische Zusammenarbeit über die EU hinaus könnte in Frage gestellt werden.
  •  Mehr Elitenförderung, weniger Benachteiligtenförderung wäre eine weitere mögliche Konsequenz.
  • Es besteht die Gefahr, dass "Bildung Europa" am Bedarf und an der Realität von Jugendarbeit / Jugendhilfe vorbei gestaltet wird.
  • Die Themen "Europäischer Bürgersinn" und "Partizipation junger Menschen" würden an den Rand gedrängt.
  •  Das nicht formale und informelle Lernen im Jugendbereich könnte an Bedeutung verlieren.

70%ige Erhöhung des Budgets?

Verlockend erscheint jedoch der Vorschlag der EU-Kommission, das Budget für "Bildung Europa" um rund 70 % zu erhöhen im Vergleich zu den bisherigen Programmen im Bereich allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend.

Die Mitgliedstaaten haben in ihren ersten Reaktionen allerdings bereits harten Widerstand gegen eine allgemeine Erhöhung des EU-Haushaltes angekündigt. Eine Zustimmung ist unwahrscheinlich. Kürzungen würden sicherlich auch im Bereich Bildung und Kultur und hier auf das Programm "Bildung Europa" durchschlagen.  

Zudem: Bis heute hat die EU-Kommission nicht dargestellt, wie sie sich eine Mittelverteilung vorstellt und welche budgetäre Entwicklung sie im Verhältnis zu den bestehenden Programmen (z.B. zu JUGEND IN AKTION) sieht. Unwahrscheinlich ist, dass die EU-Kommission eine gleichmäßige Mittelerhöhung für alle Bereiche vorsehen wird. Wahrscheinlicher ist eher die Option, dass sie prioritäre Bereiche besonders ausstatten will.

Fest steht: Den Aktivitäten in JUGEND IN AKTION wird bisher nur eine untergeordnete Bedeutung beigemessen. Insofern klingt der Vorschlag der Kommission zwar sehr verlockend, er könnte sich aber letztendlich als unrealistisch erweisen und insbesondere für den Jugendbereich sich so nicht ergeben.

Das mögliche Szenario

JUGEND für Europa hat einmal zusammengefasst, welche möglichen Konsequenzen ein solches Superprogramm haben könnte, und hat diese ausführlich erläutert.

Die Agentur erhofft sich dadurch, dass bei der weiteren Diskussion über die nachfolgende Programmgeneration der Blick für die Bedeutung eines eigenständigen ganzheitlichen Jugendprogramms geschärft wird: für die europäische Jugendarbeit / Jugendhilfe, für die jugendpolitische Zusammenarbeit in der EU sowie für alle jungen Menschen in Europa.

Das Szenario können Sie hier downloaden.

Quelle: JUGEND für Europa vom 08.08.2011

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