Internationale Jugendarbeit

In der Corona-Zeit sind unterschiedliche Lösungsansätze gefragt

Eine Zeichnung zeigt Menschen aus verschiedenen Ländern mit Masken in den Farben ihrer Nationalflaggen.
Bild: United Nations COVID-19 Response - unsplash.com

Die Ergebnisse einer zweiten Befragung von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. zu den Herausforderungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie für die europäische und internationale Jugendarbeit standen im Mittelpunkt eines Online-Forums am 8. Oktober 2020. Knapp 80 Personen nahmen teil.

Viele Träger der internationalen Jugendarbeit sind in den letzten Monaten wegen der Corona-Pandemie mit neuen Formaten kreativ geworden. Die digitalen Medien haben eine Vielzahl an neuen Kommunikationsformen ermöglicht, sowohl innerhalb der eigenen Strukturen als auch mit den ausländischen Partnerorganisationen. Im politischen Raum sind die Erschwernisse durch Corona wahrgenommen und in entsprechenden Hilfspaketen berücksichtigt worden. Um weitere Informationen über diese Entwicklungen zu erhalten, hat IJAB zwischen dem 10. Juli und dem 23. August 2020 eine weitere Umfrage von Trägern internationaler Jugendarbeit und Zentralstellen durchgeführt.

Unterschiedliche finanzielle Situation der Träger

Die Antworten von 141 Trägern internationaler Jugendarbeit und Zentralstellen flossen in die Auswertung ein. Unter den teilnehmenden Trägern kam fast ein Drittel aus dem Sportbereich. Das Gros der Organisationen bewegt sich in einem Rahmen, der zwischen einer und 499 jährlicher Maßnahmen und Angebote umfasst. Neun der befragten Träger bieten über 500 Maßnahmen an. Bezogen auf die Gesamtzahl der Maßnahmen sind es letztere, die das Gros an Aktivitäten anbieten. Über 9.800 Angebote wurden hier genannt. Das am häufigsten genannte Gruppenformat war Jugendbegegnungen. Bezogen auf die Anzahl der Maßnahmen stach aber der individuelle Schüleraustausch heraus.

Die Hälfte der Organisationen gab an, dass sie keine finanziellen Ausfälle hatten. Das sind Träger, die vor allem Mittel aus der öffentlichen Förderung beziehen, wie dem Kinder- und Jugendplan, Landesmittel oder Mittel der Kommunen. Insbesondere Organisationen, die viele Individualmaßnahmen wie Schüler- und Schulaustausch, Au-pair-Aufenthalte oder auch verschiedene Freiwilligendienste anbieten und deren Angebot sich vor allem auf diesen Bereich fokussiert, geben ein höheres finanzielles Risiko an, teilweise bis hin zur existenzbedrohenden Lage.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Unterschiedliche Trägerstrukturen erfordern unterschiedliche Lösungsansätze. Oder wie es der Vorsitzende von IJAB, Rolf Witte, zusammenfasste: „Es kann nicht die große Lösung geben.“ Der Ruf nach Flexibilisierung in der Handhabung von Fördermitteln wurde laut. Ansätze dafür bietet unter anderem das Deutsch-Französische Jugendwerk mit der Anpassung seiner Richtlinien und eigenen Projektaufrufen zur Förderung virtueller Begegnungen.

Stichwort: Formate

Hier wurde in der Diskussion deutlich: Virtuelle oder hybride Formate, letztere als Vermischung von realer und virtueller Begegnung zu betrachten, funktionieren und werden angenommen, können aber laut Meinung eines Teilnehmers „nur Ergänzung sein“. Einen vollwertigen Ersatz können diese Formate nicht bieten, sind aber gegenwärtig Ansätze, die in der Trägerlandschaft verfolgt werden.

Lobbyarbeit mehr denn je gefragt

In ihren Schlussbemerkungen machte die Direktorin von IJAB, Marie-Luise Dreber, deutlich, dass sich IJAB weiterhin für die internationale Jugendarbeit einsetzen wird. Sie wies auf die Jugendkampagne für den internationalen Jugendaustausch hin, die im Frühjahr 2021 anlaufen wird und Jugendliche ermutigt werden soll, ihre Austauschpläne weiter zu verfolgen und anzugehen.

Im November 2020 wird die Aktionswoche #internationalheart stattfinden. Stephanie Bindzus von IJAB lud alle Teilnehmer/-innen des Online-Forums ein, sich zu beteiligen und ihre Forderungen für eine gesicherte Zukunft der internationalen Jugendarbeit in der Politik anzubringen und mit Abgeordneten auf Bundes- und Landesebene zu reden.

Ein parlamentarischer Abend ist ebenfalls für 2021 geplant. Hier sind zusammen mit IJAB die bilateralen Förder- und Fachstellen der internationalen Jugendarbeit beteiligt.

Ergebnisse der Befragung

Die Auswertung der zweiten Befragung (PDF, 624 KB) steht zum Download zur Verfügung.

Die Antworten der Zentralstellen (PDF, 986 KB) wurden gesondert ausgewertet.

Der Artikel „Corona und seine Auswirkungen auf die internationale Jugendarbeit“ wurde von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. am 09.10.2020 erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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