Achtung Icon

Relaunch - Am 19. Mai ist es soweit:

Unter der bekannten Adresse finden Sie unser Angebot als „Portal der Kinder- und Jugendhilfe“ – mit vollständig neuem Look.
Daher erfolgt ab dem 29. April ein Redaktionsstopp. Ab diesem Zeitpunkt können Sie von extern keine Inhalte mehr einpflegen.
Ab dem 19. Mai können Sie alle Angebote wieder wie gewohnt nutzen.

Kinder- und Jugendarbeit

„Heimspiel“ – Neuer Präventionsansatz der Polizei gegen Gewalt im öffentlichen Raum

Jugendlicher Schläger

Die Polizeiliche Kriminalprävention hat ein Medienpaket zur Gewaltprävention für Fachkräfte in der außerschulischen Jugendarbeit entwickelt. Zielgruppe sind junge Menschen, die gewaltgeneigt oder durch Gewalttaten bereits auffällig geworden sind.

Gewaltexzesse in U-Bahnen oder in Fußgängerzonen verunsichern die Bevölkerung in einem erheblichen Maße. Gerade wenn junge Menschen gewalttätig werden, reagiert die Öffentlichkeit mit Bestürzung und Unverständnis. Schnell wird der Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen laut. Auch wird rasch mehr Gewaltprävention gefordert, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Doch wie kann man junge gewaltgeneigte Menschen mit Präventionsbemühungen überhaupt erreichen? Dieser Aufgabe stellt sich die Polizeiliche Kriminalprävention mit einem neuen Präventionsansatz – und dem Medienpaket „Heimspiel“, das am 30. November 2011 in Köln vorgestellt wurde.

Im Filmforum NRW in Köln stellte Lorenz Caffier, Vorsitzender der Innenministerkonferenz 2012 und Minister für Inneres und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern, gemeinsam mit Prof. Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg, das Medienpaket „Heimspiel“ der Öffentlichkeit vor. Dieses steht für ein neues Präventionskonzept, das der Gewalt im öffentlichen Raum begegnen und gewaltgeneigte junge Menschen ansprechen soll.

Die polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes weist zwar im vergangenen Jahr leichte Rückgänge bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung auf, die Fallzahlen bewegen sich aber in einem Zehn-Jahres-Vergleich immer noch auf sehr hohem Niveau. Doch es sind nicht nur die Fallzahlen, die eine Reaktion erfordern.  

Cover Heimspiel„Wenn junge Menschen durch massive Gewaltausbrüche auffällig werden, kann und darf eine Gesellschaft dies nicht tolerieren. Denn solche Vorkommnisse beeinflussen erheblich das Sicherheitsgefühl aller Bürgerinnen und Bürger. Wir alle müssen einen Weg finden, diesem Problem zu begegnen“, sagte Innenminister Lorenz Caffier anlässlich der offiziellen Vorstellung des neuen Medienpakets. „Deswegen begrüßen wir, dass die Polizei die Gewalt und insbesondere auch die Gewalt im öffentlichen Raum in den Fokus ihrer Präventionsmaßnahmen stellt und sich dabei nicht scheut, auch einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen.“

„Heimspiel ist kein typischer Präventionsfilm, denn er ist nicht selbsterklärend. Er kommt ohne den moralisch erhobenen Zeigefinger oder rechtliche Appelle aus. Gerade deshalb ist er aus Sicht der Polizei besonders dazu geeignet, die Zielgruppe der gewaltbereiten jungen Menschen anzusprechen“, sagte Prof. Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Laut bundesweiter Polizeilichen Kriminalstatistik war 2010 jeder zweite Tatverdächtige bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen unter 21 Jahre alt. Deswegen richtet sich der neue Präventionsansatz der Polizei an junge Menschen, die gewaltgeneigt oder durch Gewalttaten bereits auffällig geworden sind.

„Heimspiel“ erzählt die Geschichte des Ethiklehrers Andreas Vossen (gespielt von Wotan Wilke Möhring), der seine Freizeit als Hooligan verbringt. Als ein neuer Schüler sein Doppelleben bedroht, beginnt ein Zweikampf, der den Lehrer in seiner beruflichen wie privaten Welt in die Enge treibt. „Heimspiel“ ist ein Abschlussfilm an der ifs internationalen filmschule Köln und erhielt 2009 den „Preis der deutschen Filmkritik“ als bester deutscher Kurzfilm. Von zentraler Bedeutung für den präventiven Ansatz ist jedoch, dass im Film junge Menschen nicht klischeehaft stigmatisiert werden. Auch Gewalthandlungen werden keiner rechtlichen oder moralischen Wertung unterzogen. Vielmehr müssen sich die jungen Zuschauer in eine ihnen zwar ungewohnte Lebenswelt versetzen, können aber aufgrund der Gewalthandlungen der Hauptperson auch Parallelen zu ihrem eigenen Handeln ziehen.

Medienpaket für Jugendarbeit entwickelt
Das Medienpaket soll nicht an die Zielgruppe selbst ausgegeben werden, sondern in erster Linie Arbeitsmaterial zur Gewaltprävention für Fachkräfte in der außerschulischen Jugendarbeit sein. Denn gerade weil der Film keinerlei Wertung der Handlung vornimmt, ist eine anschließende Nachbesprechung mit der Zielgruppe immens wichtig und notwendig. Ein Filmbegleitheft, entwickelt von einem Medienpädagogen, gibt diesen Fachkräften eine Orientierung für die anschließende Diskussion mit gewaltgeneigten jungen Menschen – mit dem Ziel, einen Prozess des Nachdenkens über Gewalt, Werte und Beziehungen in Gang zu setzen.

„Die Polizei ist sich dessen bewusst, dass ein Film allein keinen jungen Menschen zur Gewaltlosigkeit bekehren kann. Aber dieser Film ist, weil er so ungewöhnlich ist, besonders gut dazu geeignet, mit diesen jungen Menschen ins Gespräch zu kommen über Gewalt. Und das ist das Wichtigste“, sagt Prof. Dr. Hammann. Zudem sollte das Medienpaket nicht als Einzelmaßnahme gesehen werden, sondern als ein Baustein, der viele, bereits vorhandene Gewaltpräventionsprogramme unterstützt oder ergänzt.

Dass der neue Ansatz der Polizei gegen Gewalt funktioniert, hat ein Praxistest Anfang 2011 gezeigt. Demnach provoziert „Heimspiel“ junge, gewaltaffine Menschen zum Gespräch und zum Nachdenken, weil er keine vorformulierten Botschaften enthält. Deswegen fand der Film auch bei den Sozialarbeitern große Akzeptanz, so dass diese den Film auch weiterhin einsetzen wollen.

Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes