Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Hamburger Bildungsbehörde stärkt politische Jugendbildung

Fünf Jugendliche streifen in ihrer Freizeit durch die Stadt
Bild: rawpixel.com

Workshops zur politischen Beteiligung, lokale Diskussionsformen für Jugendliche, eine Demokratie-Messe und ein Plakatwettbewerb – dies sind einige der neuen Angebote der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung. Flankierend zur Offensive zur politischen Jugendbildung wurde die Verteilung der Sachmittel von jährlich 300.000 Euro erheblich umgeschichtet, sodass künftig rund die Hälfte aller Aktivitäten und Sachmittel der politischen Jugendbildung dient.

Zum Start der Offensive zur politischen Bildung Jugendlicher betonte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe: „Unsere Demokratie und unsere Gesellschaft leben von der Teilhabe und vom Mitmachen. Damit müssen und wollen wir früh beginnen. Wir wollen deshalb stärker als bisher auf Jugendliche zugehen, ihnen Politik näher bringen und sie zum Mitmachen anstiften.“ In neuen und in weiterentwickelten Angeboten für Jugendliche sollen Grundlagen der demokratischen Gesellschaft, ihrer Institutionen und politische Willensbildungsprozesse aktiv und jugendaffin vermittelt werden. Jugendliche können auf diese Weise Demokratie praktisch erleben, mitmachen und gestalten. Sie erfahren politische Hintergründe, diskutieren aktuelle Themen und kommen auch mit aktiven Politikerinnen und Politikern ins Gespräch.

Neugier, Interesse und Engagement junger Menschen stärken

Der Bildungssenator ergänzte: „Jugendliche sind politisch und gesellschaftlich interessierter, als viele Erwachsene denken. Sie wollen politisch mitmischen und partizipieren, eigene Standpunkte entwickeln und diskutieren. Doch in unserer nicht einfachen politischen Welt erkennen viele nicht die zahlreichen Möglichkeiten zur Mitwirkung. Oft fehlt auch die richtige Ansprache. Wir wollen Neugier, Interesse und Engagement junger Menschen stärken und deshalb die demokratische Bildung für Jugendliche fördern. Demokratische Bildung ist wichtig für ihre gesellschaftliche Teilhabe und für unsere Demokratie. Menschenwürde, Demokratie, Freiheit und Gleichheit müssen täglich errungen werden gegen religiöse, rassistische und, fremdenfeindliche Ausgrenzung.“

Die Landeszentrale für politische Bildung hat dazu unter der Leitung ihrer Direktorin Dr.  Sabine Bamberger-Stemmann und ihrem neuen stellvertretenden Direktor Dr. Jens Hüttmann ihr Veranstaltungsangebot und ihre Aktivitäten gründlich überarbeitet. Flankierend wurde die Verteilung der Sachmittel in Höhe von jährlich 300.000 Euro zugunsten der politischen Bildung Jugendlicher und junger Erwachsener erheblich umgeschichtet, so dass künftig rund die Hälfte aller Aktivitäten und Sachmittel der politischen Jugendbildung dient.

Mehrere neue Angebote werden in den nächsten Monaten starten

  • In Workshops werden Jugendliche der Klassen 8 bis 13 unter dem Motto „Ich will mitmischen! Jung und politisch in Hamburg“ über die Möglichkeiten der politischen Beteiligung in Hamburg informiert. Jugendliche können dabei auch mit Mitgliedern aus den Jugendverbänden der in der Bürgerschaft vertretenen Parteien diskutieren.
  • Ab 2019 werden möglichst verteilt über die ganze Stadt lokale Diskussionsforen für Jugendliche organisiert werden. Ziel ist es, dass sich Jugendliche gemeinsam mit Partnern vor Ort mit aktuellen Fragen lokaler Politik auseinandersetzen und dabei Zusammenhänge und pluralistische Willensbildungsprozesse erleben und lernen.
  • Zu den neuen Formaten gehört auch der „Junge Bürgerdialog - Europapolitisches Forum“ von Landeszentrale, Senatskanzlei und Infopoint Europa. Ziel der Veranstaltung ist es, rund 120 Schülerinnen und Schülern ein Forum zu bieten, um die aktuellen Chancen und Herausforderungen in Europa zu diskutieren.
  • Für Juni 2019 plant die Landeszentrale eine „Messe#Jugend#Demokratie“ zur Auseinandersetzung mit Fragen der Demokratie, der politischen Bildung und politischen Teilhabe. Hier soll die Vielfalt der politischen Bildung für Jugendliche in Hamburg jugendgerecht und dialogorientiert präsentiert werden. Jugendliche werden schon bei der Planung und Organisation aktiv einbezogen.
  • Zur Einführung des Frauenwahlrechtes 1919 veranstaltet die Landeszentrale den Plakatwettbewerb „Frauen und Mädchen: geht wählen!“ für Jugendliche ab Klasse 9. In den Fächern Deutsch, Politik-Gesellschaft-Wirtschaft (PGW), Geschichte oder Kunst können Jugendliche Wahlplakate herstellen, mit denen sie aus ihrer heutigen Sicht zur ersten freien, gleichen und geheimen Wahl in Deutschland 1919 aufrufen.

Planspiele und jugendgerechte Materialien

Gleichzeitig entwickelt die Landeszentrale jugendaffine Materialien für die politische Bildung und Demokratiebildung. So werden für Schulen und Interessierte handlungsorientierte Planspiele entwickelt wie zum Beispiel die von Prof. Dr. Stefan Rappenglück derzeit erarbeitete Politiksimulation „Vielfältige Nachbarschaft: Jugendliche in Harburg“, „Unterbringung von Geflüchteten in Hamburg-Elbstedt“ oder das Planspiel „Jugend im Bezirk - Mitmachen, Einmischen, Ändern“ entwickelt und angeboten. Jugendliche können auf diese Weise demokratische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse insbesondere auf bezirklicher Ebene kennen lernen und erproben.

Für das Senatsjahr „Hamburg 1918/1919 - Aufbruch in die Demokratie“ wurden in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen „Materialien für politische Bildung und Demokratiebildung“ zu den Revolutionen 1919 in Hamburg und Altona erstellt. Parallel haben die Zeichnerin Isabel Kreitz und der Texter Robert Brack eine jugendaffine Graphic Novel mit dem Titel „Rote Fahne - schwarzer Markt“ entwickelt, die in fortlaufenden Teilen seit April 2018 online erscheint. Am 6. Dezember 2018 veranstalten Landeszentrale und Universität Hamburg zum Thema „Hamburger Politik und Geschichte im Comic“ eine Expertentagung zur Entwicklung weiterer Formate.

Fortbildungsangebote für Lehrkräfte

Flankiert werden die neuen Aktivitäten durch Angebote der Träger der politischen Bildung in Hamburg, beispielsweise den Stiftungen der politischen Parteien, der Gewerkschaften und der Kirchen. Auch das Landesinstitut für Lehrerbildung der Schulbehörde (LI) unterstützt die Offensive mit eigenen Fortbildungsveranstaltungen für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. So stellt das LI in den nächsten Wochen allen weiterführenden Schulen umfangreiche Unterrichtsmaterialien zum Thema „Was geht mich die Geschichte an?“, die in Zusammenarbeit mit der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem entstanden sind und die aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, aber auch mit den aktuellen Themen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung ermöglichen.

Konferenz für digitale Jugendkultur

Senator Rabe selbst diskutierte in Zusammenarbeit mit der SchülerInnenkammer Hamburg auf der zweiten Hamburger Konferenz für digitale Jugendkultur „TINCON 2018“ mit Jugendlichen über politisches Engagement diskutieren. Die TINCON 2018 wird am 19. September auf Kampnagel mit rund 1.500 Schülern als Kooperationsveranstaltung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, der SchülerInnenkammer Hamburg, der ZEIT-Stiftung und TINCON (teenageinternetwork convention) organisiert. Die Landeszentrale für politische Bildung (LZ) und das Jugendinformationszentrum (JIZ) informieren dort ebenfalls über aktuelle und neue Angebote für die politische Bildung.

Quelle: Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung vom 18.09.2018

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