Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

FAQs und Weiterführendes zu Jugendbarcamps

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Bild: © jugend.beteiligen.jetzt

Im vorherigen Beitrag dieser Artikelserie ging es um die Dokumentationsformen und die Nachbereitung eines Jugendbarcamps und dafür geeignete digitale Werkzeuge. In diesem Artikel werden häufig gestellte Fragen zu Barcamps und insbesondere Jugendbarcamps beantwortet. Außerdem finden sich hier nützliche Links, Weiterführendes, Vorlagen sowie Unterstützendes.

Funktioniert das offene Format Barcamp mit Jugendlichen überhaupt? Welche Erfahrungen gibt es da?

Veranstaltungen für und mit Erwachsenen zu digitalen Themen, die als Barcamp organisiert sind, gibt es schon seit einigen Jahren. Für die Arbeit mit Jugendlichen ist das Format, vor allem hinsichtlich des methodischen Vorgehens und der Partizipationsmöglichkeiten, interessant. So finden inzwischen vielerlei Jugendveranstaltungen im Barcamp-Format statt, sowohl im außerschulischen als auch im schulischen Bereich.

Beispiele für bereits exisitierende Jugendbarcamps:

Anfang 2020 werden auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe Audio-Interviews verfügbar sein, in denen Menschen, die bereits (oben genannte) Jugendbarcamps durchgeführt haben, von ihren Erfahrungen berichten

Was passiert, wenn die Jugendlichen keine Sessions vorschlagen?

Diese Befürchtung haben viele und es ist nachvollziehbar, da im Vorfeld eines Jugendbarcamps kein Programm feststeht. Ganz besonders, wenn ein Jugendbarcamp das erste Mal durchgeführt wird und es damit keine Möglichkeit gibt, auf Jugendliche, die das Format kennen, zurückzugreifen, ist die Angst, „dass da nichts kommt“, groß.

Hilfreich sind gute Rahmenbedingungen und eine gute Vorbereitung, z.B. indem

  • Jugendliche vorab gut darüber informiert werden, dass sie sich und ihre Themen einbringen können;
  • Jugendliche in den Planungs- und Organisationsprozess, durch einen Vorbereitungsworkshop oder auch durch festgelegte Workshops zu Beginn des Barcamps eingebunden werden;
  • eine angenehme Atmosphäre geschaffen wird, in der sie sich wohlfühlen und in der sie sich trauen, das zu sagen, was sie denken;
  • eine sogenannte „Newbie-Session“ vor Beginn des Barcamps angeboten wird, in der das Format für alle Neulinge erläutert wird. Eine solche Session ist sinnvoll, wenn die Einführung bei der Begrüßung weggelassen wird, da die meisten Teilnehmenden mit dem Format vertraut sind (vgl. Muuß-Merholz 2019, Barcamps & Co., S.51). Eine Newbie-Session kann auch am Abend vorher als Auftakt durchgeführt werden;
  • zu Beginn die Planung zunächst für zwei Session-Runden gemacht und danach eine neue Planungsrunde stattfindet. Auf diese Weise werden die Jugendlichen langsam an das für sie unbekannte Format herangeführt und haben die Möglichkeit, sich am Anfang „die Sache anzusehen“, um sich langsam zu trauen, selbst etwas anzubieten;  
  • die Joker (Menschen mit einer bestimmten Expertise) Mut machen, eine Session mit ihrer Unterstützung bzw. mit ihnen gemeinsam anzubieten.  

Was passiert, wenn eine Person eine Session vorschlägt und niemand meldet Interesse an?

Das passiert im Allgemeinen sehr selten. Sollte es dennoch vorkommen, kann es für die Person möglicherweise unangenehm sein. Deswegen kann vorgeschlagen werden, in den Pausen für Gespräche zum vorgeschlagenen Thema zur Verfügung zu stehen. Die anderen Teilnehmenden werden dann ermutigt, den direkten Kontakt zu suchen (vgl. Muuß-Merholz 2019, Barcamps & Co., S.139). Wenn allerdings auch nur eine weitere Person Interesse an der Session anmeldet, findet die Session statt und wird in den Sessionplan übertragen.

Was passiert, wenn zu viele Sessions angeboten werden bzw. zu wenig Räume vorhanden sind?

In diesem Fall können neue Räume geöffnet und in der Sessionplanung ergänzt werden. Auch ein Stehtisch oder eine Zimmerecke kann einen Raum darstellen. Außerdem können Sessions auch nach draußen verlegt werden. Um die Raumanzahl im Voraus zu planen, muss sich über drei Aspekte Gedanken gemacht werden: Wie viele Zeitslots können angeboten werden? Von wie vielen Personen werden Session-Vorschläge erwartet (jede/jeder oder jede/jeder fünfte etc.)? Was bedeutet das für die Raumanzahl? Werden diese drei Aspekte in ein Verhältnis gesetzt, können benötigte Räume kalkuliert werden (vgl. Muuß-Merholz 2019, Barcamps & Co., S.64f.).

Beispielrechnung:

Das Jugendbarcamp geht einen Tag lang, 5 Session-Slots sind möglich. Es werden 30 Teilnehmende erwartet. Das Thema stößt auf große Begeisterung, also wird jede/jeder zweite eine Session anbieten wollen. Das bedeutet: 15 Session-Vorschläge : 5 Session-Slots = 3 Räume.

Eine weitere Variante ist, die Sessions zu ähnlichen Themen schon während der Planung  zusammenzulegen. Dies setzt allerdings ein gutes Gespür der Moderation und des Planungsteams voraus, da sich Vorschläge mitunter ähnlich anhören, aber vielleicht ein anderes Ziel verfolgen. Es ist wichtig, beide Session-Geber/-innen zu fragen, ob sie damit einverstanden sind. Oft passiert es auch, dass sich Teilnehmende, die ihre Idee noch nicht vorgestellt, aber einen ähnlichen Vorschlag von anderen schon gehört haben, diesen Sessions anschließen.

Was ist zu tun, wenn in den Sessions etwas gemacht wird, was nichts mit dem Thema zu tun hat?

Grundsätzlich ist es nicht schlimm, wenn vom ursprünglichen Thema der Session abgewichen wird. Im Grunde ist alles, was die Jugendlichen besprechen, Teil ihres Barcamps und ihrer Session. Sie bestimmen, wie die Zeit ausgestaltet wird. Dadurch, dass die Anregung gegeben wird, jede Session zu dokumentieren, wird den Sessions eine gewisse Struktur und Orientierung gegeben, etwas zu machen. Zusätzlich können immer auch Betreuer/ -innen Unterstützung sowie Anregungen geben, die zum Thema zurückführen. Wenn eine Session keinen Gesprächsstoff mehr bietet, wird sie beendet und die Teilnehmenden setzen sich in andere Sessions oder halten sich im Plenum auf und warten auf den nächsten Slot.

Gibt es auch Dinge, die bei einem Jugendbarcamp gar nicht gehen?

Eigentlich nicht. Es gibt zwar Regeln, die befolgt werden sollten, damit das Barcamp reibungslos abläuft, ansonsten spiegelt sich die Offenheit des Formates auch in der Freiheit der Regeln wider. Trotzdem können in der Einführung zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam Do’s and Dont’s für das Barcamp besprochen werden, z.B. dass die Session-Themen im weitesten Sinn etwas mit dem Oberthema des Barcamps zu tun haben sollten, dass die Sessions pünktlich nach 45 Minuten enden oder dass Sessions auch vor Ende verlassen werden dürfen, wenn sie nicht mehr interessant sind. Es gibt keinen Zwang zu bleiben. Außerdem sollte deutlich gemacht werden, dass es okay ist, wenn man nur eine Frage und keinen Input hat. Der respektvolle Umgang miteinander und die Begegnung auf Augenhöhe sind das Wichtigste.

Weiterführende Informationen

Jugendbarcamps – Neue Artikelserie von jugend.beteiligen.jetzt

Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt startet eine Artikelserie rund um das Thema Jugendbarcamp, einem offenen Veranstaltungsformat für und mit Jugendlichen. Im regelmäßigen Rhythmus erscheinen insgesamt acht Beiträge mit allem Wissenswerten, um selbst ein Jugendbarcamp durchführen zu können. Die Artikel werden begleitet von spannenden Interviews mit Einblicken in die Praxis. Menschen, die bereits Jugendbarcamps durchgeführt haben, berichten von ihren Erfahrungen, Erfolgen wie auch von den Do’s and Don’ts der Barcamp-Welt.

Feedback – eine partizipative Broschüre

Zu jedem Artikel gibt es die Möglichkeit, eigene Ideen und Erfahrungen zu teilen und Verbesserungen oder Ergänzungen zu den Artikeln zu geben. Hierfür steht ein Padlet, eine digitale Pinnwand zur Verfügung. Zum Ende der Artikelserie entsteht eine Barcamp-Broschüre, in die die Kommentare und Anregungen einfließen werden.

Quelle: jugend.beteiligen.jetzt Für die Praxis digitaler Partizipation

DE 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

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