Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Fachkonferenz „Jugendaustausch stärken – Radikalisierung verhindern?“ für Europa und den Maghreb

Fünf Jugendliche streifen in ihrer Freizeit durch die Stadt
Bild: rawpixel.com

Wie kann der politischen und religiösen Radikalisierung junger Menschen entgegengewirkt werden? Expert(innn)en aus Politik, Forschung und Jugendarbeit diskutierten bei einer internationalen Konferenz vom 1. bis 4. Dezember darüber, wie junge Menschen durch Jugendarbeit, politische Bildung und interkulturellen Austausch für demokratische Werte und Toleranz sensibilisiert werden können.

Sie haben für mehr politische Mitbestimmung gekämpft und auf bessere berufliche Chancen gehofft – und wurden bitter enttäuscht: junge Menschen in den Maghreb-Staaten, die sich im Arabischen Frühling dagegen gewehrt haben, eine Jugend ohne Zukunft zu sein. Doch die heutige Bilanz ist ernüchternd und viele haben den Glauben an wirtschaftlichen Aufschwung und gesellschaftlichen Umbruch verloren. Gleichzeitig erlebt ganz Europa einen Rechtsruck: Die Angst vor den Folgen von Globalisierung, Digitalisierung und Migration macht nationalistische Ideen salonfähig und Populisten stark. Der Maghreb und Europa teilen eine gemeinsame Herausforderung: Wie können wir der politischen und religiösen Radikalisierung junger Menschen entgegenwirken?

Toleranz durch interkulturellen Austausch

Vor diesem Hintergrund diskutierten Experten aus Politik, Forschung und Jugendarbeit bei der Konferenz „Neue Perspektiven für den internationalen Jugendaustausch II: Rolle der Jugendarbeit bei der Prävention radikalen Verhaltens in Europa und im Maghreb“ in Hamburg darüber, wie junge Menschen durch Jugendarbeit, politische Bildung und interkulturellen Austausch für demokratische Werte und Toleranz sensibilisiert werden können.

Workshops und Debatten zum Thema Radikalisierung

In Workshops und Debatten gingen die Konferenzteilnehmenden aus Marokko, Algerien, Tunesien, Deutschland und Frankreich den Ursachen politischer und religiöser Radikalisierungsformen auf den Grund und tauschten Best Practice Methoden aus. Sie besuchten außerdem Vereine und Organisationen in Hamburg, die sich um Opfer radikalisierter Gewalt kümmern und sich für die Reintegration von Jugendlichen einsetzen. Ein Grußwort zur abschließenden Diskussionen am Montag, 3. Dezember, hieltlt u.a. die Generalsekretärin des DFJW Béatrice Angrand.

Hintergrund

Das diesjährige Treffen setzt die Arbeit fort, die deutsche, französische und maghrebinische Akteure der Jugendarbeit 2016 in Hamburgs Partnerstadt Marseille begonnen haben: Vor zwei Jahren haben sie dort thematische Schwerpunkte und Ziele für ihre Zusammenarbeit festgelegt und seitdem gemeinsame trilaterale Austauschprojekte durchgeführt.

„Das Deutsch-Französische Jugendwerk ist davon überzeugt, dass alle jungen Menschen politisch sowie gesellschaftlich mitbestimmen müssen und können – unabhängig von ihrer sozialen oder geografischen Herkunft. Daher wendet das DFJW jährlich rund 14 Prozent seines Förderhaushaltes für trilaterale Programme auf, bei denen die Jugendlichen in jedem der drei Länder Station machen. Diese Projekte bieten die Chance, nicht nur Sprachkenntnisse, sondern vor allem Toleranz und Offenheit zu stärken sowie ein Bewusstsein für Europa und dessen Nachbarschaft zu schaffen“, erklärte Generalsekretärin Béatrice Angrand. „Darüber hinaus zeigt die Arbeit des DFJW seit über 50 Jahren, dass internationaler Jugendaustausch maßgeblich dazu beiträgt, die länderübergreifende Zusammenarbeit in ehemaligen Konfliktregionen zu vertiefen.“

Quelle: Deutsch-Französisches Jugendwerk vom 27.11.2018

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