Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Evangelische Kirche will Jugend stärken und legt Jugendbericht vor

Durch ein Fernglas schauender Junge steht in einem Feld.
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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will Kinder und Jugendliche stärker beteiligen und diskutiert zentrale Fragen des Aufwachsens junger Menschen. Bei der Synodentagung in Würzburg legte die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) ihren Jugendbericht mit dem Titel #immerandersweiter vor. Ausführlich beriet beriet die Synode auch über Maßnahmen zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt.

Bei der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 11. bis 14. November 2018 in Würzburg wurde „das Gesicht der Kirche der Zukunft deutlich“, sagte die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, in ihrem Bericht des Präsidiums. Gemeinsam wolle sich die Kirche den Antworten auf vielfältige gesellschaftliche Fragen nähern „und die Kirche zukunftsfähig machen“.

Stärkere Beteiligung junger Menschen 

Eine wichtige Aufgabe sei dabei die stärkere Beteiligung junger Menschen. Viele junge Menschen fühlten sich von der Kirche nicht wahrgenommen, anderen sei die Kirche so fremd, dass sie sie gar nicht erst in den Blick nehmen. „Dieser doppelten Herausforderung stellen wir uns und ich freue mich sehr auf die Begegnungen mit jungen Menschen und die Diskussion zum Thema in den nächsten Tagen, so Schwaetzer. Das Schwerpunktthema der Synode steht unter dem biblischen Vers „Ich werde euch wiedersehen, dann wird euer Herz voll Freude sein.“ Am Schwerpunktthema wirken bei der aktuellen Tagung auch rund 60 junge Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren aus Würzburg mit.

Drei weitere Themen hob Schwaetzer besonders hervor:

Umgang mit sexualisierter Gewalt

Schwaetzer kündigte „weitere Schritte zur Verantwortung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche“ an. „Auch wir haben keinen ausreichenden Schutzraum für uns anvertraute Kinder geschaffen“, bedauerte die Präses. „Wir bekennen die Schuld, für die wir als Institution Verantwortung übernehmen.“

Kirche im digitalen Wandel

„Wir wollen unsere Kirche lebendig werden lassen an den Orten, an denen junge Menschen sich aufhalten“, sagte Schwaetzer und kündigte an, dass die Kirche sich auf das in Studien herausgearbeiteten veränderten „Kommunikations- und Informationsverhalten der jungen Generation“ einstellen wolle.

Die kleiner werdende Kirche

In Folge des demografischen Wandels werden die Kirchenmitgliederzahlen und damit die Kirchensteuereinnahmen weiter abnehmen; darauf habe sich die EKD einzustellen. Es gehe um eine neue Prioritätensetzung, bei der sich die Kirche auch „von Altvertrautem verabschieden“ müsse.

Weitere Informationen zur EKD und der Synodentagung: www.ekd.de

#immerandersweiter – Bericht über die Lage der jungen Generation

#immerandersweiter – so überschreibt die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) ihren Bericht über die Lage der jungen Generation und die evangelische Kinder- und Jugendarbeit, den sie der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) während deren 5. Tagung vom 11. bis 14. November 2018 in Würzburg vorlegt. Schon der Berichtstitel signalisiert, dass sich evangelische Kinder- und Jugendarbeit in einer Zeit schneller gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen ebenfalls verändert und verändern muss. Der Bericht beschreibt, wie sich diese Entwicklungen auf die Arbeit mit jungen Menschen auswirken und entfaltet ein Panorama des Aufwachsens junger Menschen im Alter von 6 – 18 Jahren mit ausgewählten Zugängen zu ihren Lebenskontexten in Familie, Freundschaftsgruppen, Schule und zivilgesellschaftliche Organisationen.

Frischen Ausdrucksformen, neue Methoden und zeitgemäße Kommunikationsformen

„Will evangelische Kinder- und Jugendarbeit die junge Generation mit dem Evangelium und den daraus folgenden politischen und pädagogischen Konsequenzen unter gegenwärtigen Bedingungen erreichen, wird sie immer neue Ideen und Konzepte entwickeln, mit frischen Ausdrucksformen, neuen Methoden und zeitgemäßen Kommunikationsformen“, umreißen die Autoren des Jugendberichts, aej-Generalsekretär Mike Corsa und Michael Freitag, aej-Referent für Theologie, Bildung und Jugendsoziologie, die zukünftigen Herausforderungen.

„Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit gestaltet sich immer anders – aber ohne Inhalts- und Substanzverlust. Was die evangelische Kinder- und Jugendarbeit bewegt und ausmacht, bleibt auch weiter ihr Zentrum. Und die vielen Kinder und Jugendlichen, die mitmachen, sich beteiligen und kirchliche Angebote und Räume für ihr Leben brauchen, ermutigen zum Weitermachen“, sind sich Corsa und Freitag sicher.

Zentrale Fragen im Leben junger Menschen 

Der Bericht legt im ersten Kapitel einen Schwerpunkt auf zentrale Fragen, die das Leben junger Menschen bestimmen: Individualisierung und Globalisierung, Migration und Inklusion und natürlich die digitale Transformation der Gesellschaft. Das zweite Kapitel widmet sich der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit als ein eigenständiges, von Kindern und Jugendlichen wesentlich bestimmtes kirchliches Handlungsfeld. Die Autoren beleuchten darin gründlich verschiedene Konzeptionen, Angebote und Praxisfelder. Ein drittes, kurzes und zugespitztes Kapitel konzentriert sich auf Herausforderungen und Perspektiven im Horizont von Kinder- und Jugendarbeit, macht dabei aber deutlich, dass die Kirche auf ihren unterschiedlichen Organisationsebenen eine Verantwortung für evangelische Kinder- und Jugendarbeit hat, damit sie die Herausforderungen annehmen und positiv bewältigen kann.

Kinder- und Jugendarbeit als von jungen Menschen wesentlich bestimmtes Handlungsfeld 

In seiner Rede zur Einbringung des Berichts in die Synode zog aej-Generalsekretär Mike Corsa deshalb auch ein ganz persönliches Fazit: „Die evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist für mich bis heute ein faszinierendes und inspirierendes Begegnungsfeld. Hoch engagierte junge Menschen bringen sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit ein, sprühen vor Ideen und wollen Verantwortung übernehmen, für Schöpfung, Kirche und Demokratie.“

Als aktuelle Standortbestimmung der Evangelischen Jugend richtet sich der Jugendbericht nicht nur an die EKD-Synode, sondern auch an Leserinnen und Leser in der gesamten (evangelischen) Kinder- und Jugendarbeit. Weitere Informationen zum Jugendbereicht #immerandersweiter finden sich bei der aej. 

Hintergrund 

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie tagte vom 11. bis 14. November in Würzburg. Nach der Grundordnung der EKD besteht die 12. Synode aus 120 Mitgliedern. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien. Die EKD ist die Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen. 21,5 Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland gehören zu einer der 13.900 Kirchengemeinden. Weitere Informationen: www.ekd.de

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) ist der Zusammenschluss der Evangelischen Jugend in Deutschland. Als Dachorganisation vertritt die aej die Interessen der Evangelischen Jugend auf Bundesebene gegenüber Bundesministerien, gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen, Fachorganisationen und internationalen Partnern. Die aej vertritt die Interessen von ca. 1,35 Millionen jungen Menschen. Weitere Informationen: www.aej.de

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland vom 11.11.2018 und Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. vom 12.11.2018 

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