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Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Evaluation zur Peer-to-Peer-Kampagne „Dein Spiel. Dein Leben.“ veröffentlicht

Jugendliche auf der Gamescom
Bild: Björn Wieland

Mehr als 100 Jugendliche hatten die Präventionskampagne „Dein Spiel. Dein Leben. – Find your level!“ für Gleichaltrige konzipiert, um sich mit einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit virtuellen Spielwelten auseinanderzusetzen. Jetzt sind die Ergebnisse der Evaluation dieser Peer-to-Peer-Kampagne erschienen, die unter dem Dach von Dialog Internet entwickelt und umgesetzt wurde.

Christian Helbig

Zwischen November 2011 und Mai 2013 setzten das Institut „Spielraum“ der Fachhochschule Köln gemeinsam mit dem Institut für Computerspiel „Spawnpoint“ an der Fachhochschule Erfurt die Kampagne „Dein Spiel. Dein Leben. – Find your level!“ um. Die Kampagne ist das Ergebnis eines Projekts zur Prävention und Sensibilisierung junger Menschen bei der Nutzung virtueller Spielwelten, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wurde und den Handlungsempfehlungen von Dialog Internet nachkam.

In einem Peer-to-Peer-Prozess hatten mehr als 100 Jugendliche gemeinsam mit Medienpädagoginnen und Medienpädagogen die Präventionskampagne konzipiert und engagierten sich bundesweit als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren um Gleichaltrige zu motivieren, sich mit einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit virtuellen Spielwelten auseinanderzusetzen. Gemeinsam entwickelten die Jugendlichen einen bundesweiten Kreativ-Wettbewerb, soziale Gütekriterien für Spielgemeinschaften und den „Reflected Gamer“ für Einzelspielerinnen und -spieler. Damit sollten präventiv problematischen, exzessiven Spielgewohnheiten entgegengewirkt und Lernprozesse unterstützt werden, die dazu beitragen, das Hobby Computer- und Videospielen mit den Anforderungen der realen Welt angemessen auszubalancieren und die Fähigkeiten zur eigenständigen Problemlösung auszubauen.

Die Ziele der Kampagne „Dein Spiel. Dein Leben. – Find your level!“ waren:

  • Sensibilisierung junger Menschen für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit virtuellen Spielwelten
  • Förderung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Spielwelten und anderen Lebensbereichen (Game-Life-Balance)
  • Förderung von Medienkompetenz, insbesondere von Rahmungskompetenz und Selbstregulierungskompetenz: Spielende lernen das virtuelle Geschehen von den Gegebenheiten in der Realität abzugrenzen und ihr Spielverhalten souverän zu steuern.

Weitere Informationen zur Kampagne sowie die Darstellung des Entwicklungsprozesses durch die jugendlichen Gamer sind auf der Internetseite der Kampagne nachzulesen: http://dein-spiel-dein-leben.de

Evaluation der Kampagne

Nach Abschluss von „Dein Spiel. Dein Leben. – Find your level!“ im Mai 2013 wurden die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Kampagne durch das Institut für Medienforschung und Medienpädagogik (IMM) an der Fachhochschule Köln analysiert. Die Evaluation orientiert sich an den selbst formulierten Zielen der Kampagne und darüber hinaus wird ein Bezug zu den Thesen und Handlungsempfehlungen des Dialog Internet hergestellt. Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu erfassen, wurden eine Gruppendiskussion, eine E-Mail-Befragung, eine Analyse von Forenbeiträgen und Experten-Interviews durchgeführt und ausgewertet.

Ergebnisse der Evaluation

Die Evaluation zeigt, dass die Kampagne bei der jugendlichen Zielgruppe eine hohe Glaubwürdigkeit erreicht hat. Bewirkt wurde dies maßgeblich durch die bislang in dieser Form noch nicht erprobte Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen, Spieleindustrie und Spielgemeinschaften, Wissenschaft, Pädagogik und dem Bundesfamilienministerium.

Insbesondere trugen die Offenheit und die unterstützende Rahmung der Initiative seitens der Förderer und der begleitenden Fachkräfte wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung der Kampagne bei. Den jugendlichen Spielerinnen und Spielern wurde die Möglichkeit eröffnet, sich selbstbestimmt, verantwortungsbewusst, kritisch und kreativ mit ihrem Computerspiel auseinander zu setzen und somit über Risiken und Konsequenzen nachzudenken, aber auch die Chancen des Computerspiels für Kommunikation, Bildung und Freizeitgestaltung zu reflektieren. Sie wurden in ihrer Eigenverantwortung gestärkt und in die Lage versetzt, die Möglichkeiten des Netzes für gesellschaftliche und politische Teilhabe zu nutzen. Als Akteure der Förderung von Medienkompetenz konnten die Jugendlichen ihren Beitrag zu einem wirksamen und glaubwürdigen Jugendmedienschutz leisten.

Ebenso konnte die Spieleindustrie für die Risiken, die sich aus ihren Angeboten ergeben, sensibilisiert werden. Spielgemeinschaften haben mit der Etablierung von sozialen Gütekriterien einen eigenen Beitrag zur Risikovermeidung und zur Medienkompetenzförderung geleistet.

Insgesamt zeigt die Evaluation, dass „Dein Spiel. Dein Leben.“ – Find your level!“ einen neuen Weg aufgezeigt, wie Jugendliche durch die Förderung von Eigeninitiative im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung und gesetzlichem Schutz sensibilisiert und gestärkt werden können.

Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse der Evaluation berücksichtigend, zeigt die Kampagne, dass es erfolgversprechend ist, direkt an den Themen, Interessen und Leidenschaften Jugendlicher anzusetzen. Denn um eine Relevanz für die Lebenswelt der Jugendlichen zu erreichen, sollte diese Lebenswelt auch der Ausgangspunkt für Projekte und Aktionen sein. Wichtig ist weiterhin, dass das Wissen und die Erfahrungen der Jugendlichen selbst von Beginn an in die Planung und Durchführung einbezogen werden. Ein möglichst hohes Maß an Partizipation ist ein Garant für Erfahrungen von Selbstwirksamkeit. Zudem stellt die Evaluation heraus, dass pädagogische Begleitung und methodische Unterstützung wichtige Voraussetzungen zum Gelingen von Peer-to-Peer-Kampagnen sind. Dabei sollten die Fachkräfte den partizipativen Prozess initiieren, im weiteren Verlauf aber Zurückhaltung üben bzw. nur im Bedarfsfall in den Arbeitsprozess moderierend eingreifen.

Den gesamten Evaluationsbericht inklusive dem Abschlussbericht der Kampagne „Dein Spiel. Dein Leben“ können Sie hier herunterladen.

Quellen: Dialog Internet 2013, Tillmann/Helbig 2013

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