Kinder- und Jugendarbeit / Europa

EuroPeers und Voluntourismus - Perspektiven für die Mobilitätsberatung

Eine junge Frau sitzt auf ihrem Koffer an den Bahngleisen
Bild: © Ralph Maats - Fotolia

Auf ihrer aktuellen Jahrestagung beschäftigt sich Eurodesk Deutschland mit zahlreichen Fachthemen und diskutiert aktuelle Herausforderungen der Mobilitätsberatung. Rund um das Thema Auslandsaufenthalt und internationale Begegnung berät das Netzwerk an mittlerweile 50 Standorten in ganz Deutschland.

Eurodesk Deutschland feiert in diesem Jahr sein 20jähriges Bestehen ( jugendhilfeportal.de berichtete). Ein guter Anlass, um über Herausforderungen und Perspektiven der fachlichen Arbeit des Informationsnetzwerks zu diskutieren. Zu diesem Anlass kamen knapp 50 Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Deutschland vom 25.04. - 27.04.2016 in Bonn zur Eurodesk-Jahrestagung zusammen. Vorträge zu unterschiedlichen Fachthemen, Workshops und Diskussionen bestimmten das Programm. Die Tagung diente aber auch dem Austausch von Good-Practice, der Entwicklung von neuen Ideen und konkreten Vorhaben sowie der Vereinbarung von Kooperationen.

Von der Messe bis zum EuroPeer: Herausforderungen, Themen, Methoden

Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Workshops mit aktuellen Herausforderungen in der Beratung, speziellen Mobilitätsthemen oder Methoden der Informationsvermittlung auseinanderzusetzen. So stellten beispielsweise im Workshop "Methoden praktisch ausprobieren" unterschiedliche Partnereinrichtungen diverse Methoden für Messen und Infoveranstaltungen vor, die auch direkt erprobt werden konnten. Es fand ein Austausch darüber statt, welche Methoden sich bewährt haben, wie sie funktionieren und ggf. verbessert werden können. Die Methoden wurden dokumentiert und dem Gesamtnetzwerk zur Verfügung gestellt.

Der Workshop "Neue Wege der Zusammenarbeit: Kooperation der Eurodesk-Partner mit Eurodesk-Infopunkten, Mobilitätslotsen und Rückkehrern" widmete sich den Kooperationsmodellen mit Eurodesk. Interessierte konnten sich darüber informieren, wie die Zusammenarbeit zwischen den Eurodesk-Partnern und z. B. Mobilitätslotsen oder EuroPeers gestaltet werden kann. Außerdem wurden Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit und neue Wege der Zusammenarbeit diskutiert.

Grundsätzliche Informationen zu Schulaufenthalten im Ausland auch für Nicht-Gymnasiasten präsentierten Anna Koch und Sabine Stedtfeld von Experiment e. V. aus Sicht des Dachverbands AJA – Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen. Bekanntlich dominieren bei internationalen Schulaufenthalten Teilnehmende, die höhere Bildungsabschlüsse anstreben, seltener jedoch Nicht-Gymnasiasten. Die Teilnehmer/-innen erfuhren Wissenswertes zu Voraussetzungen, Zeitpunkt, Dauer, Kosten und Ablauf von Schulaufenthalten im Ausland und welche speziellen Fördermöglichkeiten es für Mittel- bzw. Realschüler gibt.

"Voluntourismus" - ein wachsender Trend

Dem wachsenden Phänomen, dass zunehmend Reisen und Freiwilligeneinsätze kombiniert werden, näherte sich das Netzwerk über einen Vortrag von Antje Monshausen, Leiterin von Tourism Watch. Sie stellte eine gemeinsame Untersuchung von ECPAT Deutschland e. V., Brot für die Welt - Tourism Watch und dem Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (akte) zum sogenannten "Voluntourismus" vor. Zentrales Fazit: Etablierte und transparente Standards existieren bisher nur im geregelten Freiwilligendienst oder im Incoming-Bereich einzelner Länder. Wer sich mit diesem Thema vertieft auseinander setzen wollte, konnte dies in dem gleichnamigen Workshop tun. Hier stand der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt, wie die Eurodesk-Berater/-innen bisher mit dem Thema Voluntourismus umgehen und wie sich das Eurodesk-Netzwerk dazu positionieren kann.

Inklusion bei Auslandsaufenthalten 

Welche Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts Jugendliche mit Beeinträchtigung haben, diskutierten die Teilnehmer/innen eines weiteren Workshops. Rebecca Daniel von Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V. (bezev) gab eine Einführung über den Stand der Inklusion bei Auslandsaufenthalten und stellte die Hintergründe des Programms „weltwärts alle inklusive“ vor. Neben Finanzierungsmöglichkeiten wurden auch grundsätzliche Herausforderungen hinsichtlich der Inklusion bei Freiwilligendiensten und anderen Mobilitätsmaßnahmen diskutiert und eine stärkere Vernetzung von Einsatzstellen, Entsendeorganisationen sowie beratende Organisationen gefordert.

Helikoptereltern - Eine Herausforderung in der Beratung

Unter dem Titel „Helikoptereltern – Neue Herausforderungen in der Beratung“ entwickelten die Workshop-Teilnehmer/-innen Strategien, um auf den zunehmenden Einfluss von (ehrgeizigen) Eltern zu reagieren. Ansprüche von Eltern und Ansprüche der Jugendlichen wurden gegenübergestellt und verschiedene Beratungskonstellationen diskutiert. Gemeinsam erarbeiteten die Anwesenden konkrete Hilfestellungen für die Beratung.

Am letzten Tag des Netzwerktreffens stellte Stefan Metzdorf, Projektleitung der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS), die Tätigkeiten der Serviceeinrichtung vor. Die IBS informiert über Programme der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Ausland und ist Teil des "Arbeitskreis Wege ins Ausland", zu dem auch Eurodesk gehört.

Außerdem bilanzierten die Teilnehmenden zu Beginn des Treffens im CJD Bonn die Aktivitäten des vergangenen Jahres und informierten sich über aktuelle Entwicklungen aus dem europäischen Netzwerk und aus der Nationalagentur JUGEND für Europa. 

Der erste Tag stand außerdem im Zeichen des feierlichen Empfangs anlässlich des 20. Geburtstags von Eurodesk Deutschland im Uniclub Bonn. Ein ausführlicher Bericht hierzu steht mit weiteren Informationen zum Netzwerks auf der IJAB-Webseite zur Verfügung. 

Fazit: Insgesamt boten die Workshops und Fachinputs auch in diesem Jahr eine Fülle an Informations- und Austauschmöglichkeiten. Das Jahrestreffen leistet durch Austausch und Diskussion sowie Good-Practice-Beispiele einen wichtigen Beitrag, um die Qualität der Information und Beratung von Fachkräften in der internationalen Jugendarbeit zu erhöhen.

Weiterführende Informationen:

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V., Svenja Schumacher

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