Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Eurodesk Summit 2017: Ein Stück gelebtes Europa

Wegweiser mit verschiedenen Städten Europas
Bild: © Eyematrix - Fotolia.com

In Essen trafen sich 60 Vertreterinnen und Vertreter von Mobilitätsberatungsdiensten aus 34 Ländern vom 15. bis 19. März. Sie repräsentieren das Eurodesk-Netzwerk, das junge Menschen berät, wenn sie ins Ausland möchten. Eine Möglichkeit, sich in Europa zu engagieren, wird das neue Europäische Solidaritätskorps sein. Auf dem Summit wurden Vorschläge für die Zukunft dieses neuen Freiwilligendienstes diskutiert.

Peter Renzel vom Jugendamt der Stadt Essen ist voll des Lobes für die Rolle von Eurodesk in seiner Stadt und Region. Mobilitätsmessen und Trainings habe man gemeinsam durchgeführt. Ein Service der wichtig sei für eine Stadt wie Essen, die sich in einem dauerhaften Wandel von der früheren Kohle- und Stahl-Metropole hin zu einem Standort für neue Unternehmen, Kultur und Ökologie befindet. Dass sich jungen Menschen dabei neue, internationale Horizonte erschließen, sei wichtig.

Auch IJAB-Direktorin Marie-Luise Dreber nimmt in ihrem Grußwort Wandel wahr – allerdings nicht immer einen zum Besseren. Sie erinnert an die Tendenzen zu Nationalismus und Abschottung in vielen Ländern Europas. Umso wichtiger sei es, dass junge Menschen mithilfe von Eurodesk die Möglichkeit hätten, ein positives Europa kennenzulernen, ein Europa der Menschenrechte, der Vielfalt und der Solidarität.

Summit diskutiert Europäisches Freiwilligenkorps

Solidarität ist das Stichwort für Eurodesk-Präsidenten Reinhard Schwalbach. Neben den vielen Tagesordnungspunkten des Summits, die sich mit neuen Online-Lern-Tools, dem Erscheinungsbild von Eurodesk, der Arbeit mit Multiplikatoren und der Herausforderung durch gewerbliche Anbieter beschäftigen, gibt es auch ein echtes politisches Schwergewicht im Programm: das Europäische Solidaritätskorps.

Um über den Ist-Stand zu berichten und die Meinung und Erfahrung des Eurodesk-Netzwerks einzuholen, ist Violeta Birzniece vom Generaldirektorat für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission angereist. Seit Dezember 2016 können sich junge Menschen zwischen 17 und 30 Jahren für den neuen Freiwilligendienst bewerben. Über 20.000 haben das bisher getan. Seit 8. März haben nun Organisationen, die bereits Angebote im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes gemacht haben, Zugriff auf die Daten der Bewerberinnen und Bewerber und können gezielt nach Freiwilligen suchen. Zeitgleich läuft noch bis zum 2. April ein Konsultationsverfahren zur zukünftigen Ausgestaltung des Solidaritätskorps.

Interessant sind die Zahlen, die Birzniece vorstellt: Spitzenreiter unter den Ländern, aus denen die Bewerber/-innen stammen, sind Italien, Spanien und Portugal – alles Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Der Altersschwerpunkt liegt bei 20 - 25 Jahren, fast zwei Drittel der potentiellen Freiwilligen sind weiblich. Der neue Freiwilligendienst wirft bei den Summit-Teilnehmer/-innen Fragen auf: Was unterscheidet das Freiwilligenkorps vom Europäischen Freiwilligendienst, wie kann man das Korps bewerben ohne die Erwartungen zu hoch zu schrauben, warum gibt es keine Kurzzeitangebote?

Intensiv diskutieren die Teilnehmer/-innen Verbesserungsvorschläge. Sie wünschen sich Beratungsmöglichkeiten für jugendliche Bewerber/-innen, denn das Verhältnis von Interessierten zu tatsächlich ausgewählten Freiwilligen ist noch sehr unausgewogen – Frustrationsmanagement mittels Aufzeigen von Alternativen lautet das Stichwort. Begrüßenswert wäre es auch, wenn Bewerber/-innen sehen könnten, auf was sie sich einlassen. Dafür müssten sie in der Datenbank sehen können, welche Projekte angeboten werden. Und schließlich wäre es hilfreich, wenn man die eigene Beratungsleistung verbessern könnte – ein Beratungsmanual tut not. Violeta Birzniece ermutigt die Summit-Teilnehmer/-innen, ihre Ideen in einem Positionspapier zusammenzufassen.

Europäische jugendpolitische Schwerpunkte

Birzniece hat noch mehr im Gepäck. Die Weiterentwicklung der EU-Jugendstrategie ist ein weiterer Schwerpunkt europäischer Jugendpolitik in diesem Jahr. "2017 ist für uns ein Jahr des Zuhörens", sagt sie. Dazu gehören die Einbeziehung des Strukturierten Dialogs und eine große Jugendkonferenz am 3. und 4. Mai – während der Europäischen Jugendwoche – in Brüssel. 350 Teilnehmer/-innen aus ganz Europa werden erwartet.

Apropos Europäische Jugendwoche: Thematische Schwerpunkte sind in diesem Jahr das Europäische Freiwilligenkorps, 30 Jahre Erasmus+ und die Ausgestaltung von Jugendpolitik durch junge Menschen. Daher das Motto "Shape it. Move it. Be it." Besondere Ergebnisse erwartet sich Birzniece von einem Wettbewerb, bei dem Preise für "Change Makers" vergeben werden. Ihre Leistungen sollen in Videos dokumentiert und auf der Jugendkonferenz in Brüssel vorgestellt werden. Birzniece hofft auf Engagements-Botschafter, die andere inspirieren.

Eurodesk selbst ist ein Stück europäische Inspiration. Ein Blick in die Runde zeigt: Der Altersdurchschnitt ist niedrig. Junge Europäer/-innen ebnen durch Beratung und Information anderen den Weg zu einer europäischen Erfahrung. Gelebtes Europa.

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Christian Herrmann



Info-Pool