Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Eurodesk-Jahrestagung – reger Erfahrungsaustausch und neue Ideen

Eine junge Frau lächelt fröhlich in die Kamera und hält einen kleinen bunten Koffer mit verschiedenen Aufklebern hoch.
Bild: Christian Herrmann Wie kommt man raus von zuhaus? Im Eurodesk-Escape-Room wird es erklärt.

Etwa 50 Teilnehmende des Eurodesk-Partnernetzwerks aus dem gesamten Bundesgebiet kamen vom 18. bis 20.3.2019 zur diesjährigen Eurodesk-Jahrestagung im CJD-Gästehaus in Bonn zusammen. In diesen drei Tagen informierten sie sich über neue Entwicklungen und tauschten ihre Erfahrungen untereinander aus. Eurodesk sammelt Informationen rund um das Thema Auslandsaufenthalt und internationale Begegnungen und berät Jugendliche kostenlos und neutral.

Mit einer ausführlichen Präsentation der Neuigkeiten aus dem Netzwerk begann die Jahrestagung. Das fünfköpfige Team von Eurodesk Deutschland informierte über neue Entwicklungen, anstehende Highlights, Termine und Arbeitsvorhaben, was es allen Beteiligten ermöglichte, einen einheitlichen Informationsstand über die anstehenden Vorhaben und Termine des Jahres 2019 zu erhalten. Dazu zählten Neuigkeiten zur Eurodesk-Webseite www.rausvonzuhaus.de, zu geplanten Kampagnen und Produkten 2019, zum Europäischen Jugendportal, der Pressearbeit und vieles andere mehr.

Im Rahmen dieser Präsentation informierte Daniel Poli, Geschäftsbereichsleiter für die Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit bei IJAB, über die geplante Jugendkampagne internationaler Jugendaustausch. Mit dieser öffentlichkeitswirksamen Kampagne, die Jugendevents vor Ort, eine Social Media-Kampagne und vieles mehr umfasst, soll der gesellschaftliche Stellenwert von internationalem Jugendaustausch erhöht werden. Per Videofilm wurden auch Neuigkeiten von Eurodesk Brussels Link (EBL) zugeschaltet, die einige Informationen aus dem europäischen Netzwerk ergänzten.

Inputs durch Eurodesk-Partner

Vier Inputs durch Eurodesk-Partner schlossen sich dieser einführenden Präsentation an. Dieter Edenharter von Eurodesk Ingolstadt beim Stadtjugendring schilderte seine Teilnehmererfahrungen bei einer internationalen Fachkräftebegegnung im Rahmen des Deutsch-Japanischen Studienprogramms in Japan. Seine Ausführungen dienten dazu, den persönlichen und fachlichen Mehrwert solcher Begegnungen zu demonstrieren. Franziska Koch von bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.) stellte die Serviceleistungen von bezev für die Beratung und Vermittlung von Jugendlichen mit Beeinträchtigungen bei Auslandsaufenthalten sowie Fördermöglichkeiten vor und Markus Singer von mobflo (Mobile Beratung Flörsheim und Eurodesk-Servicestelle) berichtete als Good-Practice-Beispiel von der überregionalen Zusammenarbeit im Rhein-Main-Netzwerk, die mehrere Eurodesk-Partner aus der Region einschließt. Der letzte Input erfolgte durch Anastasia Zydor (Jugendbildungsstätte Unterfranken, Eurodesk Würzburg), die ebenfalls als Good-Practice-Beispiel einen strategischen Europäischen Freiwilligendienst zum Thema „Rassismuskritische Migrationspädagogik“ vorstellte.

Zugänge zu Auslandsaufenthalten: Ergebnisse aktueller Studien

Welche Zugänge haben junge Menschen zu Informationen über Auslandsaufenthalte sowie zu internationalen Begegnungen? Damit beschäftigen sich aktuell verschiedene Studien, die dem Eurodesk Netzwerk am zweiten Tag der Tagung vorgestellt wurden. So berichtete Claudia Gerbaud von transfer e.V. über die Ergebnisse der Zugangsstudie „Warum nicht? Studie zum Internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“. Ein zentrales Fazit war, dass es eine große Gruppe potentiell Interessierter gibt, jedoch strukturelle  Hinderungsgründe und individuellen Beratungsbedarf um sogenannte Geisterhypothesen wie „Das kostet viel Geld“ oder „Das machen nur Gymnasiasten“ auszuräumen.

Handlungsempfehlungen für die Kommunikation mit „austauschfernen“ Zielgruppen gibt eine qualitative Zielgruppenstudie von jugendkulturforschung.de. Die Ergebnisse dieser Studie enthalten wichtige Hinweise zur Zielgruppenkommunikation. Regina Pfeifer von Eurodesk Deutschland stellte einige Ergebnisse dazu vor, etwa die Notwendigkeit, Zielgruppen und Themen einzugrenzen und auf eine gute Mischung aus on- und offline-Kommunikation zu setzen.

IJAB erstellte 2018 eine Synopse „Mapping bestehender Informations- und Beratungsdienste für Jugendliche und Fachkräfte zu Mobilitätsfragen in Deutschland“, dessen Ergebnisse ebenfalls vorgestellt wurden. Die Synopse erfasste 735 Jugendinformations- und Beratungsangebote zu Mobilitätsfragen. Die Studie beleuchtet Gelingensfaktoren beim Erreichen austauschunerfahrener Gruppen und kommt hierbei zu verschiedenen Ergebnissen: Je mehr eine Einrichtung vernetzt ist, desto intensiver fällt die themenspezifische Beratung aus. Kommunale Träger haben wenig Spielraum, Jugendarbeiter/-innen vor Ort sind flexibler; generell verfügen Fachkräfte jedoch über zu wenig Ressourcen, um proaktiv Jugendliche anzusprechen. Sie beraten nur nach Anfrage oder im Rahmen spezieller Veranstaltungen. Bestätigt wurde dies durch einen Bericht von Konrad Flegr von Eurodesk Rottweil, der die Ergebnisse für seinen Standort vorstellte.

Austausch von Erfahrungen und kreativen Ideen

In zwei Workshop-Phasen konnten sich die Teilnehmenden der Jahrestagung über neue Entwicklungen, Ideen und Erfahrungen austauschen. Fernwehlots(inn)en-Schulungen von Eurodesk sind Mobilitätsberatungen, die sich gezielt an Jugendliche wenden. In einem Workshop dazu zogen die Teilnehmenden eine Zwischenbilanz über diese Form der Eurodesk- Schulungen mit dem Ziel, das zugrundeliegende Peer-to-Peer-Konzept weiter umzusetzen. Im Workshop „Jugendliche erreichen, Kampagnen umsetzen“ brachten die Beteiligten gute Beispiele aus ihrer Arbeitspraxis ein: Wie können junge Menschen erfolgreich erreicht werden und welche nützlichen Werkzeuge gibt es, Kampagnen umzusetzen? Ein weiterer Workshop beleuchtete neue Entwicklungen hinsichtlich der Mobilitätsprogramme und Zielgruppen. Beide Workshops konnten an die Ergebnisse der zuvor präsentierten Studien anknüpfen und um die geschilderten eigenen Erfahrungen ergänzen.

In der zweiten Workshop-Phase wurden außerdem bestehende Eurodesk-Produkte evaluiert und neue Ideen der Teilnehmenden gesammelt. Besonders kreativ konnten sich die Teilnehmenden eines Workshops betätigen, in dem gemeinsam an einem Eurodesk-Escape Room gearbeitet wurde. Sie konnten einen ersten Eindruck gewinnen, wie man einen Escape Room gestaltet und diesen als Methode zur Mobilitätsberatung nutzen kann. Neben einem Überblick über nützliche Materialien und Hilfmittel vermittelte der Workshop, wie Lerninhalte festgelegt, Zielgruppen berücksichtigt, eine Geschichte entwickelt und Ideengeber genutzt werden kann. In der Gruppe wurden dann die Grundlagen der Escape Room Konzeption selbst erprobt – der Eurodesk- Escape-Room wird nun im Nachgang finalisiert.

Am letzten Tag der Jahrestagung wurden im Worldcafé die Ergebnisse der Workshops nochmals für alle anderen Teilnehmer zusammengefasst, damit niemand interessante und wichtige Erkenntnisse verpasste. Es folgten Vorträge der Kollegen von JUGEND für Europa: Julia Schwamm berichtete über das Europäische Solidaritätskorps und zog eine erste Bilanz der Umsetzungen. Über Neuigkeiten von JUGEND für Europa und im Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION informierte anschließend Frank Peil. Beide stellten sich den regen Fragen der Teilnehmer. Nach Reflektion und Ausblick auf die nächste Tagung kehrten sie in ihre Heimatorte zurück. Alle nahmen viele neue Ideen und Eindrücke mit nach Hause.

Weitere Informationen zu Eurodesk finden sich bei IJAB und unter www.eurodesk.de.  

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Nadine Zeyen

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