Kinder- und Jugendarbeit / Im Fokus

Erinnerung an die Schrecken des DDR-Grenzregimes wachhalten

Gedenkstreifen an Berliner Mauer mit Schriftzug
Bild: emilyalp - www.pixabay.de (CC0)

Es waren vor allem junge Menschen, die sich für den Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten - und auf der Flucht ums Leben kamen. Der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin hat jetzt die Namen und Biografien der 327 Todesopfer ermittelt und in einem Handbuch dokumentiert.

Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin hat heute in der Stiftung Berliner Mauer die Ergebnisse des Forschungs- und Dokumentationsprojekts "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze" vorgestellt. Das Projekt wurde aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie der Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen gefördert.

Verantwortung für eine demokratische Zukunft

Monika Grütters: "Die Erinnerung an die Schrecken des Grenzregimes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze aufrecht zu erhalten, ist ein zentrales Anliegen bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die neuen Forschungsergebnisse leisten einen wichtigen humanitären Beitrag, indem Sie den Todesopfern an der innerdeutschen Grenze Namen und Gesicht wiedergeben und ihrer auf diese Weise würdig gedenken. Das sind wir den Menschen schuldig, die für Freiheit und Selbstentfaltung ihr Leben ließen. Wir stehen aber auch in der Verantwortung für eine demokratische Zukunft. Denn die Freiheit braucht auch dort Verteidiger, wo die Selbstentfaltung nicht an Mauern, Stacheldraht und Minenfeldern endet."

Historisches Wissen liefert überzeugende Argumente

Monika Grütters weiter: "Spätestens seit Demagogen, Populisten und Nationalisten auch in Deutschland wieder Beifall für ihre Angriffe auf demokratische Institutionen und Errungenschaften bekommen, ist offensichtlich, wie sehr wir die bitteren Erkenntnisse aus der Aufarbeitung von NS-Terrorherrschaft und SED-Diktatur brauchen. Das historische Wissen liefert für ein 'Wehret den Anfängen' überzeugende Argumente. Die Auseinandersetzung mit Einzelschicksalen - die Erinnerung an Menschen, deren Sehnsucht nach Freiheit größer war als die Angst vor den Unterdrückern der Freiheit - kann motivieren, persönliche Handlungsspielräume nicht nur zu erkennen, sondern auch zu nutzen."

Junge Menschen auf dem Weg in die Freiheit

Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin hat in dem Forschungs- und Dokumentationsprojekt "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze" die Anzahl der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze wissenschaftlich fundiert ermittelt sowie deren Namen und Biographien aufgezeichnet. Ergebnis des Projekts ist ein Handbuch, das die Biographien von 327 Todesopfern aus Ost und West enthält, denen das DDR-Grenzregime zum Verhängnis wurde. Bei den Flüchtlingen, die erschossen wurden, durch Minen und Selbstschussanlagen ums Leben kamen oder in Grenzgewässern ertranken, handelte es sich überwiegend um junge Menschen, die sich bewusst für den lebensgefährlichen Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten. Zu ihrem Gedenken soll das Handbuch beitragen.

Lebensgeschichten aus beiden deutschen Staaten 

Das Handbuch enthält auch Lebensgeschichten von Zivilpersonen aus beiden deutschen Staaten, die ohne Fluchtabsichten dem DDR-Grenzregime zum Opfer fielen, und Schicksale deutscher und sowjetischer Deserteure, deren Fahnenfluchten an der DDR-Grenze tödlich scheiterten. Zusätzliche biographische Angaben widmen sich Grenzsoldaten, die aus Verzweiflung über die Zwänge des Dienstes in den Grenztruppen Suizid begingen, sowie jenen DDR-Grenzwächtern, die von westlicher Seite, von Fahnenflüchtigen oder von eigenen Kameraden irrtümlich als Flüchtlinge erschossen wurden. Das Projekt wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit 449.000 Euro gefördert. An den Gesamtkosten von 642.000 Euro beteiligten sich auch die Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen.

Das biographische Handbuch ist im Verlag Peter Lang erschienen.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 07.06.2017